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Der Mauersegler – ein rätselhafter Wildvogel

Sommer vorm Balkon und Mauersegler in der Luft

Für viele Städter kann der Sommer erst mit der Rückkehr der Mauersegler aus Afrika richtig beginnen. Das schrille Sriiiii Sriiiii Geschrei der Mauersegler an warmen Sommertagen hoch oben aus der Luft und ihre rasanten Kunstflüge haarscharf am Fenster vorbei gehören zum Sommergefühl dazu. Mauersegler sind leider viel mehr vom Wetter abhängig, als andere Zugvögel und können deshalb nur wenig Zeit bei uns verbringen. Der Mauerseglersommer beginnt in jedem Jahr recht pünktlich um den ersten Mai herum. Dann beziehen die ersten Heimkehrer ihre alte Nisthöhle in den Mauern und Nischen unserer Häuser und Gebäuden und warten auf die Rückkehr des Partners. Erst hier werden sich Männchen und Weibchen eines Paares nach langen 9 oder 10 Monaten der Trennung wiedertreffen. Über viele Jahre hinweg sind sich die Ehepartner treu: sie führen eine ‚Ortsehe‘, wie es zum Beispiel auch Störche tun.

Ein Trupp Mauersegler jagt über der Stadt

Brutbiologie

Mauersegler legen bis zu drei Eier in ihr nur wenig ausgepolstertes Nest. Die Zeit bis zum Schlupf der Küken beträgt etwa 20 Tage. Bis zum Ausflug der jungen Mauersegler vergehen dann noch etwa 40 Tage. Diese Zeit kann sich auch verlängern, wenn die Eltern nicht genug Futter finden. Mauersegler fressen ausschließlich Insekten, die hoch im Luftraum unterwegs sind, sogenanntes Luftplankton. Ist es kalt und nass, fliegen keine Insekten hoch oben in der Luft. Dann können die Elterntiere entweder mit den Jungen im Nest ausharren oder vor dem Wetter flüchten. Die Wetterflucht ist eine Mauerseglerspezialität:  Solange die Eltern fort sind, verfallen die Jungen im Nest in eine Hungerstarre und können so ein bis zwei Wochen ohne Nahrung überleben. Junge Mauersegler verlassen das Nest als perfekte Flieger und kehren nicht mehr in ihr Nest zurück. Damit der erste Ausflug erfolgreich ist, müssen junge Mauersegler  ihr Gewicht perfekt zur Flügelfläche einstellen. Dazu müssen sie auch im Nest schon ein paar Tage vorher abspecken, sonst können die langen schmalen Flügel den Körper nicht tragen 1. Einen jungen Mauersegler kann man an den weißen Federrändern erkennen.

Population und Gefährdung

Laut der letzten Zählung für die Rote Liste der Brutvögel Berlins 2013 2 ist der Mauersegler ein häufiger und regelmäßiger Brutvogel bei uns in Berlin und mit 18000 bis 24000 Brutpaaren im Bestand nicht gefährdet. Leider ist er aber in manchem Kiez doch schon fast ganz verschwunden. Der Grund dafür ist die Wohnungsnot der Gebäudebrüter. Oft wird ihnen in ihrer Abwesenheit der Nistplatz zugemauert, die Brandwand saniert, die Dachkonstruktion ‚Taubensicher‘ gemacht oder die Fassade eingerüstet und eingenetzt. Ihre Nistplätze sind aber ganzjährig geschützt und nur wenn es gar nicht anders geht, dürfen sie mit Ausnahmegenehmigung beseitigt werden. Jeder muss wissen, dass die Vernichtung von Nistplätzen der einheimischen Vögel nach § 42 Abs. 1 des Bundesnaturschutzgesetzes (BNatSchG) eine Straftat ist. Werden durch die Sanierung auch die Küken im Nest oder die Altvögel einem qualvollen Tod ausgesetzt, ist das zudem ein Verstoß gegen das Tierschutzgesetz. Belangt werden in so einem Fall alle Beteiligten: Bauherr und Auftraggeber und die daran beteiligten Arbeiter.

Künstler im Flug

Wer das Glück hat, ein Mauerseglerpaar am Haus zu haben, kann sich über eine interessante und geheimnisvolle Nachbarschaft freuen. Dieser Vogel gibt noch immer Rätsel auf und wenn eines gelöst wird, dann macht es die Art gleich noch interessanter.

Mauersegler sind unglaubliche Flugkünstler. Zu ihren Spezialitäten gehört es, zehn Monate, wenn nicht sogar länger ununterbrochen in der Luft bleiben. Das wurde durch schwedische Wissenschaftler erst vor kurzem bewiesen 3. Nur die Brutpaare können ein paar Wochen im Nest verschnaufen. Bis in ihr drittes Lebensjahr sind Mauersegler aber ‚Nichtbrüter‘ und solange haben sie wohl nur ganz selten Kontakt mit festem Untergrund. Wie halten sie das durch? Wann und wie schlafen sie? Dieses Rätsel behält der Mauersegler noch für sich. Mit guten Augen (oder einem guten Fernglas) kann man abends im letzten Licht sehen, wie sie in großen Gruppen in einer Spirale in den Himmel fliegen. Mehr als 3000 Meter Höhe erreichen sie dann und bleiben die Nacht über dort oben. Sind hier ihre Schlafplätze? Machen sie dann kurze Nickerchen im Sinkflug oder können sie wie die Wale eine Gehirnhälfte schlafen lassen während die andere die Wache übernimmt? Vielleicht müssen sie ja jahrelang überhaupt nicht schlafen? Die Wissenschaft  hat darauf noch keine endgültige Antwort 4. Noch ein Rätsel: Wie schaffen es die Vögel während der Nacht in mehr als 3000 Meter Höhe sich trotz wechselnder Windrichtungen- und stärken nicht zu verirren? Sie können offenbar ihre Position relativ zum Wind berechnen und einer Verdriftung gegensteuern, aber wie sie das hinbekommen, kann noch nicht beantwortet werden 5.

Mauersegler gehören auch zu den schnellsten Vögeln,  wenn die Geschwindigkeit im horizontalen Flug gemessen wird. Bei den wilden Flugspielen vor den Brutplätzen am Haus erreichen sie Geschwindigkeiten über 110 km/h. In Flugdauer, Geschwindigkeit und Flughöhe sind sie Meister, aber auch in der Länge der Flugstrecke nimmt es kaum ein anderer Vogel mit ihnen auf: siebenmal fliegt ein Mauersegler in seinem vielleicht 20-jährigem Leben die Strecke zum Mond und wieder zurück.

So elegant sie in der Luft sind, so unbeholfen sind sie am Boden. Mauersegler haben sehr kurze Beine und kleine Füße –daher ihr wissenschaftlicher Name: Apus apus = der Fußlose – und wenn sie durch einen unglücklichen Zufall oder Unfall auf dem Boden stranden, tun sie sich schwer, wieder aufzufliegen. Dann brauchen sie unsere Hilfe. Sind sie unverletzt, kann man sie auf der Hand höher heben (niemals hochwerfen!). Dann können sie mit den Flügeln schlagen und vielleicht selbständig abheben. Gelingt es ihnen nicht oder sind sie verletzt, müssen sie in fachkundige Pflege (s. u.). Andere Kunstfertigkeiten in der Luft sind die Paarung, das Gefieder in der Mauser zu erneuern und im schnellen Flug genug Insekten einzusammeln, damit auch die Küken noch satt werden können.

Winterquartier

Auch ihr Winterquartier in Afrika ist anders als das anderer Zugvögel. Sie haben kein stationäres Überwinterungsgebiet, sondern wandern in der Luft mit der Regenzeit über das afrikanische Festland bis zum südlichen Wendekreis und wieder zurück bis in Gebiete südlich der Sahara. Von hier aus fliegen sie Ende April dann weiter in die nördlichen Brutgebiete. Die Regenzeit wandert jeweils mit dem höchsten Sonnenstand über Afrika  und ist unter dem Namen Inter Tropische Convergenz Zone (ITCZ) bekannt. So gesehen ist das Winterquartier unserer Mauersegler nicht Afrika, sondern die ITCZ 6.

Hilfe für die Mauersegler

Künstliche Nisthilfen für Mauersegler gibt es zu kaufen oder man kann sie auch selber bauen. Wie das geht und worauf bei der Anbringung zu achten ist, kann man bei den Naturschutzverbänden in Erfahrung bringen. Der Erhalt der Niststätten am Gebäude sollte aber immer Vorrang haben. Anders als bei unseren anderen Wildvögeln, gilt beim Mauersegler: befindet er sich auf dem Erdboden, ist sofort Hilfe zu leisten und es muss unbedingt Rat eingeholt werden, wie weiter mit ihm umgegangen werden muss.

Junger Mauersegler nach Krähenangriff gerettet

Das gilt auch immer für Jungvögel. Mauerseglerküken werden von ihren Eltern auf dem Boden nicht weiterversorgt und müssen vom Menschen aufgezogen werden. Hier müssen nun aber erfahrene Spezialisten ran, damit die unsachgemäße Aufzucht nicht zu ernährungs- und haltungsbedingten (keine Käfighaltung!!) Federdefekten führt. Das muss unbedingt vermieden werden. Jeder kann sich ausmalen, welche Konsequenzen ein Schaden an den wichtigen Flugfedern für den Flugkünstler haben muss! In der Mauerseglerklinik in Frankfurt am Main (Deutsche Gesellschaft für Mauersegler: https://www.mauersegler.com/) kommt ein eindrucksvolles Verfahren zur Anwendung, um Mauerseglern mit Gefiederschäden zu helfen: das Schiften. Hier ersetzen geschickte Hände die beschädigten Federn durch Spenderfedern. Diese werden kunstfertig eingeklebt und geben dem Vogel seine volle Flugfähigkeit zurück.

Auf der Homepage des Vereins finden sich wichtige Tipps und Informationen für alle, die den Mauerseglern helfen möchten.

 

 

Literatur

1 Wright, J. et.al. (2006): Facultative adjustment of pre-fledging mass loss by nestling swifts preparing for flight. Proc Biol Sci. 7; 273(1596): 1895–1900.

2 Witt, K. & Steiof, K. (2013): Rote Liste und Liste der Brutvögel von Berlin, 3. Fassung, 15. 11. 2013. Berl. ornithol. Ber. 23, 1– 23.

3 Hedenström, A. et.al. (2016): Annual 10-Month Aerial Life Phase in the Common Swift Apus apus. Current Biology, Vol. 26, Issue 22, p3066–3070.

4 Rattenborg, N.C. (2006): Do birds sleep in flight? Naturwissenschaften. 93(9):413-25.

5 Bäckman, J. & Alerstam, Th. (2002): Harmonic oscillatory orientation relative to the wind in nocturnal roosting flights of the swift Apus apus. J. of Exp. Biol. 205, 905–910.

6 Kaiser, E. (2001): Gedanken zur Luftübernachtung des Mauerseglers Apus apus. Ornithol. Jber. Mus. Heineanum 19.

 

Text: Nietsch/06.17

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