Turmfalke von KiTa gerettet

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Noch einmal Glück gehabt hatte dieser Turmfalke

Der Anruf kam von einem Kindergarten in Wilmersdorf: „Da sitzt ein Turmfalke im Hof der Kita auf dem Erdboden und wird von Krähen angegriffen? Was tun?“
Das klang gar nicht gut und konnte auf keinen Fall so bleiben. Sicherheitshalber haben wir nachgefragt: „Ist es wirklich ein Turmfalke? Wie groß muss die Transportkiste sein“?
Im letzten Jahr wurden wir ja auch zu einem verunfallten Falken gerufen, der sich dann aber als doppelt so großer Bussard entpuppte und der passte nur mit knapper Not in die Box hinein. Diesmal war es aber wirklich ein Turmfalke (Falco tinnunculus), den wir abholen konnten. In seinem Namen sagen wir den aufmerksamen, tierfreundlichen und wildtierkundigen Erzieherinnen aus der Kita, den Eltern und allen Beteiligten an der Rettungsaktion herzlich Dankeschön! Zum Weitertransport in die Tierklinik mussten wir ihn in eine Transportbox umsetzen. Da war der kleine Greif nun aber mit seiner Geduld am Ende und hat sich ordentlich in die Hand unserer Mitarbeiterinn verkrallt. Turmfalken sind keine „Grifftöter“ (im Unterschied zu Eulen), sondern sie halten ihre Beute fest und töten sie durch Schnabelbiss. Wäre der Menschenfinger eine Maus gewesen, sie hätte jedenfalls nicht mehr entkommen können. Jede einzelne sichelförmige Kralle musste vorsichtig herausgezogen werden und zack! war die nächste schon wieder im anderen Finger drin. Handschuhe sollten wir eben immer dabei haben…
Das bisschen vergossene Blut musste uns die Rettung allemal wert

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Er kam in fachkundige Hände

sein. Turmfalken sind wunderschöne Raubvögel und gehören wie so viele andere Tiere zu unserer Stadtnatur für deren Vielfalt wir verantwortlich sind und die wir uns erhalten müssen. Tatsächlich sieht es gar nicht schlecht aus für die Turmfalken bei uns. In Berlin gibt es zwischen 250 und 300 Brutpaare und die Art scheint nicht gefährdet zu sein ( Rote Liste und Liste der Brutvögel von Berlin, 3. Fassung, 15. 11. 2013; Klaus Witt & Klemens Steiof; Berl. ornithol. Ber. 23, 2013: 1– 23).
Genug Nahrung und Brutplätze sind aber die Voraussetzung für ihr Überleben bei uns und das machen wir ihnen nicht leicht. Ihre Hauptnahrung, die Mäuse sind in der Stadt aber auch auf den Feldern seltener geworden und sie müssen ihren Speisezettel mit allem erweitern was sie erjagen können, Insekten und kleine Singvögel eingeschlossen. Im Herbst und Winter wird aber auch diese Beute knapp. Junge Turmfalken haben es in den ersten Wochen der Selbstständigkeit daher besonders schwer. Auch müssen sie die Jagdmethoden erst erlernen und beherrschen zum Beispiel den Rüttelflug noch nicht richtig. Sie laufen dann auch schon mal zu Fuß hinter der Maus her. Wenn die Maus schneller ist, gibt’s vielleicht wenigstens einen Regenwurm oder einen Käfer für den knurrenden Magen. Fensterscheiben, verspiegelte Hausfronten, Windräder und die Verdrahtung der Landschaft kosten zudem viele das Leben.
Bei den Brutplätzen gibt es ebenfalls Engpässe. Turmfalken sind zwar nicht wählerisch und brüten auch schon mal auf einem Balkon, aber verlassene Krähennester oder Nischen und Höhlen an den Kunstfelsen, die wir Häuser nennen, würden sie lieber beziehen. Der Name Turmfalke kommt ja nicht von ungefähr. Leider verschwinden in der Stadt die Nistmöglichkeiten an Häusern durch Verschließen der Öffnungen mehr und mehr. Sanierungsarbeiten sind der Grund oder auch Maßnahmen zur Taubenabwehr. Damit teilen die Turmfalken das Schicksal anderer Gebäudebrüter, wie Fledermäuse, Eulen, Dohlen und Mauersegler. Allen könnte mit mehr Duldung und auch dem Anbringen von Nistkästen geholfen werden.
Der von uns in die Klinik gebrachte Turmfalke ist ein Weibchen. Wir hoffen sehr, dass sie sehr bald wieder nach Wilmersdorf zurück kann, denn es ist sehr wahrscheinlich, dass sie dort einen Partner und ein Nest hat. Da darf sie nicht lange wegbleiben! In ein paar Tagen können wir uns in der Klinik nach ihr erkundigen. Solange heißt es Daumen drücken!
Wer mehr über unseren häufigsten Greif wissen möchte, dem können wir die Seite
http://tierdoku.de/index.php?title=Turmfalke
empfehlen. Ein Blick in die Kinderstube der Turmfalken macht der Nabu mit einer Kamera in einem Nistkasten der Park Klinik Weißensee möglich: https://berlin.nabu.de/tiere-und-pflanzen/turmfalken-vor-der-kamera/22271.html

nie/06.17

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