Safari von Dan Kainen und Carol Kaufmann

Wer träumt nicht davon, frei lebenden wilden Tieren hautnah zu begegnen?

Jetzt können wir es: Ein Löwenweibchen kommt direkt auf uns zugelaufen, und ein Elefant fächert sich frische Luft mit den Ohren zu.

Das Einzige, was wir tun müssen, ist das Buch „Safari“ von Dan Kainen und Carol Kaufmann in die Hand zu nehmen und den oberen Buchdeckel leicht hin und her zu bewegen und dann sehen wir, wie ein Westlicher Flachlandgorilla genüsslich seine Blätter kaut. Sogar die Geschwindigkeit der Tiere können wir selbst bestimmen. Je nachdem, wie wir den Buchdeckel bewegen, läuft das junge Zebra schnell oder langsam über die Steppe.

Dan Kainen ist Erfinder der Photicular-Bilder. Einzelne Videoaufnahmen werden in dünn aufeinanderfolgende Streifen aufgeteilt, und darüber wird eine Folie mit Linsen gelegt. So erwachen die Tiere zum Leben.

Aber nicht nur deshalb ist „Safari“ ein höchst lebendiges Buch. Viel trägt auch Carol Kaufmanns Reisebericht bei, der fast wie ein Tagebuch wirkt und den Leser sofort in den Bann zieht. Liest man ihre Schilderung, wie sie eine Safari-Reise im Nationalpark Masai Mara in Kenia erlebt hat, glaubt man, selbst schon auf Reisen zu sein. Sie erzählt uns von einem charmanten Guide, holprigen Straßen mit Schlaglöchern, von Flusspferden, die sich am Ufer sonnen und von einer Freiluft-Tafel, die „unter einem samtschwarzen Himmel voller Sterne“ für die Touristen gedeckt wird. Carol Kaufmann kommt einem Löwenrudel ganz nah und hört, wie eine der Löwinnen einen Niesanfall bekommt, weil sie sich an einem blühenden Crotonstrauch gerieben hat, um Zecken los zu werden.

Aber auch über die dunklen Seiten der Safari werden wir informiert. So erfahren wir, dass diese Art des Reisens von britischen Siedlern begründet wurde, die auf Großwildjagd gehen wollten. Die Abenteurer erschossen mehrere hundert Tiere auf jeder Expedition. Ihre Bücher inspirierten weitere Menschen, ebenfalls auf Großwildjagd zu gehen. Als sich Theodore Roosevelt entschloss, mehrere Monate auf Safari zu gehen, erschoss er gemeinsam mit seinem Sohn 512 Tiere. Sein 1910 erschienenes Buch löste eine Safari-Welle unter den Amerikanern aus.

So schön Carol Kaufmann ihre eigene Reise auch empfunden haben mag, sie betrachtet auch ehrlich die Problematiken der heutigen Safaris. Sie schildert, dass manchmal acht Touristenbusse gleichzeitig eine Gepardin und ihre beiden Jungen belagern und dass manche Tiere ihr Verhalten verändern oder ihr Revier wechseln müssen, weil die Touristenbusse die Beutetiere der Raubtiere, wie zum Beispiel Gazellen, vertreiben.

Trotzdem bleibt für sie die Hoffnung, dass diese geführten Reisen viele Menschen anregen, sich für den Schutz der Wildtiere und deren Lebensraum einzusetzen.

Bereits eingetaucht in die Stimmung einer Safari sehen wir uns die bewegten Bilder der Tiere an. Dabei geraten wir ins Träumen und spüren schon die Sonne Afrikas auf unserer Haut. Zu jedem der acht Tiere gibt es ausführliche Informationen über Größe, Gewicht, Lebenserwartung bei einem Leben in Freiheit, Ernährung, Verhalten und inwieweit diese Tierart vor dem Aussterben bedroht ist und wo sie frei lebend vorkommt.

Ein Buch für Jung und Alt- ungewöhnlich und spannend wie eine Safari.

SAFARI

Dan Kainen, Carol Kaufmann

FISCHER SAUERLÄNDER

Preis € (D) 24,99

ISBN: 978-3-7373-5086-0

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