Vortragsabend zu Qualzuchten in Berlin-Spandau

Kramer Im Rahmen unserer erfolgreichen Kooperation mit dem Bezirksamt Berlin-Spandau veranstaltete die Erna-Graff-Stiftung gestern einen weiteren Vortragsabend. Thema waren diesmal Qualzuchten, insbesondere die Kurzköpfig- bzw. Rundköpfigkeit bei Hunden und Katzen. Mit Prof. Dr. Martin Kramer von der Justus Liebig Universität Gießen konnten wir einen besonders renommierten Wissenschaftler zu diesem Thema gewinnen.

Trotz des warmen Wetters fanden sich an diesem Dienstag Nachmittag viele Besucher im Theatersaal des Kulturhauses Spandau ein. Neben tierschutzinteressierten Bürgern freuten wir uns auch über die Teilnahme von zahlreichen Tierärzten sowie einigen Züchtern.

Nach ein paar begrüßenden Worten von Stephan Machulik, dem Spandauer Stadtrat für Bürgerdienste und Ordnung, sowie Diana Plange, Vorstandsmitglied der Erna-Graff-Stiftung für Tierschutz, übernahm Prof. Kramer die Bühne. Als Fachtierarzt für Chirurgie ist er beinahe täglich mit den Auswüchsen fehlgeleiteter Zucht konfrontiert und machte gleich zu Beginn seines Vortrages klar „Viele sagen mir, wenn sie einen Mops sehen, der schlecht Luft bekommt, dass das halt zur Rasse gehört. Aber das ist nicht so, dieser Mops ist krank!“ Mit einigen schockierenden Bildern machte Kramer deutlich, welche gesundheitlichen Folgen die Qualzucht für Tiere haben kann. „Wer würde sich denn heute noch von einem Bernhardiner im Gebirge retten lassen wollen? Sowas macht das Herz dieser Tiere doch kaum mehr mit!“, erklärte Professor Kramer gewollt provozierend.

PublikumxImmer häufiger werden Heimtiere, allen voran Hunde und Katzen, Modetrends unterworfen und ihr äußeres Erscheinungsbild nach den Wünschen von Menschen gestaltet und gezüchtet. Nicht selten bringt das Zuchtergebnis erhebliche gesundheitliche Probleme für die Tiere mit sich.

Erst vor kurzem erhielt das Thema Qualzuchten in Berlin große Aufmerksamkeit in den Medien, als eine Anordnung des Veterinäramts Spandau Nacktkatzen der Rasse „Canadian Sphynx“, aufgrund des Fehlens eines ganzen Sinnesorgans von der Zucht auszuschließen,  vor dem Verwaltungsgericht Berlin landete.

Doch auch in der Nutztierhaltung finden sich viele Beispiele von Qualzuchten. BühneErinnert sei nur an Puten, deren Brustmuskel dermaßen hochgezüchtet wurde, dass sich die Tiere ab einem bestimmten Gewicht meist gar nicht mehr auf den Beinen halten können.

Um die Bevölkerung für die vielfältigen Formen von Qualzucht zu sensibilisieren und vielleicht zu verhindern, dass jemand ein solches Tier erwirbt, war es der Erna-Graff-Stiftung ein großes Anliegen diesen Vortrag zu organisieren. Wir freuen uns über das Interesse und die vielen positiven Rückmeldungen und planen zukünftig weitere Vorträge zu tierschutzrelevanten Problemen.

Kommentare

Petra Scheer schreibt () :

Vielen Dank für diesen interessanten, informativen und lehrreichen Vortrag.
Es ist immer wieder erschreckend, wie viel Leid durch fehlgeleitete Rassezucht, verbunden mit menschlichem Schönheitsideal, entstehen kann und auch noch durch den VDH und anderen grossen Verbände, incl. der Zuchtverbände gedeckt wird. Unverständlich, dass hier die geltenden Tierschutzgesetze nicht greifen und dem züchterischen Wahn Einhalt gebieten!
Elementar ist auch die Aufklärung der Öffentlichkeit über das Leiden bestimmter Rassen und die Empfehlung, keine solchen Hunde zu kaufen.

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Sonja Wende schreibt () :

Liebe Frau Scheer, herzlichen Dank für das tolle Feedback, das freuen wir uns sehr drüber! Die Aufklärung der Öffentlichkeit ist auch uns ein großes Anliegen, hoffentlich konnten wir mit dem Vortrag einen kleinen Teil dazu beitragen.

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Qualzucht - Wenn Schönheit weh tut - Erna-Graff-Stiftung schreibt () :

[…] Säule in der Bekämpfung von Qualzuchten. Daher haben wir auch in der Vergangenheit bereits Vorträge zum Thema organisiert und begleiten Gerichtsverfahren […]

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