Zur artgerechten Haltung von Meerschweinchen

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Meerschweinchen brauchen Artgenossen

Meerschweinchen gelten als pflegeleichte Haustiere, die auch in kleinen Wohnungen gehalten werden können, ruhig sind, die Nachbarn nicht stören und für Kinder nette Kuschelfreunde abgeben. Das stimmt alles nur mit einem großem ABER. Tatsächlich brauchen Meerschweinchen viel Platz zum Rennen, abwechslungsreiches und gutes Futter, können ganz schön laut quieken und pfeifen, sind eher empfindlich und stressanfällig und daher für kleine Kinder nicht wirklich geeignet. Meerschweinchen kuscheln selten miteinander und man muss sich fragen, ob sie das Streicheln und Anfassen durch Menschenhände tatsächlich genießen.

Meerschweinchen werden in ihrer Heimat Südamerika schon vor mehr als zweitausend Jahren als Haustiere gehalten. Meistens ihres Fleisches wegen, aber auch zur Gesellschaft des Menschen. Erst seit dem 16. Jahrhundert kennen wir sie auch bei uns.

Die kleinen Nager (Gewicht zwischen 1 und 1,5 kg) haben in ihrer wilden Verwandtschaft zwei Arten, die beide als Stammform in Frage kommen. Mit Hilfe molekulargenetischer Untersuchungen wurde die verwandtschaftliche Beziehung zu beiden Arten untersucht und gezeigt, dass wahrscheinlich das Tschudi-Meerschweinchen (Cavia tschudii), die Stammform des Hausmeerschweinchens (Cavia porcellus) ist. Als alternative Stammform kommt das Wildmeerschweinchen (Cavia aperea) in Frage.

Mit beiden wilden Meerschweinchen teilen unsere Hausmeerschweinchen die Geselligkeit und die Verteilung von Aktivitäts- und Ruhephasen. Sie sind zwar gerne in der Dämmerung aktiv, aber gehen sowohl am Tag als auch in der Nacht auf Futtersuche. Wild leben sie in großen Gruppen oder Haremsfamilien und sind sehr vermehrungsfreudig. Schon mit wenigen Wochen können Weibchen trächtig werden und dann bis zu fünf Junge bekommen. Die Jungen sind perfekte Miniaturausgaben ihrer Eltern und schon gleich nach der Geburt sehr selbständig. Muttermilch brauchen sie aber trotzdem noch einige Zeit. Meerschweinchen sind sehr gesprächige Tiere. Untereinander verständigen sie sich mit einer Vielzahl von Lauten. Sie sind flink und laufen viel. Dabei schätzen sie es, wenn sie rasch Deckung aufsuchen können. Es sind schreckhafte Fluchttiere und geraten leicht in Stress. Wenn sie keinen Ausweg sehen, verfallen sie in eine Schreckstarre. Dass man sie dann leicht hochnehmen kann, ist kein Ausdruck von Zahmheit!

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Gesundes Futter ist wichtig

Handzahm werden sie aber bei guter Behandlung schnell und können sogar ihren Namen lernen. Überhaupt sind sie kluge neugierige Tiere, die gerne mal etwas Neues erkunden.

Wer Meerschweinchen artgerecht halten will, muss also einiges beachten.

Platzbedarf und Gehegeausstattung:

Grundsätzlich gilt: es gibt nicht zu viel Platz. Je größer das Gehege und je besser es strukturiert ist mit Höhlen und Nischen, Heuraufen und Versteckmöglichkeiten, desto besser! Als absolutes Mindestmaß für einen Käfig mit zwei-drei Tieren sollten 150 cm Länge, 75 cm Tiefe und 45 cm Höhe gelten. Gesicherten Auslauf im Zimmer (Vorsicht Kabel!) sollte es aber trotzdem noch geben.

Meerschweinchen brauchen unbedingt Wärme und Trockenheit und sind Kälte-, Hitze- und Feuchtigkeitsempfindlich. Die optimale Temperatur liegt zwischen 18 und 26 Grad. Eine dauernde Draussenhaltung ist daher nicht gut für sie.

Ernährung:

Das Futter soll abwechslungsreich sein und Grünfutter, Gemüse und Obst enthalten. Trockenes, sauberes Heu ist aber Grundnahrung und muss immer vorhanden sein! Die Zähne der kleinen Nager wachsen immer wieder nach. Daher brauchen Meerschweinchen geeignetes Futter, um ihre Zähne regelmäßig abwetzen zu können. Meerschweinchen können genau wie wir Menschen auch, kein Vitamin C im Körper bilden und müssen es über die Nahrung aufnehmen.

Basisfutter für 1 Meerschweinchen: Heu, 1 Möhre, 1 Stück Apfel und Fenchel, Löwenzahn, Gras, Wasser. Zusätzlich gibt es Broccoli, Petersilie, Sellerie, Kiwi, Melone und Birne. Ungiftige Äste von Obstbäumen oder Haselnuss werden gerne benagt und sind wichtig für die Zähne.

Getreidekörner und zuckerhaltige Leckereien und Brot sollte man weglassen.

Gesellschaft:

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Meerschweine wollen nicht alleine leben

Meerschweinchen brauchen unbedingt Artgenossen zur Gesellschaft. Eine Einzelhaltung ist nicht artgerecht und daher vom Tierschutzgesetz verboten. Da sie sehr vermehrungsfreudig sind, muss ein Männchen unbedingt kastriert werden, wenn es zu den (üblicherweise unkastrierten) Weibchen gesetzt wird. Die beste Kombination ist eine Gruppe mit einem kastrierten Bock und zwei Weibchen.  Mehrere Weibchen ohne Männchen können auch friedlich miteinander leben und unkastrierte Männchen miteinander ebenfalls.

Daran muss gedacht werden: Männchen und Weibchen werden bereits mit 3-4 Wochen geschlechtsreif! Rein rechnerisch hat man nach 1.5 Jahren über 1000 Meerschweinchen zu Hause, wenn man mit einem einzigen Pärchen anfängt und sie ungehindert Nachkommen produzieren lässt.

Meerschweinchen sind allerdings auch Individualisten und die Vorerfahrungen zählen mit. Daher sind nicht alle Tiere mit jedem Partner zufrieden.

Früher wurde oft ein Meerschweinchen mit einem Kaninchen zusammen gehalten. Davon muss dringend abgeraten werden, weil beide Arten sehr unterschiedliche Ansprüche haben. Im besten Fall sind sie einfach nur gemeinsam einsam, im schlimmen Fall aber dominiert das Kaninchen, frisst dem Meerschweinchen das Futter weg und es gibt Stress und Beißereien.

Pflege und GesGesundheit:

Zähne und Krallen dürfen nicht zu lang sein und müssen regelmäßig kontrolliert werden. Das Fell der langhaarigen Rassen muss beschnitten und sauber gehalten werden. Letzteres schaffen die Langhaarschweinchen manchmal nicht selber. Auf die Anschaffung eines Langhaarmeerschweinchens sollte man daher besser verzichten. Bei extremem Langhaar kann man bereits von Qualzucht sprechen. Qualzüchtungen haben in den letzten Jahrzehnten auch beim Meerschweinchen nicht haltgemacht. Im Gutachten zur Auslegung von § 11b des Tierschutzgesetzes (Verbot von Qualzüchtungen) von 1999 sucht man sie aber vergebens, denn die Rassen der Nacktmeerschweinchen (Skinny oder Baldwin) gibt es noch nicht so lange. Hier und auch bei der Rexrasse können die wichtigen Tasthaare im Gesicht und am Körper fehlen oder gekräuselt sein. Tasthaare (‚Schnurrhaare‘), sind wichtige Sinnesorgane für Meerschweinchen und ihr züchterisch gewolltes Fehlen muss – wie bei den Nacktkatzenrassen – als Verstoß gegen den Qualzuchtparagraphen gewertet werden.

Jeder, der gerne Meerschweinchen zu sich holen möchte, sollte sich im Tierheim nach Abgabetieren erkundigen und sich dort auch genau über die Haltung informieren lassen. Auch Meerschweinchen Schutzvereine bieten Vermittlung und Beratung an. Das sollte zum Besten der Meerschweinchen unbedingt genutzt werden!

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