Großes Interesse an konfliktfreiem Zusammenleben von Mensch und Tier – auch in der Großstadt

ERNA-GRAFF-Stiftung initiiert erstes Tagesseminar für Hundetrainer

 – Wir freuen uns an dieser Stelle einen Gast-Beitrag von Frau Anne Weitz-Heeland, Vertreterin der Tierärztekammer, veröffentlichen zu können. Dieser hat uns vorab erreicht. Ein weiterer findet sich weiter unten auf dieser Seite.

Auf dem Foto von links nach rechts: Diana Plange, Vertreterin des Veterinäramtes Spandau, Dr. Alexandra Nietsch, Ann Kari Sieme, beide ERNA-GRAFF-Stiftung für Tierschutz, Referent Dr. med. vet. Pasquale Piturru, Referentin Dr. Dorit Feddersen-Petersen sowie Stephan Machulik, Bezirksstadtrat Berlin-Spandau

Auf dem Foto von links nach rechts: Diana Plange, Vertreterin des Veterinäramtes Spandau, Dr. Alexandra Nietsch, Ann Kari Sieme, beide ERNA-GRAFF-Stiftung für Tierschutz, Referent Dr. med. vet. Pasquale Piturru, Referentin Dr. Dorit Feddersen-Petersen sowie Stephan Machulik, Bezirksstadtrat Berlin-Spandau

Da der Gesetzgeber bei Personen die Hunde ausbilden Sachkundigkeit verlangt und darüber hinaus eine Erlaubnis beim Veterinäramt beantragt werden muss,  wurde zur Weiterbildung dieses Personenkreises am 03.12.2015 erstmals ein Tagesseminar für Hundetrainer und interessierte Hundefreunde im Rathaus Spandau von Berlin veranstaltet.

Organisiert wurde es von der „Erna-Graf-Stiftung für Tierschutz“, unterstützt durch das Bezirksamt Spandau, welches kostenlos den Bürgersaal zur Verfügung stellte und besonders durch den für das Veterinäramt zuständigen Stadtrat Herrn Stephan Machulik, der sich sehr engagiert für die Umsetzung der Fortbildung eingesetzt hat.

Etwa 80 Hundetrainer, Hundehalter, Tierärzte aus anderen Veterinärämtern und Mitarbeiter der Ordnungsämter waren zu dieser Fortbildung gekommen.

Vortrag von Frau Dr. Dorit Feddersen-Petersen, Ethologin, Fachtierärztin für Verhalten. Thema: "Ausdrucksverhalten bei Hunden und Menschen - zum Phänomen sozialer Passung"

Vortrag von Frau Dr. Dorit Feddersen-Petersen, Ethologin, Fachtierärztin für Verhalten. Thema: „Ausdrucksverhalten bei Hunden und Menschen – zum Phänomen sozialer Passung“

Die Begrüßung  der Teilnehmer und Vorstellung der bekannten Kynologin und Ethologin Frau Dr. Dorit Feddersen-Petersen erfolgte durch die im Veterinäramt Spandau im Sachgebiet Tierschutz arbeitende Tierärztin Diana Plange.  Frau Dr. Feddersen-Petersen   ist Fachtierärztin für Verhaltenskunde und Tierschutzkunde. Sie ist bekannt für ihre Verhaltensuntersuchungen bei Verwandten und Vorfahren der Haushunde und für Untersuchungen über die Haustierwerdung des Hundes sowie  die Domestikation des Wolfes.

Der Vortrag war von sehr anspruchsvollem Niveau und lautete „Ausdrucksverhalten bei Hunden und Menschen – zum Phänomen sozialer Passung“. Die Teilnehmer erfuhren, dass Hunde, ähnlich wie Menschen, kommunikative Wesen sind und, was selten im Tierreich vorkommt, der Hund zur Kooperation fähig ist. Dieses Verhalten der Hunde hat großen Einfluss auf ihre soziale Passung. Feddersen-Petersen beschrieb, wie schwierig eine objektive  Beschreibung von Tierverhalten und wie unterschiedlich, je nach Rasse, das Ausdrucksverhalten von Mimik und Lautäußerungen in der Anzahl ist. Erklärt wurde das Kommunikationsmodell und die Zuhörer wurden darüber in Kenntnis versetzt, wie sinnesmäßig unterschiedlich Mensch und Hund ihre Welt erfahren.

Funktionskreise im Sozialverhalten wurden aufgezeigt und verschiedene Verhaltensweisen interpretiert. Hier ist das immense Repertoire an Videomaterialien der Referentin von unschätzbarem Wert.

Das wird auch an Beispielen wie dem  Lächeln, zu dem  einige Hunde fähig sind, deutlich. Zwar  hat schon Darwin diese besonders bemerkenswerte Verhaltensweise beschrieben die nur dem Menschen gegenüber gezeigt wird, doch  die bewegten Bilder und Fotodokumente animierten das Auditorium unwillkürlich zum Mitlächeln. Der Vormittag endete mit der Vorstellung neuer Forschungsaufträge über das intuitive Verstehen zwischen Mensch und Hund.

In der  Mittagspause bot sich  Gelegenheit den direkt vor dem Spandauer Rathaus gelegenen Weihnachtsmarkt zu besuchen.

Vortrag von Dr. med. vet. Pasquale Piturru, Fachtierarzt für Verhalten, Thema: "Lernen, Intelligenz und kognitive Prozesse beim Hund“"

Vortrag von Dr. med. vet. Pasquale Piturru, Fachtierarzt für Verhalten, Thema: „Lernen, Intelligenz und kognitive Prozesse beim Hund““

Die Vorstellung des zweiten Referenten Herr Dr. Pasquale Piturru durch Frau Sieme, die für die Erna-Graf-Stiftung die Vorbereitung dieser Fortbildung übernommen hatte, eröffnete den Nachmittag. Herr Piturru ist  praktizierender Fachtierarzt für Verhaltenskunde und nahm mit dem Thema „Lernen, Intelligenz und kognitive Prozesse beim Hund“ die Zuhörerschaft mit in eine  temperamentvolle Darstellung über die Motivation, die einem Lernvorgang voraus geht, über das behavioristische Lernen und belegte dies mit Beispielen aus der Praxis. Über Problematiken der Desensibilisierung klassischer Konditionierung wurde gesprochen. Die Konditionierung wurde anhand eines Filmausschnitts einer Folge der Big-Bang-Theory gezeigt, was für viel Heiterkeit sorgte und wissenschaftlich korrekt ausgearbeitet war. Intelligenz und die Problematik, Intelligenz festzustellen, diese zwischen den Arten zu vergleichen und in Hirnstrukturen zu verorten,  illustrierte Herr Piturru mit vielen Beispielen. Gespannt verfolgten die Teilnehmer des Seminars einen Papagei der souverän schwierige Schlösser öffnet und waren überrascht zu erfahren, wie wenig man auch heute erst weiß, um diese  Intelligenzleistungen von Papageien zu erklären. Bedenkt man jedoch, dass erst seit den siebziger Jahren des letzten Jahrhunderts Tiere als eigenständig denkende Lebewesen wahrgenommen werden, verwundert es nicht, dass Wissenschaftler ständig noch neue Fähigkeiten von Tieren entdecken.

Verschiedene Gedächtnisleistungen des Hirns zu kennen und zu wissen, wie ein Hunde-Gedächtnis funktioniert ist essentiell, um zu verstehen wie und in welcher Zeit etwas Gelerntes wieder abgerufen werden kann. Beeindruckend wurde erläutert wie eng sich der Hund auf den Menschen eingestellt hat und wie gut er dessen Gesten verstehen kann.

Weiterhin wurde über den positiven Einfluss von Pheromonen auf das Lernen berichtet, jedoch auch hingewiesen, dass Pheromone gegen Panik nicht helfen.

Das Tagesseminar hat viel Wissen vermittelt und auf die Frage, ob eine Fortsetzung  der Seminare gewünscht würde, gab es eine lautstarke Zustimmung. Ich hoffe, man trifft sich im nächsten Jahr bei neuen, spannenden Themen wieder.


Auf Initiative der ERNA-GRAFF-Stiftung für Tierschutz haben etwa 80 HundetrainerInnen, HundehalterInnen und solche die es werden wollen, bei einem Fortbildungsseminar diskutiert und viele neue Ideen von zwei Referenten erhalten. An dem Ganztagesseminar im Bürgersaal des Rathauses Berlin-Spandau, welches auch als Fortbildungsnachweis für HundetrainerInnen anerkannt wird, nahm auch Bezirksstadtrat Stephan Machulik teil. „Ich freue mich, dass der Bezirk Spandau ein solches für die Fortbildung von HundetrainerInnen relevantes Seminar in Kooperation mit der Erna-Graf-Stiftung für Tierschutz realisieren kann. Solche Seminarangebote sind in Berlin rar und entsprechend ist die Nachfrage hoch.“

Spandau, Carl-Schurz-Straße 2/6 - Rathaus Spandau - Bürgersaal: Seminar zum Thema "Konfliktfreies Zusammenleben von Mensch und Tier in der Großstadt". Das Fortbildungsseminar für HundetrainerInnen und Hundehalter, oder Solche,die es werden wollen im Rahmen der Vortrags- und Seminarreihe der Abteilung Bürgerdienste und Ordnung in Zusammenarbeit mit der Erna-Graf-Stiftung für Tierschutz. Auf dem Foto: Dr. Dorit Feddersen-Petersen (Ethologin, Fachtierärztin für Verhalten) und Dr. med. vet. Pasquale Piturru (Fachtierarzt für Verhalten) (büh) - Fotos: Florian Büh | www.Gutes-Foto.de

Die beiden Referenten: Dr. med. vet. Pasquale Piturru, Fachtierarzt für Verhalten, sein Thema: „Lernen, Intelligenz und kognitive Prozesse beim Hund“ sowie Dr. Dorit Feddersen-Petersen, Ethologin, Fachtierärztin für Verhalten, ihr Thema: „Ausdrucksverhalten bei Hunden und Menschen – zum Phänomen sozialer Passung“

In zwei Fachvorträgen wurden neueste Erkenntnisse vermittelt, so manches Missverständnis zwischen Mensch und Tier ausgeräumt und Brücken für ein konfliktfreies Zusammenleben gebaut. Jeweils drei Stunden referierten Dr. Dorit Feddersen-Petersen (Ethologin, Fachtierärztin für Verhalten) und Dr. med. vet. Pasquale Piturru (Fachtierarzt für Verhalten). Die aus Schleswig-Holstein angereisten Experten hatten ihre jeweiligen Themen intensiv vorbereitet und standen in der Diskussion für Nachfragen zur Verfügung.

In den Ausführungen von Dr. Dorit Feddersen-Petersen zum Thema „Ausdrucksverhalten bei Hunden und Menschen – zum Phänomen sozialer Passung“ ging es vor allem um  die Anpassungsfähigkeit von Hunden und Menschen im sozialen Kontext. Diese Anpassungsfähigkeiten sind sowohl sehr erstaunlich als auch vielfältig. So ging es in dem Vortrag beispielsweise um die Unterschiede und Ähnlichkeiten in der optischen, als auch in der akustischen Kommunikation. Hunde beobachten uns Menschen permanent und fangen mit der Zeit an, die Menschen zu spiegeln.

 Nach diesem Auftakt sollen weitere Seminare folgen.

Nach diesem Auftakt sollen weitere Seminare folgen.

Dabei übernehmen sie bestimmte Verhaltensweisen und ahmen nach. Dies ist auch auf die besondere Bindung zwischen Mensch und Hund zurückzuführen. Dr. Dorit Feddersen-Petersen ermöglichte den interessierten Zuhörern einen tiefen Einblick in das Ausdrucks- und Kommunikationsverhalten des Hundes und legte dar, inwieweit Hunde in der Lage sind ihre Umwelt und somit auch ihre Menschen zu entschlüsseln und  zu verstehen.

Nach einer einstündigen Mittagspause, die sowohl von den interessierten Fachbesuchern, als auch den Initiatoren der ERNA-GRAFF-Stiftung für Tierschutz, für einen Bummel über den Weihnachtsmarkt genutzt wurde, führte Dr. med. vet. Pasquale Piturru in seinem Vortrag „Lernen, Intelligenz und kognitive Prozesse beim Hund“ vor allem aus, wie intelligent Hunde sind. Er erklärte, wie sie am besten lernen und wie wir Menschen ihre Lernprozesse unterstützen können. Während seines Vortrags ging er den Fragen auf den Grund, welche Lernformen es gibt, durch welche Faktoren der Hund beim Lernen beeinflusst wird und wie das Lernen auf der neuropsychologischen Ebene funktioniert. Mit Beispielen aus dem alltäglichen Hundetraining, widmete er sich dem wichtigen Thema Motivation. Ausführungen, wie die passende Motivation sich auf das Lernverhalten auswirkt, rundeten den Vortrag ab: Lernen und somit auch Verhaltensanpassungen können nur durch positive oder negative Folgekonsequenzen erfolgen.

Ein Teilnehmer erklärt: „Dank der Tierärztekammer habe ich von den Vorträgen erfahren. Weiterbildung nicht nur für Hundetrainer sondern auch Tierärzte ist sehr wichtig. Ein so hochkarätiges Seminar findet sich selten. Dazu zu einem Preis, der eine Teilnahme auch finanziell ermöglicht.“ Außerdem gefiel „die angenehme Atmosphäre welche Nachfragen zuließ. Es war eben nicht wie beim Lehrer und Schüler.“

Spandau, Carl-Schurz-Straße 2/6 - Rathaus Spandau - Bürgersaal: Seminar zum Thema "Konfliktfreies Zusammenleben von Mensch und Tier in der Großstadt". Das Fortbildungsseminar für HundetrainerInnen und Hundehalter, oder Solche,die es werden wollen im Rahmen der Vortrags- und Seminarreihe der Abteilung Bürgerdienste und Ordnung in Zusammenarbeit mit der Erna-Graf-Stiftung für Tierschutz. Auf dem Foto: Diana Plange, Dr. Alexandra Nietsch, Ann Kari Sieme, Enra-Graff-Stiftung für Tierschutz Referenten Dr. med. vet. Pasquale Piturru und Dr. Dorit Feddersen-Petersen Stephan Machulik, Bezirksstadtrat Berlin-Spandau (büh) - Fotos: Florian Büh | www.Gutes-Foto.de

Für die Signierung von Büchern wurde sich ebenso Zeit genommen, wie…

Spandau, Carl-Schurz-Straße 2/6 - Rathaus Spandau - Bürgersaal: Seminar zum Thema "Konfliktfreies Zusammenleben von Mensch und Tier in der Großstadt". Das Fortbildungsseminar für HundetrainerInnen und Hundehalter, oder Solche,die es werden wollen im Rahmen der Vortrags- und Seminarreihe der Abteilung Bürgerdienste und Ordnung in Zusammenarbeit mit der Erna-Graf-Stiftung für Tierschutz. Auf dem Foto: Dr. Dorit Feddersen-Petersen (Ethologin, Fachtierärztin für Verhalten) referiert von 10.00 bis 13.00 Uhr zum Thema „Ausdrucksverhalten bei Hunden und Menschen – zum Phänomen sozialer Passung“ (büh) - Fotos: Florian Büh | www.Gutes-Foto.de

…für so manches Foto – mit Teilnehmerin und Referetin.

Zum Abschluss der Veranstaltung erhielten die anwesenden Teilnehmer eine Teilnahmebestätigung. Bereits mit einer Erlaubnis nach §11 TierSchG arbeitende Hundetrainerinnen und Hundetrainer können diese als Nachweis der in ihrer Erlaubnis geforderten Fortbildung nutzen.

Bezirksstadtrat Stephan Machulik kommentiert: „Für ein konfliktfreies Zusammenleben zwischen Mensch und Tier ist es in einer urbanen Umgebung unabdingbar, das Verhalten der Tiere zu verstehen und auch deren Lernprozesse nachvollziehen zu können, deshalb hoffe ich auf weitere solcher spannenden und lehrreichen Seminare.“

Informationen und weitere Termine im Rahmen der Vortrags- und Seminar-Reihe der Abteilung Bürgerdienste und Ordnung in Zusammenarbeit mit der ERNA-GRAFF-Stiftung für Tierschutz, werden auch über den Newsletter der Stiftung mitgeteilt. Mehr dazu auf auf unserer Facebook-Seite.

Berlin, 11. Dezember 2015 / fb

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