Erna-Graff-Stiftung

Erna Graff – Ein Leben für den Tierschutz

Erna Graff (3.06.1906 – 5.02.1988)

Erna Graff wurde am 3. Juni 1906 in Berlin Prenzlauer Berg als Tochter des jüdischen Glasers Max Graff und seiner Frau Marie Auguste Antoniette geboren. Schon früh interessierte sie sich für Musik, insbesondere Richard Wagner und strebte schließlich eine Karriere als Opernsängerin an. Sie begann Solopartien in Berlin zu singen und wurde schon bald darauf zu den weltberühmten Bayreuther Festspielen eingeladen. Dort machte sie sich als passionierte Wagnerinterpretin einen Namen und sang unter anderem die Rolle der Orthlinde in „Die Walküre“ und die des Blumenmädchens in „Parsifal“.

Schicksalsschläge zu Zeiten des NS-Regimes

Leider stand ihre Karriere in der damaligen Zeit unter keinem guten Stern. Durfte sie 1933 noch bei den Festspielen auftreten, so wurde sie 1939 von Winifried Wagner, einer Hitlerfreundin und Schwiegertochter Richard Wagners, aufgrund ihres familiären Hintergrundes abgelehnt. Auch bei der nationalen Reichstheaterkammer bestand keine Chance auf eine Einstellung. Sie erhielt ein landesweites Auftrittsverbot. Man legte ihr nahe, sich im Ausland nach einem Engagement umzusehen. Erna Graff plante mit ihren Eltern zu emigrieren. Von ihrem ersten Ehemann, dem Kinobesitzer Friedrich Schmitz, war sie nun geschieden, da dieser den Fortbestand einer Ehe mit ihr aufgrund der nationalsozialistischen Gesetzeslage ablehnte.

Ablehnungsbescheid der Reichskulturkammer

Wie so oft in Erna Graffs Leben kam alles ganz anders als geplant. Ihr Vater Max Graff verstarb 1936 und das Befinden ihrer Mutter verschlechterte sich zunehmend, so dass diese von nun an auf Pflege angewiesen war. So blieben Mutter und Tochter in Berlin.

In dieser Zeit, ab 1936, betrieb Erna Graff einen kleinen Einzelhandel mit Schals, Krawatten und später auch mit Kristallen und Porzellan. Sie ging von Tür zu Tür um ihre Produkte zu verkaufen und beschrieb die Arbeit später als sehr hart. Kurz vor Beginn des Krieges war sie schließlich gezwungen ihr Gewerbe abzumelden, da sie dienstverpflichtet werden sollte. Sie arbeitete daraufhin als Heimarbeiterin in einer Damenkonfektionsfirma und plante erneut zu heiraten. Leider konnte Sie diesen Wunsch nicht realisieren, da ihr 1939 die Ehegenehmigung versagt wurde.

Das angsterfüllte Leben im Untergrund und in den Wirren des zweiten Weltkrieges setzte ihr schwer zu. Von einer damaligen Nachbarin wurde sie als eine Frau „die in ständiger Angst vor der Gestapo lebte“ beschrieben. Trotz all dieser Leiden unternahm sie nie den Versuch Deutschland zu verlassen.

Nachdem der Krieg vorbei war, kamen schnell wieder Angebote für Opernpartien, doch Erna Graff wollte nicht mehr singen. Mehr oder weniger durch Zufall entdeckte sie ihre Leidenschaft für den Tierschutz. In der Zeitung las sie vom Elend der Tiere im Tierheim Berlin Lankwitz, welches sich in miserablem Zustand befand. An allen Ecken und Enden fehlte es an Futter, Medikamenten, Pflegern und Dächern für die Ställe.

Heinrich Lübke zu Gast im Tierheim Lankwitz

Heinrich Lübke zu Gast im Tierheim Lankwitz

Erna Graff beschloss sich von nun an für das Wohl der Tiere im Tierheim einzusetzen und begann, Geld zusammenzutrommeln. Durch Vorträge und die Organisation von Führungen durch das stark mitgenommene Lankwitzer Tierheim schaffte sie es, einen Spenderkreis aufzubauen und bat sogar bei den Aliierten um finanzielle Hilfe. Aufgrund ihrer intensiven Bemühungen und ihrer Hartnäckigkeit war sie schließlich in der Lage, das Tierheim Lankwitz mit 16 Mio. DM neu aufzubauen.

Die Einrichtung erlangte deutschlandweit Bekanntheit, da Frau Graff es blendend verstand, die Öffentlichkeit auf das Schicksal des Tierheims aufmerksam zu machen. Sie holte allerlei Künstler, Politiker und andere namhafte Persönlichkeiten ins Tierheim und zog so das Interesse auf sich. Unter anderem waren Otto Suhr und Bundespräsident Heinrich Lübke (siehe Foto) bei ihr zu Gast.

Ihre kreativen Veranstaltungen wurden legendär. So organisierte sie beispielsweise Modeschauen mit Kunstpelzen, die man im Tierheim auch kaufen konnte. Für mehr Informationen zum Tierheim Lankwitz, klicken Sie hier.



Gründung der Stiftung (1983)

Im Alter von 76 Jahren beschloss Erna Graff, von nun an nicht mehr nur den Tieren in Berlin, sondern in der ganzen Welt helfen zu wollen. So gründete sie am 28. Februar 1983 die Erna-Graff-Stiftung für Tierschutz und stellte mit 500 000 DM aus ihrem Privatvermögen einen finanziellen Grundstock zur Verfügung. Die Gründung erfolgte im Rahmen eines feierlichen Festaktes, der von vielen angesehenen Berliner Persönlichkeiten begleitet wurde. Unter anderem waren der damalige Gesundheitssenator Ulf Fink, sowie der Zoodirektor Heinz-Georg Klös anwesend. Lesen Sie hier

Zum Vorstand gehörten neben der Gründerin Erna Graff der Pfarrer Hartmut Albruschat vom Berliner Missionswerk und Wolfgang Heißel, Direktor der Commerzbank. Albruschat widmete sich ethischen und religiösen den Tierschutz betreffenden Belangen, während Heißel mit der finanziellen Verwaltung der Stiftung beauftragt wurde.

 Quellen:

 
G., R.:Erna Graff spendet 500 000 Mark und ruft Stiftung für Tierschutz ins Leben. In: Morgenpost (10.03.1983)
 
Höhne, Silvia: Neue Stiftung engagiert sich für Tierschutz. In: Volksblatt (10.03.1983)
 
Kotzur, Marlene (1990): Steglitz – Frauen setzen Zeichen. WORT- & BILD-SPECIALS, Hans Peter Heinicke, 1000 Berlin 45
 
Originalunterlagen aus dem Nachlass von Erna Graff