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Tierschutz

Tierschutz ist der umfassende Begriff für alle Bestrebungen und Maßnahmen, Leben und Wohlbefinden der Tiere zu schützen (vgl. —gesetzlicher Tierschutz I). Insofern hängt der T. auch mit dem —> Naturschutz zusammen und hat vielerlei —> Widerstände und Hemmnisse zu überwinden.

I. Die Komplexität des T. kann durch Aufgliederung nach verschiedenen Gesichtspunkten übersichtlicher gemacht werden. (1) Zunächst wird der T. nach der Motivation unterschieden als —> anthropozentrischer und —> ethischer Tierschutz. (2) Nach der Art des Einsatzes kann man den organisierten vom privaten und (3) in Bezug auf die Aufgabenbereiche den —> karitativen, —> gesetzlichen und —> vorbeugenden T. unterscheiden. Albert Lorz (1979, S. 32) unterscheidet außerdem noch ökonomischen, ästhetischen und kulturellen sowie individuellen und kollektiven, mittelbaren und unmittelbaren T.

II. Um die Probleme des T. zu überblicken, ist es auch notwendig, die damit befaßten Menschen (—> Tierschützer)besser zu verstehen, und zur Kenntnis zu nehmen, daß T. auch mit unterschiedlicher Zielsetzung und Intensität betrieben werden kann: (1) als gemäßigter T., wie er staatlicherseits etwa in Mitteleuropa, Skandinavien und England praktiziert wird, (2) als progressiver T., wie er von den meisten Tierschutzverbänden angestrebt wird, und schließlich (3) als konsequenter T., der sich an den Forderungen des —> Idealziels (einschließlich —> Vegetarismus) orientiert und schließlich (4) als aggressiv-radikaler T., der auch vor Gewaltakten nicht zurückschreckt.

III. Das Tier soll insbesondere vor dem ungerechtfertigten Eingriff des Menschen (insbesondere vor —> Tierquälerei, —> Schmerzen, —> Leiden und —> Schäden) geschützt werden, gelegentlich auch vor anderen Tieren oder schädlichen Umwelteinflüssen; insofern hängt T. auch mit —> Umweltschutz zusammen (A. Lorz 1979, S. 33)

IV. Wichtig ist auch die Frage von A. Lorz (1979, S. 33f.): „ in welcher Hinsicht das Tier geschützt werden soll, also über die Schutzrichtung. Ein Schutz der Tiere ist jedenfalls denkbar mit Bezug auf Leben, Freiheit, Gesundheit, Wohlbefinden, Unversehrheit und –>geschöpfliche Würde. Der besonderen Natur des Tieres ist Rechnung zu tragen. In Anlehnung an Hans Driesch (vgl. -> Rechtfertigung II) kann man auch noch die Entfaltung der im Tier ruhenden Anlagen erwähnen.

V.Historisch gesehen, war T. zuerst eine Sache religiös geregelter Mensch-Tier-Beziehung I) . Auch der moderne T. beruht auf den Forde- rungen der biblischen —> Barmherzigkeit, die den Gedanken der artübergreifenden —> Humanität nachhaltig beeinflußt hat. Der Ire Richard Martin und der Engländer Lord Erskine setzten 1822 das erste neuzeitliche T.gesetz zum Schutze der Pferde und landwirtschaftlichen Nutztiere durch. R. Martin und Reverend Broome gründeten damals auch den ersten Naturschutzverein der Welt. In Deutschland wurde der organisierte Tierschutz durch Pfarrer Christian Adam Dann vorbereitet, und 1837 konnte sein „Nachfolger” Pfarrer Albert Knapp in Stuttgart den ersten deutschen T.verein gründen. Inzwischen haben sich die örtlichen Vereine zu Regional- und Zentralverbänden zusammengeschlossen. Daneben sind aber auch neue Verbände und Gruppen mit z. T. speziellen Zielsetzungen entstanden; vgl. hierzu K. Drewer und K. J. Ennulat (1977, S.1-9). über einen langen Zeitraum gab es zwei internationale Spitzenverbände, die sich dann am 1.1.1981 zur Welt-Tierschutz-Gesellschaft (World Society for the Protection of Animals) vereinigten.

Wachsende Bedeutung gewannen auch Einzelgänger wie Ursula M. Händel, die Reinhard Wandtner (Frankfurter Allg. Zeitung vom 18.4.1986) als „Anwältin der leidenden Kreatur” besonders hervorhob. Jedenfalls ist der T. heute nicht mehr nur eine Sache der Verbände, sondern ein allgemeines Anliegen der Öffentlichkeit (—> Öffentliche Meinung).

VI. Die T.gesetze (–> Gesetzlicher Tierschutz) waren zuerst nur anthropozentrisch begründet, um die Gefühle der Bürger zu schützen, die an der Tierquälerei Anstoß nahmen, oder um der aus der Tierquälerei entstehenden allgemeinen Verrohung entgegenzuwirken. Erst viel später setzte sich der ethische Tierschutz durch. „In seiner Sicht ist das Tier als lebendes und fühlendes Wesen ein Mitgeschöpf, dessen Achtung und Wertschätzung für den durch seinen Geist überlegenen Menschen ein moralisches Postulat darstellt.” (A. Lorz 1979, S.31)

VII. Der T. hat – bei regional unterschiedlichen Schwerpunkten – Aufgaben in vielen Bereichen der Tierhaltung, Tiernutzung oder in anderen Beziehungen zwischen Mensch und Tier. Die Hauptprobleme sind verbunden mit –> Nutztierhaltung und —> Tierversuchen, —> Tiertrans-porten und —> Schlachtung, mit dem Verdrängen vieler Wildtiereaus ihren Lebensräumen und der damit verbundenen Ausrottung gefährdeter Arten, mit dem Fangen und Töten von Tieren als Sport, mit Tierkämpfen und Rodeo, Fehlformen bei—> Jagd und Fischfang, dem —> Tierhandel,mit der —> Züchtunglebensunfähiger Rassen, mit falscher Behandlung von -> Heim- und Hobbytieren,dem Aussetzen solcher Tiere zu Beginn der Urlaubszeit und mit der Bekämpfung von Ratten und Mäusen, verwilderten Tauben und Schadinsekten.

IX. Je mehr die Diskussion über Tierschutzfragen in Gang kommt, desto größer wird auch das Gewicht der ethischen Auseinandersetzung —Tierschutzethik. Das —> Wertbewußtsein muß gestärkt werden, damit sich die –> öffentliche Meinung weiter verändert und mehr T. möglich macht.

X. T. ist immer auch Gegenstand wissenschaftlicher Diskussionen, insbesondere in den Bereichen der Ethologie, Medizin und Tiermedizin, Philosophie, Rechtswissenschaft, Theologie, Tierpsychologie und Zoologie. Bemerkenswert ist die 1986 erfolgte Schaffung eines eigenen Lehrstuhls für Tierschutz an der tierärztlichen Fakultät der Universität Cambridge. Inhaber dieses Lehrstuhls ist der Zoologe D. Broom. (Meldung der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vom 7.5.1986). Im gleichen Jahr hat der Deutsche Tierschutzbund in Neubiberg bei München eine eigene Tierschutzakademie gegründet.

Weitere Literatur: M. Damien u. a. 1981, K. Drawer 1980, K. Drawer und K. J. En- nulat 1977, K. J. Ennulat und G. Zoebe 1972, M. W. Fox 1980, K. Franke 1985, U. M. Händel 1984, P. Micaux 1980, H. Sauer 1983, P. Singer 1986, M. Speich 1983, H. Steffahn 1987, G. M. Teutsch 1983b, S. Walden und G. Bulla 1984.

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