„Komm weiter, das machen wir dann das nächste Mal wieder“

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Ein Schwarm Stadttauben

Eine kranke Taube – ein Küken noch – saß auf dem Boden. Die Taubenrettung war informiert und bereits unterwegs. Unsere Mitarbeiterin war als erste vor Ort und konnte gerade noch verhindern, dass ein Kind mit Anlauf durch den Schwarm sitzender Tauben prescht. Der junge Vater fand die Intervention gar nicht gut:

„ …würden Sie bitte mein Kind nicht belästigen!“ Unsere  Erklärung – krankes Tier, Tierschützer versuchen zu fangen, bitte keine Störung jetzt –  kam beim Vater nicht wirklich an. Ein verständnisloser Blick für uns und ein liebevoller Blick für den frustrierten Jungen, gefolgt von: „Komm weiter, das machen wir dann das nächste Mal wieder“.

Was denn, Tauben jagen??

Lieber fürsorglicher Vater, du wirst dich wohl nicht auf unsere Seite hier verirren und etwas über Tierschutz lernen können. Aber vielleicht wird dein Sohn ja schon bald aus der Schule kommen und vom Tierschutz-Theater Löwenherz erzählen. Das ist unser Mitmachtheater und die Erna-Graff-Stiftung schickt es mit der „Expedition nach Nebenan“ in die Schulen, um Kinder Respekt, Verantwortung  und Empathie für Tiere zu lehren.

Vielleicht wird dein Kind dann sagen: „Nein, Papa, das machen wir bestimmt nicht wieder!“

Das wäre für unser Theaterprojekt ein Erfolg ganz in unserem Sinne! Mit unserem Mitmachtheater ‚Expedition nach Nebenan‘ wollen wir Kinder mit der Botschaft erreichen: Tiere sind kein Spielzeug und auch nicht zu unserem Vergnügen da, es sind leidensfähige Mitgeschöpfe, mit eigenen –arteigenen-Bedürfnissen, um die wir uns kümmern müssen.

Wir wollen unser Theaterstück an viele Schulen bringen und vor vielen Kindern spielen. Dafür brauchen wir aber unbedingt Ihre Unterstützung! Denn die Theateraufführungen für die Schulen wollen wir kostenlos anbieten. Ein vierstündiger Auftritt des Theaterpädagogen Hendrik Becker kostet uns mehr als 250 Euro. Die begeisterten Reaktionen der Kinder und ihrer Lehrer zeigen uns, dass es das wert ist!

Bitte unterstützen Sie unser Theaterstück! Hier geht es zum Spendenformular.

Graumsamkeiten gegen Tauben werden häufig geduldet

Graumsamkeiten gegen Tauben werden häufig geduldet

Die Rettungsaktion am Südkreuz war übrigens ein Erfolg! Das halbverhungerte Küken wackelte zielstrebig zum Sack mit dem Körnerfutter, kletterte drauf und ließ sich problemlos greifen. Hat das hungrige Taubenkind den nahrhaften Inhalt gerochen?

Das ist nicht abwegig, denn Tauben haben einen guten Geruchsinn. Es wurde schon vor langer Zeit festgestellt, dass Tauben sich beim Heimflug zum Schlag mit der Nase orientieren müssen. Wird ihnen das unmöglich gemacht, verirren sie sich leicht. Mit Hilfe ihrer Nase können Vögel ihre Geschwister erkennen  und auch ihr Nest können sie an seinem spezifischen Geruch von anderen Nestern unterscheiden und es wiederfinden.

Auf dem Rückweg von der Taubenrettung kamen wir an der Ruine des abgebauten Taubenschlags vom Potsdamer Platz vorbei. Seine früheren Bewohner sind jetzt wieder obdachlos auf der Straße gelandet. Ob sie wohl wissen, wo sich ihr früheres Heim jetzt befindet?

nie/06.17

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