Mehr Nase bitte!

Der Beitrag vom 28.03. zur Qualzucht im NDR zeigt uns, dass das Thema in der Öffentlichkeit nicht so schnell in Vergessenheit geraten wird. Und das ist gut so!

Screenshot des NDR-Beitrages

Screenshot des NDR-Beitrages

Der Hund der im Artikel genannten Hundehalterin gehört zu der Rasse Shih-Tzu. Das ist nur eine der vielen Rassen, die bereits 1999 im sogenannten Qualzucht Gutachten unter den von Brachyzephalie betroffenen Hunderassen aufgelistet wird. Hierzu gehören auch Mops, Englischer Bulldog, Französischer Bully und noch einige andere beliebte Rassen. Sie alle können an zuchtbedingten qualvollen Veränderungen am Kopf (und einige auch am ganzen Körper) leiden. Ständige Atemnot und Sauerstoffmangel sind hier nur eines der vielen Symptome, die den betroffenen Tieren das Leben zur Qual macht. Auch der drohende Überhitzungstod gehört zu den Gefahren, gegen die ein solcher Hund ständig ankämpfen (anhecheln) muss.

Dass ein Hund für diese Qualen prädispositioniert ist, zeigt sich am Kopf: die  Nase ist bei vielen Vertretern dieser Rassen eine höchstens angedeutete Erhebung, womöglich noch in viele dicke pelzige Falten gebettet. Die Nase ist dann mit ihren Nasenlöchern nicht richtig frei für die  Atemluft und darunter  in den Nasenhöhlen und dem Rachenraum sieht der Weg für die Atemluft ebenfalls nicht gut aus. Das sind nur ein paar der Symptome des ‚brachyzephalen Syndroms, an dem auch der Shih-Tzu  ‚Sushi‘ leidet.

Damit Sushi wieder richtig Luft bekommt, hat ihr Frauchen ihr eine Operation gegönnt. Nicht nur der Nasenraum wurde erweitert sondern auch das Gaumensegel musste gekürzt werden. Nach neun Jahren kann die Hündin das erste Mal richtig atmen! Was das Ende der Atemnot für einen Hund bedeutet beschreibt der Tierarzt Ralph Rückert an einem Fall aus seiner Praxis. Ein Hund hat für die OP einen Tubus eingesetzt bekommen. Als er aus der Narkose aufwacht – will er das ihn würgende Ding in seinem Rachen gar nicht loswerden. Zu schön ist der ungehinderte Strom der Atemluft in seine Lungen!

Tierarzt Friedrich Röcken hat Sushi operiert. Er ist Leiter der Arbeitsgruppe Qualzuchten der Bundestierärztekammer und hat am Fachgespräch über Qualzucht in Berlin am 14.03. teilgenommen mit einem Vortrag über „Qualzucht bei Hund und Katze. Gesundheitliche Folgen fehlgesteuerter Zuchtselektion und Forderungen der deutschen Tierärzteschaft zur Vermeidung von Qualzuchten“. Zusammen mit der Bundestierärztekammer kämpft er unter anderem gegen das Wegzüchten von Nasen.

Das Frauchen von Shusi sagt im Beitrag, dass sie doch keinen Hund ohne Nase wollte! Aber sie habe nicht gewusst, dass sich der Kopf von „Sushi“ mit dem Wachstum so stark verändern würde.

Das zeigt uns, dass wir mehr in Aufklärung investieren müssen! Zukünftige Halter müssen vor der Anschaffung informiert werden, welche Rassen von Qualzucht betroffen sein können. Wir haben deshalb auf unserer Homepage Informationen zur Qualzucht zusammengestellt.

nie/06.17

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