Fritzi und die kleinste Tierretterbande der Welt von Jutta Nymohius

Fritzi hat ein Problem. Und zwar ein großes. Seitdem ihre Mutter wieder arbeitet, und ihr Vater zu Hause bleibt, sieht sie aus wie ein Junge. Leider hat der Herrenfriseur ihres Vaters ihre Haare stoppelkurz geschnitten, und Papa findet schlapprige T-Shirts einfach praktisch.

Fritzi und die kleinste Tierretterbande der Welt Dabei wäre Fritzi doch sooo gern ein richtiges Mädchen mit Zöpfen und in rosa gekleidet wie ihre Freundin Lara, die so mädchenhaft aussieht, „wie ein Mädchen überhaupt nur aussehen kann.“

Aber Fritzi hat nicht lange Zeit, sich zu bedauern, denn sie muss schnellstens eine Tierretterbande gründen. Der traurige Blick ihres Vaters, der morgens einen Zeitungsartikel über gestrandete Orcas gelesen hat, verfolgt sie, und sie findet es „einfach schrecklich“ wenn ihr Vater so traurig ist.

Klar, ihre besten Freunde Lara und André sind mit dabei. Leider ist der erste Einsatz im Stadtpark nicht gerade erfolgreich: Lara zieht einen Regenwurm aus der Erde, weil sie befürchtet, ein Vogel könnte ihn fressen. André findet eine tote Amsel, die von den Kindern natürlich begraben wird. Aber in dem Moment, in dem Lara sich Andrés Fund ansieht, lässt sie aus Versehen den Regenwurm fallen. Dieser wird auch sofort von einem Vogel verspeist.

Gar nicht so einfach, Tiere zu retten.

Stellt man sich dieser Aufgabe, muss nämlich immer wieder entschieden werden, in welcher Situation menschliches Eingreifen überhaupt sinnvoll ist. Auch mit dem Tod der Tiere werden die Retter konfrontiert.

Deshalb steigen Lara und André auch gleich wieder aus der Bande aus.

Was aber soll Fritzi tun, als sie erfährt, dass ihre allerallerbeste Freundin – die ältere Ziegendame Hilde – zum Schlachter soll?

Jutta Nymphius führt junge Leser und Leserinnen ab acht Jahre behutsam und kindgerecht an das komplexe Thema Tierschutz heran.

Die junge Tierretterin Fritzi steht genau denselben Problemen gegenüber wie ihre erwachsenen Kollegen.

Immer wieder muss sie Entscheidungen treffen, ihre eigenen Ängste überwinden und sich alternative Pläne einfallen lassen, um ihre Freundin Hilde zu retten. Auch wird Fritzi bewusst, dass es sinnvoll ist, als Tierschützerin das eigene Handeln zu hinterfragen: „Ich kann es nicht fassen. Da laufe ich stundenlang im Stadtpark herum und spiele Retterbande, und hier, direkt vor meiner Nase ist ein Tier, ist meine Hilde in echter Gefahr!“

Sie macht ebenso die Erfahrung, dass Erwachsene oft Tierschutz nur aus der Entfernung wichtig finden, denn ihr Vater kann zwar über die in Australien gestrandeten Schwertwale traurig sein, aber als Fritzi ihm von Hildes Schicksal erzählt, ist von seinem Enthusiasmus, man müsse doch unbedingt etwas für Tiere tun, nichts mehr zu spüren: „`Nein, nein, Fritzi, das überlass mal schön den Leuten, denen sie gehört. Da mischen wir uns besser nicht ein!´“

Dabei dachte Fritzi doch, er sei froh, wenigstens eine Ziege zu retten, wenn er den Walen schon nicht helfen kann.

Ihre Mutter möchte Hilde zwar einen Platz auf einem Gnadenhof suchen, aber leider ist ihr Terminkalender überfüllt und leider sind alle anderen Termine wichtiger als Hilde. Sie vertröstet Fritzi um eine Woche. Als Fritzi sieht, dass der Schlachttiertransporter vor Hildes Weide hält, muss sie sofort handeln, und ausgerechnet der griesgrämige Rentner Pohl, der früher selbst Schlachter war, wird zum Bündnispartner.

Hautnah erleben wir Fritzis Abenteuer mit, das auf einem realen Ereignis beruht, zieht sie uns doch sofort mit dem ersten Satz in ihre Welt und ihr Erleben hinein: „Ich sehe aus wie ein Igel mit Haarspray!“

Und so bleibt es auch.

Während der gesamten Geschichte gucken wir Fritzi gespannt über die Schultern und können dabei viel von ihr lernen. Zum Beispiel, dass echte Freundschaft bedeutet, auch die ungewöhnlichen Eigenarten der Freundin zu akzeptieren (ihr Vater droht ihr, sie dürfe Hilde nicht mehr besuchen, wenn sie noch einmal mit Löchern im Pulli nach Hause komme, denn Hilde liebt es, Ärmel anzuknabbern, aber Fritzi löst dieses Problem ganz einfach: Sie zieht sich die Pullis an, die andere in den Altkleidersack gesteckt haben). Und auch, dass es sich lohnt, sich für echte Freundinnen einzusetzen, denn natürlich wird Hilde gerettet. (Es geschehen noch mehr schöne Dinge am Ende der Geschichte, aber die werden hier nicht verraten).

Jutta Nymphius ist es gelungen, eine leichte, unterhaltsame Geschichte zu einem ernsten Thema zu schreiben und Kindern zu vermitteln, dass Tiere das Recht haben, in Würde zu leben und zu altern.

Jutta Nymphius:

Fritzi und die kleinste Tierretterbande der Welt

DIX-Verlag

Mit Illustrationen von Anna Aengenheyster

ISBN 978-3-941651-64-7

12,90 €

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