Tipps für den Tierschutz im Urlaub

Tierschutz im Urlaub

Ein Straßenhund – hoffentlich wird er versorgt! CP:Pixabay

Auf unseren Urlaubsreisen werden wir oft mit Tierleid konfrontiert und oftmals gibt es dann Verunsicherung darüber, wie wir uns als Tourist richtig verhalten können. In der Erna-Graff-Stiftung erreichen uns Fragen wie zum Beispiel: War es richtig, dem Tanzbärenführer Geld zu geben, damit er sein Tier versorgen kann? Sollen wir die streunenden Hunde und Katzen am Hotel füttern? Unsere Reisen dienen doch auch dem Kennenlernen anderer Kulturen und Religionen. Müssen wir da auch eine andere Umgangsweise mit Tieren hinnehmen?

Wir können als Tourist überall einen Beitrag für den Tierschutz leisten, wenn wir konsequent ablehnen, uns für das Tierleid einspannen zu lassen. Wenn wir unsere Teilnahme an touristischen Angeboten und Geldgaben für Tierleid ablehnen, kann der Druck auf eine Verbesserungen für die Tiere vor Ort wachsen.

Die Erna-Graff-Stiftung hat einige Tipps und Informationen zusammengestellt, die ihr in eurem nächsten Urlaub beherzigen könnt, einen Flyer zum Ausdrucken und Mitnehmen erstellt und gibt Rat, wo wir im Urlaub genau hinsehen und wozu wir NEIN sagen müssen.

Die Liste hat keinen Anspruch auf Vollständigkeit!

Unser erster Tipp:

Was ich zu Hause nicht tue oder nicht gut heiße, das tue oder unterstütze ich auch nicht im Urlaub! Einmal ist nicht Keinmal!

Das ist ja leicht zu beherzigen. Es gibt aber Dinge, die wir nur in fernen Ländern tun können und mit denen wir zuhause nicht konfrontiert werden. Wie zu Hause auch, sollten wir kein Geld geben für Events, bei denen mit Tieren Dinge getan werden, die wir ablehnen und dürfen diese auch nicht mit unserer Anwesenheit aufwerten.

Auch das ist wichtig: viel loben und Freude über jeden zeigen, der Tieren gegenüber Respekt und Fürsorge zeigt.

Zweiter Tipp:

Reisevorbereitungen auch von der Tierschützerseite aus angehen.

Dazu gehört zu klären, welche Spektakel bei denen Tiere eine Rolle spielen, bietet der Reiseveranstalter an? Auf welche Tierschutzprobleme könnten wir im Urlaubsland stoßen? Was tun, wenn wir im Urlaubsland auf ein Tierschutzproblem stoßen?

Wenn Tierleid im Programm steht, können wir den Reiseveranstalter wechseln. Vor Ort können wir die örtlichen NGOs und Tierschutzorganisationen informieren und Beschwerde beim Reiseveranstalter einlegen.

Dritter Tipp:

Nutzt den Erna-Graff-Tierschützer-Pass und zeigt ihn eurem Reiseveranstalter und den Gastgebern im Urlaubsland vor. Besonders dann, wenn wir als Individualtourist abseits der Touristenzentren  unterwegs sind, kommen wir manchmal mit unseren Sprachkenntnissen nicht sehr weit. Daher haben wir unseren Flyer in Spanisch bzw. Indonesisch zusätzlich zu Englisch und Deutsch verfasst. Weitere Sprachen werden bald folgen. Unsere Wünsche an eine tierfreundliche Umgebung sind auf Papier gut aufgehoben. Es hat als ‚Dokument‘ mehr Nachdruck als das gesprochene Wort und kann in beliebiger Runde als Gesprächsgrundlage dienen. Das ist wichtig: lasst uns mit Gastgebern und unseren Mit-Touristen über Tierschutz reden!

Am Ende des Textes findet ihr den Link zum Download der Flyer.

Einige Tipps, wo wir genau hinsehen müssen:

Mahlzeiten und Lebensmittel

Schlachttiere haben nirgendwo ein gutes Leben. Gut dran ist daher jeder, der von vorne herein auf tierische Produkte in Nahrung und Umfeld völlig verzichtet.

Auch Streuner und Hunde mit Zuhause werden gefangen und zu den Märkten transportiert. CP: Pixabay

Wer im Urlaub aber Fleisch auf dem Teller haben möchte, sollte aus Arten- und Tierschutzgründen alle Gerichte, die Wildtier (‚bushmeat‘) enthalten, meiden. Walfleisch oder Haifischflossen müssen genauso auf der Verbotsliste stehen, wie das Fleisch von Hunden. Die grausamen Praktiken beim Fang, Transport und Tötung von Hunden unterliegen in der Regel keinerlei Kontrolle. Schlachten und essen von Hunden wird in vielen Ländern geduldet und allenfalls als Problem der Seuchenhygiene (Tollwut) verstanden.

Tierische Artikel/Produkte -eine Auswahl

Lederartikel oder Pelze sind in manchen Urlaubsländern besonders preiswert zu haben. Hier steckt viel Tierqual drin. Auf beides –Lederartikel und Pelze – sollten wir zuhause und im Urlaub verzichten.

Kopi Luwak ist der indonesische Name für Kaffee, der aus den anverdauten Kaffebohnen in den Exkrementen einer Schleichkatzenart (Fleckenmusang) gewonnen wird. Diese Bohnen wurden früher im Wald eingesammelt. Immer mehr Musangs werden in Käfigen gehalten, um die Nachfrage zu decken. Kaffebohnen, die von den gekäftigten Wildtieren stammen, dürfen wir nicht kaufen oder trinken.

Traditionelle chinesische Medizin kann Bestandteile von geschützten Pflanzen und Tieren enthalten, ohne dass wir das erfahren. Hier kann Tierleid drinstecken (Bärengalle!). Durch den Zoll bekommt man es eventuell auch nicht.

Zoologische Gärten

Wenn ein Zoobesuch im Urlaub geplant ist, können wir uns schon vor der Reise darüber informieren, welchen Ruf die Tierhaltung in der zoologischen Einrichtung unseres Urlaubslandes hat. Auch der niedrigste ‚Standard‘ der Haltung von Wildtieren kann noch unterschritten werden. Sehen wir hier Tierleid, sollten wir uns beschweren und Meldung machen.

Wildlife Safaris

Mit einem guten und sachverständigen Organisator und einem tierkundigen Führer ist eine Safari natürlich die beste Gelegenheit, um einheimische Wildtiere zu sehen. Man kann vorher abfragen, wie tierverträglich die Safari wird. Es ist keine gute Safari, wenn die Touristen sehr nah herangeführt werden und die Wildtiere in ihrem natürlichen Verhalten stören. Nahrungsaufnahme, Jungenaufzucht, Eiablage sollten völlig ungestört ablaufen können. Werden die Tiere sogar in ihren Rückzugsbereichen aufgestöbert, sollten wir uns beim Veranstalter beschweren. Wir selbst hinterlassen keinen Müll, nehmen weder pflanzliche noch tierische Mitbringsel aus dem Reservat heraus und versuchen, uns aus dem Leben der Tiere herauszuhalten –kein Füttern, kein Berühren ohne sorgfältigste Instruktion für Sicherheit von Mensch und Tier seitens des Organisators!

Tipps, wo wir NEIN sagen müssen:

Ein Topeng Monyet hat seinen Auftritt als Fischer.  CC by SA 2.0. Mohammad Rizky ramadhan

Nein! zur Teilnahme an einem Spektakel, in dem Tiere Dinge tun müssen, die nicht zum natürlichen Verhalten gehören bzw. eine Vermenschlichung sind und Dressur erfordern, wie zum Beispiel Rad fahren, auf den Hinterbeinen laufen, in Menschenkleidung auftreten oder rauchen. Geld, das wir hier geben, wird nicht den Tieren helfen. Eher wird unser Geld und unsere Rolle als interessierter Zuschauer weiteres Tierleid fördern. Daher dürfen wir dem Führer eines Tanzbären kein Geld geben. In einigen Ländern (z.B. Indien und Rumänien) sind Tanzbären bereits verboten. Trotzdem kann man ihnen vor allem in entlegeneren Gegenden noch begegnen. Auch das Vorführen von dressierten Affen (topeng monyet, masked monkeys) ist in Indonesien bereits seit Jahren verboten. Trotzdem gelten sie manchem noch als Kulturgut und Touristen werden manchmal an Orte geführt, wo heimlich solche Auftritte stattfinden.

Nein! zum Fotoshooting mit Wildtieren. Viele dieser Tiere werden mit Drogen ruhig gestellt. Wenn sie zu groß für den harmlosen Umgang geworden sind, werden sie getötet oder weiterverkauft (z.B. für canned hunting/Gatterjagd).

Delfinarien sind ein grausamer Ort für die intelligenten Säugetiere.  CP: Pixabay

 

Nein! zum Besuch eines Zirkus mit Wildtieren in der Show oder eines Delfinariums. Sehr viele Länder haben bereits ein Verbot oder zumindest eine eingeschränkte Zurschaustellung von Wildtieren in Zirkussen ausgesprochen. Delfinarien stehen für Tierleid, egal wie modern und groß sie sind. Angebote, mit Delphinen zu schwimmen sind für die Tiere eine Qual und das kann unmöglich einen unklaren therapeutischen Wert für den Menschen aufwiegen.

Nein! zum Aufenthalt in Hotels und Restaurants, in denen Wildtiere privat gehalten werden. Oft genug ist das Fangen und Halten von Wildtieren im Land verboten, wird aber nicht kontrolliert. Hier sollten wir nach einer Wildtierfreien Alternative Ausschau halten.

Warten auf den nächsten ungeübten Reiter. Wenigstens gibt es Schatten… CP: CC by SA 4.0 Ivan2010

Nein! zum Transport durch Last-, Reit- und Zugtiere, wenn wir den Eindruck haben, dass sie schlecht behandelt werden. Haben sie offene Scheuerstellen? Stehen ihre Knochen hervor? Werden sie geschlagen? Haben sie feste Ruhezeiten und Futter und Wasser in der Mittagshitze?  Beim leisesten Zweifel sollte man beim Anbieter nach einem gesünderen Tier verlangen – und nach guter Behandlung der Tiere. Tourismus ist schließlich ein Geldgeschäft.

Reiten auf Elefanten? Nein, danke! CP: CC by SA 4.0. PMATAS

Anders ist es beim Elefantenreiten: hier sollten wir jedes Angebot ausschlagen. Elefanten müssen mit Gewalt gefügig gemacht werden und werden zwischen den Touristenritten angekettet gehalten – wenn sie Glück haben im Schatten mit Wasser und Futter. Viele Reiseanbieter haben daher dieses Touristenspektakel aus ihrem Angebot genommen.

Büffel sterben beim Fest in Tana Toraja. CC by SA 2.0 Sergey

Nein! zum Besuch von Schlachtfesten, egal ob sie kulturell oder religiös verankert sind. Auch hier gilt, dass unsere Anwesenheit eine solche Veranstaltung aufwerten kann. Leider gelten solche Feste oft als der Höhepunkt einer Reise und manchmal mag es auch eine Ehre sein, als Ausländer dazu eingeladen zu werden. Zum Beispiel dürfen auf der Insel Sulawesi im Land der Toraja auch Touristen an den Begräbnisfeierlichkeiten der Einheimischen teilnehmen. Der Tourismus hier ist eine wichtige Einnahmequelle und local guides bringen die Touristen an die Orte des Geschehens. Oft ist den Touristen aber nicht wirklich klar, was sie dort erwartet: Bei einem solchen Fest werden Büffel und Schweine in großer Zahl unbetäubt geschlachtet und lebend ausgeblutet.

Nein! zum Besuch von Tierkämpfen. Hahnen-, Pferde-, Hunde- oder Stierkämpfe sind in vielen Ländern verboten, weil Wettgeschäfte und Glücksspiel oft illegal sind. Sie finden aber trotzdem mehr oder weniger heimlich statt. Touristen werden gerne hingeführt und werden ermutigt, selbst Geld auf den Überlebenden setzen.

 Nein! wenn wir tierquälerischen Umgang mit Haustieren hinnehmen sollen. Streunende Haustiere sind weltweit ein Problem. Von touristischen Zentren, Hotels oder Restaurants werden sie oft weggejagt – auch aus Sorge, sie könnten bei den Touristen einen schlechten Eindruck hinterlassen. Diese Sorge sollten wir zerstreuen und jede fürsorgliche Geste seitens unserer Gastgeber freudig anerkennen. Wir können vor Ablauf des Urlaubs noch einen Paten für ‚unseren‘ Streuner suchen oder uns an die örtlichen Tierschutzvereine wenden und dort nachfragen, ob er hier schon bekannt sind.

Auf die eigene Sicherheit beim Umgang mit Straßentieren sollten wir immer gut achten, denn Tollwut ist in vielen unserer Urlaubsländer ein großes Problem.

Unser Tierschutzflyer:

Hier gibt es die Flyer als pdf zum Download. Druckt ihn doppelseitig aus (im Druckermenü anwählen: Blatt über kurze Seite drehen) und die grünen Balken in ihrer Mitte falten. Oben euren Namen eintragen, fertig.

Tierschutzflyer spanisch-englisch-deutsch

Tierschutzflyer indonesisch-englisch-deutsch

 

Das Internet bietet eine Fülle von Informationen. Wir haben einige herausgesucht:

Hier findet man eine Liste vieler registrierter internationaler Tierschutzorganisationen.

In Indonesien kann man diese oder diese Adresse nutzen.

Für Informationen über Wildtiere und Zirkus hier klicken.

Dies hier sagt der Zoll zu Mitbringseln aus dem Urlaub.

Informationen zu Delfinarien weltweit findet man hier.

 

Text: A. Nietsch 07/17

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