Erna-Graff-Stiftung

Aktuelle Projekte

Das Erasmus+ mobility Projekt

Die Erna-Graff-Stiftung führt in diesem Frühsommer wieder Erasmus + mobility Projekte für Auszubildende der Berufe Tierärztliche Fachkraft und Tierpfleger an europäischen Partnerschulen durch. Unsere Mitarbeiterin Dr. Alexandra Nietsch hat zwei Reisen geplant und organisiert und begleitet Schülergruppen zu ihren Gastschulen in Dänemark und in Österreich.

Wie schon bei unserer ersten Erasmus Reise nach Schottland im September 2014, lernen die Schüler aus Deutschland  das Ausbildungssystem für ihren Beruf in einem europäischen Land kennen, um zwischen der deutschen Ausbildung und dem der Partnerschule vergleichen können. Dazu nehmen sie am Unterricht teil und haben Praktika in Tierkliniken, großen und kleinen Tierarztpraxen und in Einrichtungen, in denen Tiere gehalten werden. Abgesehen von dieser Erfahrung, haben alle TeilnehmerInnen die Möglichkeit, sich in Selbstorganisation und einer fremden Sprache zu üben und ihre ausländischen Kollegen kennenzulernen. Natürlich soll es auch Zeit geben, um Freundschaften untereinander knüpfen und sich austauschen zu können.

Die Erna-Graff-Stiftung organisiert diese Reisen, weil sie den Tierschutzgedanken und das Wissen über die Brennpunkte im Tierschutz bei den Auszubildenden dieser ‚Tier’berufe  vertiefen möchte. Wir erfragen deshalb die Herangehensweise an das Thema im Curriculum der deutschen und in dem der Partnerschulen und stellen den Schülern tierschutzbezogene Projektaufgaben, die uns helfen, die Tierschutzgesetze und ihre Anwendung im Gastland kennenzulernen.

Auch über für den Tierschutz wichtige Themen wie Veganismus und Wildtierhaltung im Zoo und Zirkus wird diskutiert. Der Film ‚Unter Menschen‘  (‚Redemption impossible‘) gibt Anlass, über  Gefangenschaftshaltung von Menschenaffen, Tierversuche und auch über die Verantwortung der Tierärzte, Tierärztlichen Fachangestellten und der TierpflegerInnen in der Verbesserung des Tierwohls zu sprechen.

 

Die Erasmus Reise nach Dänemark

Eine Gruppe von drei zukünftigen Tierpflegerinnen der Elly-Heuss Schule in Neumünster (www.ehks.neumünster.de) und zwei zukünftigen Tierärztlichen Fachangestellten von der Johanna-Just Schule in Potsdam (www.osz-j-just.de) sind für zwei Wochen gemeinsam in Dänemark am Hansenberg Kolleg (www.hansenberg.dk) aufgenommen worden. Die Organisatoren hier haben den Aufenthalt vielfältig und informativ gestaltet und einen straffen Stundenplan ausgearbeitet. Herzlichen Dank dafür an Helge Lei Hansen und Kristina Hagensen Abilgaard und an das ganze Team des Hansenberg Kollegs!20160606_145313

Vielen Dank auch dafür, dass die Schülerinnen beider Ausbildungsberufe gemeinsam am Unterricht teilnehmen konnten. In vielen Diskussionen hat es sich gezeigt, dass alle ein großes Interesse daran haben, in den Beruf der ‚anderen‘ hineinschnuppern zu können. Der gemeinsame Unterricht und die Gespräche über die Inhalte war für alle ein Zugewinn.

Für die Ausbildung seiner SchülerInnen im Beruf ‚veterinary nurses‘ unterhält das Kolleg auf seinem Campus einen kleinen Zoo mit Schweinen, Kängurus, kleinen Primatenarten, Reptilien, Vögeln, Hunden, sowie eine Rinder- und Pferdezucht. Daher können die Schüler eine große Zahl verschiedener Tierarten im Unterricht kennenlernen. Davon profitieren auch unsere Schülerinnen, denn Führungen über das Gelände zu den Tieren gibt es auch für uns. Und wie schön für uns: der Kontakt mit den Tieren ist erwünscht, denn ein vertrauensvoller Umgang miteinander ist die Voraussetzung für die praktischen Übungen: Klickertraining, Verbände anlegen oder Kontrolle von Herz- und Lungenfunktion. Letzteres wird aber erst mit Stoffhunden geübt!

 Beagle

Das Foto zeigt die Schülerinnen im Beaglegehege. Jeder auf dem Campus nimmt sich Zeit, um mit den Hunden spazieren zu gehen oder zu spielen. Wir waren sofort umzingelt und jede hatte mindestens einen Hund auf dem Schoß…..

Die Tierschutz-Projektaufgaben für die Schülerinnen dieser Gruppe sind unter anderem: Recherche über Hundehaltung in Dänemark, Nutztierhaltung im Vergleich zu Deutschland und das Walschlachtfest auf den Farörer Inseln. Die Schülerinnen konnten Fragen zu ihren Themen im Tierschutzunterricht an der Schule stellen und auch an ihren Praktikumsstellen diskutierten. Wir möchten den Partnerkliniken und -praxen des Hansenberg Kollegs unseren Dank dafür aussprechen, dass sie die deutschen Schüler am Praxisalltag teilnehmen ließen und so geduldig ihre Anweisungen und Antworten auf Englisch formuliert haben.

 

Das Resultat der Recherche zur Hundehaltung in Dänemark und der Umgang mit sogenannten gefährlichen Hunden ist für alle doch ein kleiner Schock. Ein Besuch im dänischen Tierheim macht deutlich: hier wird kein Hund aufgenommen, der einer der 13 gelisteten Rassen angehört oder wie ein Mischling daraus aussieht. Einfuhr, Zucht und Haltung sind gesetzlich verboten und wenn ein solcher Hund aufgegriffen oder konfisziert wird, darf er nicht am Leben bleiben – auch nicht in einem Tierheim! Außerdem: jeder Hund, der ein aggressives Verhalten zeigt, auch ein Hund von Urlaubern, kann von der Polizei mitgenommen werden. Vor ein paar Jahren noch hat der Urlauber seinen Hund dann wohl nicht mehr wiedergesehen. Jetzt dürfen die Halter einen Gutachter dazu holen, der klären muss, ob der ‚gefährliche‘ Hund vielleicht nur wild gespielt oder sich verteidigt hat. Früher hat das die Polizei alleine entscheiden dürfen und dann wurde der Hund getötet (www.tasso.net./tierschutz/aktionen/danemark). In unserer Gruppe herrscht Einigkeit: diese Rasselisten sind Unfug und müssen abgeschafft werden.  Einige unsere deutschen Bundesländer haben das ja bereits getan. Warum nehmen sich die anderen daran nicht ein Beispiel?

Auf der Hansenberg Farm wird eine kleine Herde Jersey Rinder gehalten und auch ein wenig Milchwirtschaft betrieben. Wir konnten die Stallanlage besichtigen, die Kühe und Kälbchen kraulen und hatten eine rege Diskussion über Stallhaltung, Milchwirtschaft und -konsum und das Enthornen von Rindern. Hier steht für alle fest: Enthornen niemals ohne Betäubung!

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Zum Glück werden Kälber in Dänemark grundsätzlich nur unter Betäubung und mit Schmerzbehandlung enthornt. Schlimm genug war es aber auch so schon….

Die Recherche über die Färöer Inseln und den Walfang hier, ließ uns etwas ratlos zurück.

Die Färöer-Inseln sind eine Inselgruppe im Nordatlantik zwischen Island, Schottland und Norwegen. Sie gehören zur dänischen Krone, sind aber autonom.

Dänemark hat den Walfang inzwischen eingestellt, aber auf den Färöer-Inseln gelten andere Gesetze: hier werden jedes Jahr hunderte von Grindwalen, Delfinen und andere Kleinwale abgeschlachtet (https://www.sea-shepherd.de/989-warum-werden-wale-und-delfine-auf-den-faeroeer-inseln-ermordet). Wir tun uns schwer damit, die Politik und die Gesetze zu verstehen. Ein Gesetz gibt es hier offenbar, das uns völlig krank vorkommt: Wenn jemand Wale sichtet, ist es gesetzliche Pflicht, das zu melden (http://europe.newsweek.com/faroe-island-tourists-face-two-years-prison-not-aiding-whale-killings-329571). Touristen sind davon wohl doch ausgenommen, aber niemand darf absichtlich Walschulen wieder von der Küste wegtreiben. Wenn dann zur Jagd auf Wale geblasen wird, werden die Schulen mit Motorbooten umzingelt, an Land getrieben und regelrechte Schlachtfeste veranstaltet.

Warum hören die damit nicht auf? Warum kann man es ihnen nicht verbieten?

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Tiere töten zu Nahrungszwecken, Tiere töten als kulturelles Erbe, Tiere töten aus Freude an der Jagd – das sind die Themen, die wir auf dem Tisch haben. Fest steht für uns: ein Ziel für den Urlaub können die Färöer Inseln nicht sein.

Der Stundenplan bot auch einen Einblick in die Laborarbeit. Im Fach Mikrobiologie nahmen uns die Schüler der Schule in die Gruppenarbeit auf und erklärten uns Färbetechniken für gram-positive und gram-negative Bakterien.

Die Tierärzte der Hansenberg Farm durften wir auch bei ihrer Arbeit begleiten. Für alle interessant und neu war es, bei der künstlichen Besamung einer Stute dabei zu sein und den Ultraschallmonitor zu beobachten. Auch ein Anlass, um über den Pferdesport zu sprechen. Wir sind alle entsetzt darüber, dass viele Sportpferde schon nach wenigen Jahren an so großen Verschleißerscheinungen leiden, dass sie keinen Wert mehr für den Besitzer haben. Wie kann es sein, dass ein Pferd, dass seinem Besitzer auf Tournieren Geld und Ehre eingebracht hat, dann -wenn es nach wenigen Jahren einfach nicht mehr kann- in seinen Augen nur noch für den Schlachter taugt! Was ist das nur für eine Sorte Mensch?

Und auch bei der Untersuchung einer Kuh waren wir dabei. ….

kuh

Leider geht die Reise jetzt Mitte Juni schon ihrem Ende zu. In den letzten Tagen konnte auch noch ein Lehrer der Johanna-Just Schule zu der Schülergruppe stoßen und bei der abschließenden Evaluation dabei sein. Wir sind schon sehr gespannt auf seinen Bericht und werden bestimmt noch ein paar interessante Informationen über diese Reise weitergeben können.

 

Über unsere Erasmus Reise nach Österreich mit neun zukünftigen TierpflegerInnen der Peter-Lenné Schule in Berlin (www.peter-lenne-schule.de) werden wir in der nächsten Woche berichten.

Dieses Projekt ist erst Ende Juni vorbei und es wird in den nächsten zwei Wochen noch sehr interessant werden für unsere Schüler!

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