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Einstellung

Einstellung, auch als Haltung oder unter ethischem Aspekt als Werthal- tung bezeichnet, ist eine oft unbewußt entstandene Tendenz, sich in ähnlichen Situationen ähnlich zu verhalten oder ähnlich zu handeln. Wenn dies besonders auffällig wird, sprechen wir auch von Verhaltens- typen. So ist z. B. neben dem rücksichtsvollen und hilfsbereiten Menschen der rücksichtslose Durchsetzungstyp wohlbekannt, wobei sich eine solche Grundeinstellung oft bis in Details erkennen läßt.

Jeder Mensch entwickelt und ändert im Laufe seines Lebens viele Ein- stellungen, aber sie entstehen schon in der frühen Kindheit als Reaktionen auf das Verhalten der Erwachsenen. Darum ist Erziehung auch in diesem frühen Lebensabschnitt so wichtig, denn die in der Kindheit erworbenen E.en sitzen besonders tief, u. a. auch deshalb, weil bei ihrem Zustandekommen das rationale Begreifen einer Situation noch keine korrigierende und objektivierende Rolle spielen kann. Jede spätere E.bildung oder E.änderung wird durch früher erworbene Verhaltenstendenzen beeinflußt. Als Erwachsener hat man viel weniger Gelegenheit, neue Einstellungen zu lernen, und selbst in völlig neue Situationen (etwa durch Gründung einer Familie, Änderungen der beruflichen Situation oder Eintritt ins Rentenalter) bringen wir vorgebildete E.en mit. Aber jede neue Situation ist eine Chance zur Verhaltensänderung.

E.en sind wichtig, weil wir uns damit jederzeit verfügbare Verhal- tensmuster erwerben, die wir benötigen, um in den alltäglichen Situationen schnell handeln zu können. Gewohnheiten helfen uns. Aber dabei ist es wichtig, auch Abweichungen von der Normalsituation zu erkennen und das Routineverhalten entsprechend zu ändern. E. bedeutet also keine starre Konditionierung, sondern ein noch immer anpas- sungsfähiges Denk- und Verhaltensschema.

E.en kommen durch das Zusammenwirken verschiedener Kompo- nenten zustande, und zwar: (i) der kognitiven Komponente, das bedeutet Einsicht in die Sachverhalte: Wahrnehmung, Klärung und Beurteilung; (2) der emotionalen Komponente, das bedeutet die mit den Sachverhalten verbundenen Gefühle und Wertungen; (3) der aktiona- len Komponente, das bedeutet sowohl Übung und Einübung als auch die Summe der Erlebnisse und Erfahrungen. Beim Entstehen und Ändern von E. en kommen diese Komponenten aber nicht gleichzeitig zum Zuge; am Anfang kann sowohl eine Erfahrung, eine Gemütsbewegung oder auch eine plötzliche Information oder Einsicht stehen. Wichtig ist nur, daß dann die beiden anderen Komponenten noch hinzukommen.

E.bildung und E.änderung sind wichtige Methoden der moralischen Erziehung und damit auch der Tierschutzerziehung. E. als Werthaltung ist die Möglichkeit, das ethisch als richtig erkannte Handeln in konkretes —>Handeln und —>Verhalten umzusetzen, sowohl im Tun wie im Unterlassen; denn mit der richtigen tierschutzethischen E. bringen wir die meisten Fehlhandlungen gar nicht mehr fertig, weil es gegen unser zur Werthaltung verfestigtes Wertbewußtsein geht. Trotzdem soll E.bildung den Menschen nicht im Sinne von außen kommender Steuerung manipulieren, sondern sie soll ihm helfen, in moralischer Mündigkeit akzeptierte Normen auch gegen Widerstände, Schwächen oder Ermü- dungserscheinungen durchzuhalten.

Aber auch im Hinblick auf die zur Erreichung von mehr Tierschutz erforderliche Veränderung des —> Wertbewußtseins und der —> öffentlichen Meinung ist die E. von größter Bedeutung. Gelegentlich wird E. auch in Verbindung mit der öffentlichen Meinung gesehen. Bei Peter Singer (1986, S. 256) heißt es dementsprechend: „Wenn die öffentliche Einstellung sich ändert, ändert sich auch das Gesetz.”

Weitere Literatur: W. K. Frankena 1981, S. 84f., C. Günzler und G. M. Teutsch 1980, S. 40-67, K. Heinerth 1979, St. E. Hormuth 1979, H. D. Schmidt, E. J. Brun- ner und A. Schmidt-Mummendey 1975.

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