Wird Wachkoma-Patient Dylan seine Tascha wieder verlieren?

Landkreis zweifelt Rechtmäßigkeit der Aufhebung des Haltungsverbotes an.

Frau Herrndorf, Dylan und Tasch copyright Erna-Graff-Stiftung für TierschutzEs ist keine vier Wochen her, da konnte die Erna Graff Stiftung die Nachricht verkünden, dass die Hündin Tascha für das Wachkoma-Kind Dylan laut Gutachten als Therapiehund einsatztauglich sei und dass genau deshalb das Hundehaltungsverbot aufgehoben wird. Die Gemeinde Schönwalde-Glien hatte diese Entscheidung überzeugend am Wohl des schwerstkranken Kindes ausgerichtet, das ohne Tascha seine natürliche Atmung verliert und somit erhöhten Belastungen ausgesetzt ist.

Zur Erinnerung: Die Familie des Kindes war von Berlin-Spandau nach Schönwalde umgezogen und hatte die Hündin natürlich mitgenommen. Es kam zu einem Beißvorfall zwischen Tascha und einem anderen Hund -als American Staffordshire Terrier hatte die Hündin in Berlin zwar ihren Wesenstest bestanden, in Brandenburg ist diese Rasse allerdings verboten – und Tascha wurde der Familie entzogen.

Der Vorsitzende der Erna-Graff-Stiftung und Anwalt der betroffenen Familie, Eisenhart von Loeper hält schon diese länderspezifischen Gegensätze für bedenklich. Die jetzt von der Gemeinde Schönwalde-Glien getroffene Entscheidung sei jedoch „in jeder Hinsicht vorbildlich“, weil sie einerseits die öffentlichen Interessen zum Schutz vor Gefährdungen Dritter gutachtlich absichere, andererseits dem unverzichtbar höchstrangigen Grundrecht eines seit Geburt schwerstkranken Kindes diene, nicht minder dem Recht seiner Familie auf Zusammenhalt mit der Hündin. Es sei, so von Loeper, die Hundehaltungsverordnung zwingend grundrechtskonform und damit im Sinne der schwer geprüften Familie auszulegen. Man könne sich nur wundern, warum diese bestens abgesicherte Entscheidung nun vom Landkreis Havelland und dem Ministerium des Inneren in Zweifel gestellt werde.

Warum?

Weil ein Sachverständiger gemäß Hundegesetz bestätigt hat, dass Tascha als „Therapiebegleithund“ für das o.g. Kind, bzw. Patienten [Wachkomapatient Dylan Herrndorf], uneingeschränkt eingesetzt werden kann“ (Zitat aus dem Gutachten vom 20. 05.2014).

Weil das brandenburgischen Ministeriums für Inneres „glücklicherweise bestätigt, dass allgemein anerkannt ist, dass unter den Begriff der Behindertenbegleithunde im Einzelfall auch die sog. Therapiehunde fallen.“ (Auszug aus einer E-Mail vom Landkreis Havelland vom 23. Dezember 2013 an die Gemeinde Schönwalde-Glien, die der Erna Graff Stiftung als Kopie vorliegt)

Weil alle Regelungen der Hundehalterverordnung (HundehV) nach § 15, Abs. II (HundehV) nicht für Blindenführ- und Behindertenbegleithunde gelten.Wachkoma_neu

Die Entscheidung, das Haltungsverbot aufzuheben, haben sich der Bürgermeister der Gemeinde Schönwalde-Glien, Herr Bodo Oehme und sein Stellvertreter Herr Kurt Hartley nicht „aus dem Ärmel geschüttelt“. Sie haben sie in enger Zusammenarbeit mit der übergeordneten Ordnungsbehörde des Landkreises Havelland und unter anderem auf Basis von Entscheidungen des brandenburgischen Ministeriums für Inneres getroffen.

Umso irritierender ist es, dass Herr Oehme am 1. Juli eine E-Mail vom Landkreis Havelland erhielt, die ankündigt, er würde „in Abstimmung mit dem Ministerium des Inneren prüfen, ob die Entscheidung der Gemeinde mit geltendem Recht vereinbar ist.“ (vgl. rbb-Beitrag vom 3. Juli 2014)

Eine Entscheidung, an der beide Instanzen beteiligt waren? Allein das klingt nach einem schlechten Scherz. Wäre da nicht Dylan, dessen Wohlbefinden maßgeblich mit Taschas Anwesenheit verbunden ist…

Die Erna Graff Stiftung fordert den Landkreis Havelland und das Ministerium des Inneren auf, Stellung zu dieser E-Mail zu nehmen und sie zu erklären.

Kontakt:

Erna-Graff-Stiftung für Tierschutz
Waisenstraße 1, 10179 Berlin,
Tel. 0049 (30) 8524953,
info@erna-graff-stiftung.de,
www.erna-graff-stiftung.de

V. i. S. d. P.: Der Vorstand: Dr. Eisenhart von Loeper, RA Hans-Georg Kluge

 

 

 

 

Pressemitteilung vom 11. Juni 2014

Ein bewegender Sieg für Mensch und Tier:
Wachkomakind Dylan darf Hündin Tascha behalten

Erna-Graff-Stiftung erwirkt Anerkennung von Tascha als Therapiehündin –
Gemeinde Schönwalde trifft zukunftsweisende Entscheidung

vollständige Pressemitteilung weiter unten

DANK_Tascha und Dylan

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


Pressespiegel:

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Ein bewegender Sieg für Mensch und Tier:
Wachkomakind Dylan darf Hündin Tascha behalten

Erna-Graff-Stiftung erwirkt Anerkennung von Tascha als Therapiehündin –
Gemeinde Schönwalde trifft zukunftsweisende Entscheidung

Die Familie Herrndorf/Gerzmehle mit ihrem jetzt elfjährigen Wachkomakind und hundert-tausende Unterstützer in aller Welt können aufatmen: Die American Staffordshire Terrierhündin Tascha darf seit gestern dauerhaft bei dem schwerstkranken Kind Dylan und seiner Familie leben. Die Gemeinde Schönwalde-Glien hat das Haltungsverbot aufgehoben, nachdem alle gewünschten Nachweise über Taschas Eignung als Therapiehund vorlagen. Ein erfreulich wegweisender Erfolg vor allem für die Familie, aber auch für die Stiftung und ihren Vorsitzenden, Rechtsanwalt Dr. Eisenhart von Loeper, der die Familie juristisch vertritt, umfangreiche Gespräche mit der zuständigen Gemeinde führte und schließlich durch deren kluge Entscheidung eine dauerhafte Lösung für Tascha und Dylan erwirken konnte.

Zugrunde lag, dass die Familie die durch einen Wesenstest als nicht gefährlich eingestufte Listenhündin Tascha übernommen hatte, weil sie sich durch liebevolle Fürsorge für das Wachkomakind Dylan auszeichnete. Allerdings schien dies auf einmal bedeutungslos, weil es nach einem Wohnungswechsel der Familie von Spandau nach Schönwalde in Brandenburg vor deren Haus zu einem Beißvorfall mit einem anderen Hund gekommen war. Die strikte Anwendung der Brandenburger Hundehaltungsverordnung mit ihrem totalen Verbot sogenannter Listenhunde („Kampfhunde“) löste Ende Oktober letzten Jahres ein gemeindliches Tierhaltungsverbot mit angeordnetem Sofortvollzug zu Lasten von Tascha und damit auch zu Lasten des Wachkomakindes und seiner Familie aus. Deren Rechtsanwalt Eisenhart von Loeper konnte dem allerdings entgegenhalten: Nach den Feststellungen des behandelnden Kinderarztes findet der seit seiner Geburt im Wachkoma befindliche Junge, der künstlich ernährt und beatmet wird, seinen natürlichen Atem und beruhigt sich, wenn er  spürt, wie die Hündin ihm liebevoll die Pfote auf den Bauch legt oder den Unterschenkel leckt, so dass es dem Interesse des schwerstkranken Kindes widerspräche, ihm den Hund wegzunehmen. Diese unglaubliche, medizinisch nicht ersetzbare therapeutische Hilfe der Hündin hat auch in der Spitze der Gemeindeverwaltung Betroffenheit und die Suche nach einer guten Lösung hervorgerufen, gefördert auch durch riesige öffentliche Unterstützung.

Ausgehend von dem Einsatz der Erna-Graff-Stiftung für die betroffene Familie und deren Hündin sowie der Meldung eines engagierten Feuerwehrmannes haben sich damals 215.000 Menschen auf Facebook dafür stark gemacht, dass die Hündin bei Dylan bleiben darf. Formal durfte sich Tascha seitdem bis zur Klärung der Sache nur besuchsweise in der Familie aufhalten – eine Situation, die für Dylan, seine Familie und die Hündin untragbar war.

Auch die Gemeinde Schönwalde-Glien wollte dem schwerstkranken Jungen Dylan und seiner Familie nicht die wohltuende Wirkung entziehen, die ihm die Hündin täglich verschaffte. So führten konstruktive Gespräche der Erna-Graff-Stiftung mit der Gemeinde zu einer Lösung. Sie bewirkt den  Neubeginn der Zusammengehörigkeit des Menschen mit dem Tier selbst bei sogenannten Listenhunden, die als Therapiehunde wesentliche Hilfe leisten.

Die betroffene Familie hat ihrerseits durch verschiedenste Schulungen und Prüfungen der Hündin Vorsorge dafür getroffen, dass von dem Tier  keine Gefährdung ausgehen kann. Und die Gemeinde hat die nicht unproblematische Verbotsregelung von Listenhunden nach der Brandenburger Hundehaltungsverordnung zu Recht so ausgelegt, dass sie das Lebensrecht schwerstkranker Kinder nicht weniger beachten muss, wie es ausdrücklich bereits nach § 15 der Verordnung bei Blindenführ – und Behindertenbegleithunde anerkannt ist.

Die Erna-Graff-Stiftung sieht in dem einvernehmlich erreichten Ergebnis ein bewegendes Signal, wie sehr eine zunächst sehr schwierige Ausgangslage gemeistert werden kann, wenn die Gemeinde und alle Beteiligten lösungsorientiert zusammenarbeiten und wenn sogar, wie hier, der junge Dylan mit Familie und der Hündin Tascha eine überwältigende Anteilnahme und Unterstützung aus aller Welt erfahren.

Die Erna-Graff-Stiftung dankt allen im Sinne von Dylan und seiner Familie mitsamt Tascha für die gewährte Unterstützung. Sie versteht den gemeinsamen Erfolg auch als Ermutigung für die künftige Arbeit.


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