Mülltonnen voller toter Tiere

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Die Aktivisten fanden zahlreiche kranke Tiere (Archivbild ARIWA)

Berlin/Heilbronn, 10. Mai 2017. Vor dem Landgericht Heilbronn beginnt am kommenden Montag, den 15. Mai 2017, der Berufungsprozess gegen drei Tierschutzaktivisten, die 2015 aus ihrer Sicht tierschutzwidrige Zustände in einem Putenmastbetrieb in Ilshofen gefilmt haben. „In diesem Prozess können wesentliche Weichen für die Rechtsprechung in Tierschutzfragen gestellt werden. Daher ist dieses Verfahren von weitreichender Bedeutung.“, sagte Dr. Eisenhart von Loeper, Rechtsanwalt und 1. Vorsitzender der Erna-Graff-Stiftung für Tierschutz, vor  Prozessbeginn.

 Mülltonnen voller toter Tiere und ein Veterinäramt, das trotz tierschutzwidrigen Zuständen nicht einschreitet. Diese von ihnen so wahrgenommenen Zustände in einer Ilshofener Putenmast alarmierten drei Tierschützer aus Tübingen, die in der Nacht des 11. Mai 2015 in besagtem Putenstall ihres Erachtens besonders schwerwiegende Verstöße gegen das Tierschutzgesetz dokumentieren konnten. Völlig verdreckte Tiere, eine Pute mit einem ausgerenkten Hals, eine weitere mit einem alten offenen Bruch. Darüber hinaus keine artgemäßen Beschäftigungsmöglichkeiten zur Verhinderung von Verhaltensstörungen sowie massenhafter Einsatz von Antibiotika. Dies alles konnten die Tierschützer durch die angefertigten Videoaufnahmen deutlich belegen. Später in der Verhandlung vor dem Amtsgericht gehörte Sachverständige bestätigten diese Ansicht der Angeklagten.

Knüppelattacken und Abwehrspray

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Mülltonnen voller toter Puten (Archivbild ARIWA)

Nach den Angaben der Angeklagten in der Verhandlung vor dem Amtsgericht ging es wie folgt weiter: Als die beiden männlichen Aktivisten den Stall wieder verlassen wollten, wurden sie sofort von dem Putenmäster mit einem Holzknüppel attackiert. Der Landwirt wurde wahrscheinlich durch einen stillen Alarm im Stall alarmiert. Im Laufe der Auseinandersetzung wurden die Aktivisten teilweise erheblich verletzt. Um die Schläge abzuwehren, setzte sich der Hauptangeklagte auch mit einem Personenabwehrspray zur Wehr.

In einem ersten Verfahren vor dem Amtsgericht Schwäbisch Hall wurden die drei Aktivisten 2016 wegen Hausfriedensbruchs verurteilt. Den Hauptangeklagten, der sich gegen die Knüppelattacken des Landwirtes mit Personenabwehrspray wehrte, sprach das Gericht zusätzlich wegen gefährlicher Körperverletzung schuldig. Den Verstößen gegen das Tierschutzgesetz wurde durch das Gericht keine Aufmerksamkeit geschenkt.

„Ein klares Fehlurteil zu Lasten der Tiere!“, urteilte seiner Zeit Dr. Eisenhart von Loeper, der den Hauptangeklagten auch vertreten hatte. „Wir erwarten, dass den gequälten Tieren im Berufsverfahren nun der Schutz gewährt wird, der ihnen verfassungsrechtlich auch zusteht.“, so von Loeper weiter.

Die Verhandlung vor dem Landgericht Heilbronn ist auf sechs Tage angesetzt. Die Erna-Graff-Stiftung für Tierschutz, die die Angeklagten finanziell unterstützt, wird als Prozessbeobachter vor Ort sein.

 

Hier können Sie die Pressemitteilung als PDF herunterladen: 2017-05-10 Putenprozess

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