Erna-Graff-Stiftung

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Gefährlicher Taubenkleber erneut in der Kritik – Tierschützer wenden sich empört an die Erna-Graff-Stiftung

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Die weißen Tücher sollen Vögel vor dem Verkleben am U-Bahnhof Kaulsdorf-Nord bewahren

Wer in diesen Tagen durch den U-Bahnhof Kaulsdorf-Nord läuft, wird sich wohl fragen, was die weiße Dekoration auf den Stahlträgern, Vorsprüngen und Schildern zu bedeuten hat. Soll es Schnee darstellen? So wie man für die Weihnachtsstimmung  Watte auf Tannenzweige legt?

Nein, das soll keinen Schnee darstellen und ist auch nicht als Dekoration gedacht. Es ist eine Rettungsaktion für Vögel: Tierschützer haben letzte Woche Papiertücher ausgelegt, um Vögel daran zu hindern, mit dem Untergrund in Kontakt zu geraten. Auf den Flächen wurde nämlich von der BVG als Taubenvergrämungsmaßnahme ein starker Klebstoff ausgebracht. Er soll die  hier lebenden Tauben von ihren überdachten Ruheplätzen vertreiben. Sie sollen den klebrigen Untergrund meiden und sich nicht mehr auf die Stahlträger setzen.

Allerdings ist die Aufbringung des starken, wasserunlöslichen Klebstoffs zur Vergrämung von Tauben nicht tierschutzgemäß, weil sich die Tauben damit Federn, Schnabel und Füße verkleben. Den zähen, fädenziehenden Klebstoff werden sie nicht mehr los, was zu schweren Schädigungen führen kann. Auch tragen sie den Klebstoff in ihre Nester und verkleben ihre Küken damit. Kleinere Vögel sind noch unmittelbarer gefährdet. Während erwachsene Tauben wenigstens noch stark genug sind, um sich von den Klebestellen loszureißen (oft unter Verlust von Teilen ihres Brust- und Bauchgefieders und besonders im Winter gefährlichen Verletzungen an den Füßen), bleiben  Singvögel leicht kleben und sterben dann jämmerlich.

Tierfreunde hatten sich hilfesuchend an die Erna-Graff-Stiftung für Tierschutz gewandt und auf den Fall in Kaulsdorf-Nord aufmerksam gemacht. Mittlerweile soll die BVG das Mittel vollständig entfernt haben.

Erst vor zwei Wochen befreite eine Stiftungsmitarbeiterin eine Amsel aus einem Vogelabwehrnetz in Berlin-Mitte. Nach mehrstündigen Rettungsversuchen gelang es schließlich durch die Hilfe eines tierlieben Fassadenkletterers das Tier zu befreien. Die Verletzungen des Vogels durch den tagelangen Todeskampf im Netz waren letztendlich aber so schwerwiegend, dass das Tier verstarb. Die Erna-Graff-Stiftung hat Anzeige erstattet.
Im Fall der Taubenpaste bitten wir nun alle Bürger, die das Ausbringen von Taubenkleber beobachten, uns darüber umgehend Meldung – am besten mit Fotos – zu erstatten.

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