Rettung vor dem Schlachthof

Marell auf gutem Weg

Seit wir uns des Falls Marell angenommen haben, ist einiges passiert. Wer unsere Aktivitäten auf facebook verfolgt, dürfte gut im Bilde sein. Für alle anderen erfolgt hier eine Abhandlung der Geschehnisse seit unserem letzten Beitrag. Ein großes Dankeschön an Luisa für ihre regelmäßigen Berichte, die wir als Basis für den Beitrag verwendet haben.

Montag, 10. November 2014

Marell muss vor der Narkos hungernUm den Hohlraum des entfernten Auges zu kontrollieren und das andere entzündete Auge zu untersuchen, muss Marell in Vollnarkose gelegt werden. Das heißt für Marells menschliche Freunde mehrere Stunden Bangen und Ausharren. Bei Pferden ist eine Vollnarkose aufgrund ihrer Größe und ihres Gewichts immer ein Risiko. Großes Aufatmen, als Luisa zu ihr in die Aufwachbox darf. Marell steht noch auf sehr wackeligen Beinen, aber sie steht! Dieses Pferd hat einen enormen Selbsterhaltungstrieb.

Genaue Ergebnisse gibt es noch nicht, so kurz nach der Computertomografie. Allerdings kann Dr. Tóth sagen, dass sich Knochensplitter im Hohlraum des entfernten Auges befanden, die die Heilung behinderten. Während der Narkose wurde der Hohlraum geöffnet und gründlich gereinigt.

Lusia, Marells Retterin, ist die ganze Zeit bei ihr und kümmert sich rührend um sie. Wir sind alle tief berührt von so viel Tierliebe und immer überzeugter davon, dass wir hier eine großartiges Team unterstützen.

 

Dienstag, 11. November 2014

Der Tag beginnt für Luisa mit einem großen Schreck. Marell steht sediert und mit Maulkorb in der Box. Ihr entzündetes Auge ist komplett zugeschwollen. Nach langem Suchen findet Luisa einen Pfleger, der ihr mitteilt, dass Marell am Morgen untersucht wurde und sich deshalb in diesem Zustand befindet.

Später werden die Bilder der Computertomografie ausgewertet. Überraschung: Alles unauffällig! Es gibt keinen Anlass für eine erneute Operation. Stellt sich weiter die Frage, warum das Auge so stark entzündet ist. Mittlerweile bekommt Marell ein Antibiotikum direkt ins Augenlid gespritzt. Deshalb hatte sie am Morgen auch die starke Schwellung. Parallel wird sie mit einer Augensalbe behandelt.

(Übrigens: Die Bilder lassen sich mit einem Klick vergrößern.)

 

Begegnung im "Klinikhof"Freitag, 14. November 2014

Zwischen all den kranken Pferden fällt es  Luisa immer schwerer durchzuhalten. Jeden Tag kommen neue Tiere in der Klinik an und jedem Tag fahren Pferdebesitzer allein zurück. Auch Luisa fährt fast 600 Kilometer nach Hause, um Kraft zu schöpfen und sich um Sultan zu kümmern. Sultan, Luisas anderes Pferd, vermisst sie und auch seine Pferdefreundin Marell sicher sehr und kann ja nicht wissen, was in Dülmen passiert.

Während der Fahrt lässt sie sich die Befunde der letzten Untersuchungen Marell in Box mit Stroherklären. Aus dem Hohlraum wird eine Gewebeprobe in ein Labor geschickt, um eine eventuelle bakterielle Infektion auszuschließen. Die Entzündung des Oberlides am verbleibenden Auge geht durch die Behandlung langsam zurück.

Marell ist nun für zwei Tage ohne ihre Retterin, die erst neue Kraft schöpfen muss. Doch ein Blick auf facebook, unsere Webseite oder auch in die Gesichter der Stiftungsmitarbieter zeigt: In Gedanken sind sehr viele Menschen bei Marell und drücken ihr fest die Daumen.

 

Sonntag, 16. November 2014

Marell vollNachdem sich Luisa vergewissert hat, dass sich ihre Freunde (wie zu erwarten war) großartig um Sultan kümmern, fährt sie zurück zu Marell. Nach ihrer Ankunft brechen sie gleich zu einem kleinen Spaziergang in der Sonne auf und danach gibt es Pflege- und Streicheleinheiten.

Ihr Auge sieht leider unverändert schlecht aus. Die Ärzte finden keine Erklärung für die Schwellung des Oberlides. Es wird vermutet, dass die Schwellung mit der Entzündung des Hohlraums zusammenhängt. So genau weiß das aber niemand. Luisa hat das Auge heute mehrfach mit einem Kühlakku gekühlt, das war für Marell erst etwas seltsam, dann aber augenscheinlich sehr wohltuend.

Ansonsten geht es Marell den Umständen entsprechend gut. Sie verzaubert mit ihrer Art alle PflegerInnen. Vormittags hat sie in ihrer Box geschlafen und Luisa saß daneben und hat gelesen. Als eine Pflegerin kam, um Marell die Salbe zu verabreichen, hielt sie es nicht mal für nötig, aufzustehen. Sie blieb einfach ruhig liegen und ließ sich behandeln. Als wüsste Marell, dass die Menschen in ihrer Umgebung nun nur noch ihr Bestes wollen.

Marell Auge Hohlraum

Marell Schnauze nah

 

 

 

 

 

Dienstag, 18.November 2014

Die Befunde aus dem Labor sind negativ. Lediglich die Bakterien wurden nachgewiesen, die bei jeder Wundheilung auftreten. Das ist an sich ein gutes Ergebnis, dennoch ist weiter unklar, warum Marell so sehr mit der Wundheilung zu kämpfen hat.

Der Hohlraum wird zweimal am Tag gespült und die Salbe wird fünfmal am Tag verabreicht. Marell ist nun an einem Punkt, an dem sie nicht weiter in der Klinik stehen muss. Alle medizinischen Möglichkeiten sind ausgeschöpft. Sie braucht jetzt einfach Ruhe und viel Kraft, um alle Wunden heilen zu lassen. Das sie eine Kämpferin ist, hat sie ja schon längst bewiesen.

Wenn wir weiterhin so stark an Marell glauben und sie spüren lassen, dass wir immer für sie da sind, wird sie es schaffen.„, schreibt Luisa.

Marell voll2

Marell Hufe

 

 

 

 

 

Freitag, 21. November 2014

Marell TransportHeute geht es zurück nach Hause. Die Ärztin ist mit der Entwicklung des Hohlraums zufrieden. Auch insgesamt macht Marell einen guten Eindruck. Sie hat aber die Nase voll von der Klinik. Nach jedem Spaziergang bleibt sie vor der Klinik stehen und stemmt ihr gesamtes Gewicht gegen Luisa. Es wird Zeit, heim zu fahren.

Marell Rücken blackwhite

Marell Mähne blackwhite

 

 

 

Marell Zopf blackwhite












































Montag, 24.November 2014

Marell und Sultan sind wieder vereint. Sie haben die ersten Nächte gut überstanden. Zweimal täglich wird der Hohlraum gespült, fünfmal das entzündete Auge mit Salbe behandelt. Das Lid ist nach wie vor leicht geschwollen, aber es wird zumindest nicht schlimmer. Ein Bekannter einen Ballen Heu auf die Weide gefahren. Jetzt haben sie die nächsten Tage erstmal genug zu fressen.

Sultan und Marell

Sultan und Marell 2Als Schlusswort möchten wir gerne Luisa zitieren, denn besser als sie können wir es sowieso nicht sagen:

„Ich bin immer wieder zutiefst gerührt von der Anteilnahme und Hilfsbereitschaft eines jeden von Euch. Allzu oft lagen Marell und uns große Steine im Weg und wir hatten Angst davor, aufgeben zu müssen. Aber jedes Mal haben wir gemeinsam eine Möglichkeit gefunden, um weiterhin unser Ziel verfolgen zu können. Noch sind wir nicht am Ende angelangt, aber es wurde bereits Unglaubliches geleistet und Marell dankt es uns jeden Tag.“

Lesen Sie hier, wie die Geschichte weitergeht.

Kommentare

Eva Maria Limmer schreibt () :

Ich freue mich für Marell und ihre Freunde, daß es aufwärts geht und auch Unterstützung gefunden wurde.Dieser Fall schildert ja auch anschaulich, wieviel Kräfte-materielle und vor allem auch immaterielle -hier nötig sind, um die vermutlich doch sehr stark ausgeprägte Gleichgültigkeit,Inkompentenz und Verantwortungslosigkeit der Pferdeproduzenten wieder auszugleichen.Die Massenproduktion von Pferden, die meistens nur noch Trägersubstanz für Viehhändler, auch besonders die privaten „Nebenberufler“ sind, müßte endlich in ihren grausamen und würdelosen Konsequenzen für das Lebewesen Pferd einmal dem normalen Menschen zur Kenntnis gebracht werden.Noch wird das Ganze vom Nimbus um das Pferd und den edlen Pferdefreund verbrämt.Die Realität ist diametral entgegengesetzt zu dieser hehren Illusion.Fast jeder „Pferdebesitzer“ scheint früher oder später zum Händler oder „Züchter“ zu werden.Bleibt die Frage: Wer ist hier der Endverbraucher bzw.wer will das Handelsobjekt nicht nur ausnutzen, sondern auch pflegen und wertschätzen.Bei 30-jähriger Lebenserwartung eines Pferdes, welches angeblich Freund und Partner sein soll, sind Investitionen erforderlich, die wahrscheinlich weit unter denen einer sog.“Gestütsgründung“ liegen.
Die Kollateralschäden die bei den Rettern geschädigter Pferde auftreten, insbesondere, wenn diese trotz aller Bemühungen leiden und sterben, sind in Geldwerten nicht zu beziffern.Und das sollte den Gemütsathleten von der meist fachlich höchst beschränkten Produktionsfront endlich einmal so realistisch dargestellt werden, wie es ist.

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