Welpenhandel im Internet: und Defektzuchten bei Fischen: Fortbildung für Amtsveterinäre gemeinsam mit Mitarbeitern des Landeskriminalamt und der Internetplattform eBay

 

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Bezirksstadtrat Stephan Machulik

Im Rahmen der Kooperation des Spandauer Bezirksamtes mit der ERNA-GRAFF-Stiftung für Tierschutz waren am Dienstag Amtstierärzte aus Berlin und Brandenburg eingeladen zusammen mit Vertretern des Landeskriminalamtes und der Internetplattform eBay über Möglichkeiten der effektiven Ermittlung von Akteuren im illegalen Welpenhandel zu diskutieren. Im zweiten Teil der Veranstaltung präsentierte ein Fachtierarzt für Fische, dass menschlicher Gestaltungswille auch vor diesen Tieren nicht Halt macht.

 

Vertreter von eBay Kleinanzeigen hatten sich den durchaus kritischen Fragen des Fachpublikums gestellt und sowohl ihre Position zum Handel mit lebenden Tieren im Internet erläutert, als auch einen Einblick gewährt über den Anteil, den der Verkauf lebender Tiere in Relation zu anderen Artikeln im Angebot der Plattform hat. Unerwartet war zu erfahren, dass tatsächlich fast doppelt so viele Fische wie Hunden und Katzen angeboten werden. Auch über die Möglichkeit auffällige Anzeigen zu melden und den Ablauf des Beschwerdemanagements wurde berichtet. Positiv hervorzuheben war die beschleunigte Bearbeitung von Tierschutzanzeigen und ein gesonderter Kontaktzugang für Behörden.

Obwohl die Bereitschaft zu offener Kommunikation über das sensible Thema Welpenhandel im Internet von allen Anwesenden anerkannt wurde, blieb ein Dissens über die Möglichkeiten zur Eindämmung des Handels. Das Portal sieht die Verantwortung sich über verantwortungsvolle Verkäufer zu informieren klar beim Käufer. Zwar weist ein Pop-up -Fenster bei jedem Erstaufruf einer Tierverkaufsanzeige auf die Gefahren des unseriösen Welpenhandels im Internet hin; dass dieser Hinweis seine Wirkung aber oftmals verfehlt, zeigt der weiterhin florierende illegale Tierhandel im Netz, denn die Nachfrage nach zunächst günstig erscheinenden Angeboten ist ungebrochen hoch.

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Ein eBay-Vertreter erklärt die Möglichkeit, eine auffällige Anzeige zu melden

Dies machte auch die amtliche Tierärztin aus dem Veterinäramt Spandau  klar, die anfangs in das Thema und den Ablauf der Aufbereitung und Dokumentation einer entsprechenden Anzeige einführte: „Allein in Spandau erreichen uns  wöchentlich  mehrere Anzeigen zum Handel mit zu jungen, kranken oder illegal verbrachten Welpen im Internet. Deswegen müssen wir gemeinsam mit den Unternehmen einen Weg finden, um den illegalen Welpenhandel zu einzudämmen oder die Tierärzteschaft  muss sich für ein Verbot des Handelns mit lebenden Tieren im Internet  einsetzen, so wie es bereits in anderen Ländern praktiziert wird.“

 

Rückenwind bekam sie auch vom Bezirksstadtrat Stephan Machulik: „Aus meiner Sicht muss der unkontrollierte Tierhandel von nicht eindeutig zurückverfolgbaren Händlern im Internet genauso unterbunden werden wie der Welpenverkauf aus Kleintransportern heraus. Um das zu erreichen, muss man die „KäuferInnen“ sensibilisieren. Es sollte jedem klar werden, dass man gesunde Lebewesen nicht zu Discountpreisen an jeder Ecke oder auf jeder Plattform kaufen kann.“

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Vertreter von eBay Kleinanzeigen und dem Landeskriminalamt Berlin stehen den Teilnehmern Rede und Antwort

Zwar ist Ebay weit vor diversen anderen Internetplattformen der größte Anbieter, gemeinsam ist den Onlinemärkten jedoch, dass es weniger um die konkrete Anzahl der gehandelten Tiere sondern vielmehr um die erzeugten Zugriffe auf die Angebote und damit um Einnahmen aus der Werbung geht, die gleichzeitig mit dem Angebot erscheint.

Unter welchen Voraussetzungen ein illegaler Welpenhandel auch eine Aktivität der Strafverfolgungsbehörde auslösen kann, machte der Leiter des Berliner Landeskriminalamtes 336 klar, der die Möglichkeiten und Grenzen  zur  Identifizierung von „Händlern“ erläuterte, deren V

erkaufsanzeigen von anderen NutzerInnen oder den Veterinärämtern gemeldet werden. Wie auch in den Veterinärämtern stehen in dieser Behörde knappe Personalressourcen einer schier endlosen Zahl von gemeldeten Fällen gegenüber,  wobei der Löwenanteil der Anzeigen an das LKA im Bereich der Umweltkriminalität liegt und der Tierschutz nur eine marginale Rolle spielt.

 

Umso wichtiger war es, dass am Dienstag alle involvierten Parteien die Möglichkeit hatten, sich darüber auszutauschen, auf welchem Wege die Bearbeitung von Anzeigen von illegalem Welpenhandel optimiert, die Akteure schnell identifiziert und Straftaten oder Ordnungswidrigkeiten effektiv verfolgt  werden können. Das alles unter der Prämisse, dass die Veterinärämter als Garanten für den Tierschutz sich für jedes einzelne Tier einsetzten müssen dem durch die Haltung und den Umgang von gewissenlosen Händlern oft erhebliche Leiden, Schmerzen und Schäden zugefügt werden.

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Dieser Diskusfisch kann nicht mehr gerade schwimmen, sondern steht auf dem Kopf CP: Jan Wolter

Im zweiten Teil der Veranstaltung wurde deutlich, dass menschlicher Gestaltungswille auch vor Fischen nicht Halt macht. Auch wenn die Zucht defektbehafteter Fische i.d.R. im Ausland erfolgt, gelangen die Tiere in Deutschland in den Handel.   Mit dem Tierarzt Jan Wolter, der in Berlin eine Praxis für Fischkrankheiten führt, konnte ein Experte als Vortragender gewonnen werden, der zunächst den KollegInnen Hinweise zur Kontrolle von Tierhandlungen mit Fischangeboten und Überwachung von sogenannten Fischbörsen gab und anschließend auch das Thema Qualzucht unter der Überschrift „Man made Fish“ ansprach.  Bedauerlicherweise ist auch unter Fischliebhabern immer häufiger zu beobachten, dass die Ursprungsform eines Tieres durch Zucht mehr und mehr bis hin zu einer schon tierschutzrelevanten Ausprägung verändert wird. Jan Wolter sensibilisierte die Amtstierärzte mit erschreckenden Bildern von Defektzuchtformen, die so sicher mancher Kollege nicht für möglich gehalten hätte, geschweige denn solche Exemplare je  gesehen hätte. Sowohl Fische, -von denen man heute weiß, dass sie sehr wohl in der Lage sind Schmerzen zu empfinden- mit übermäßig langen und zu schweren Flossen als auch völlig verkümmerten Flossen wurden gezeigt wie auch Fische mit vergrößerten Köpfen, Augenblasen und verkürzten Wirbelsäulen. Viele dieser Tiere sind kaum oder gar nicht mehr in der Lage normal zu schwimmen.

 

Auch in diesem Bereich, so endete der interessante Beitrag, sind Kriterien, ab wann eine Defektzucht unter den Regelungsbereich des Qualzuchtparagrafen 11b des Tierschutzgesetzes fällt, nicht definiert. Ein Umstand, der die Bekämpfung solcher Zuchten enorm erschwert.

 

 

 

 

Kommentare

Tierzucht und Qualzucht: Allgemeiner Teil - Erna-Graff-Stiftung schreibt () :

[…] Qualzucht auch in der Aquaristik ist noch nicht sehr gebräuchlich. Hier ist noch der Gedanke weit verbreitet, dass Fische nicht in dem Maße leidensfähig sind wie andere Tierarten. Es gilt mittlerweile als hinreichend erwiesen, dass Fische sehr wohl Schmerz empfinden können und auch unter Stress leiden. Auch bei Fischen müssen daher die Kriterien der Qualzucht Anwendung finden (s. Erna-Graff-Stiftung, Fortbildung: http://www.erna–graff-stiftung.de/welpenhandel-im-internet-und-defektzuchten-bei-fischen-erfolgreiche-fortbildung–fuer–amtsveterinaere/). […]

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