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Tierschutzpolitik

Tierschutzpolitik ist Sache der allgemeinen Politik, soweit es sich um tierschutzrelevante Gesetze, Verträge oder andere Regelungen (—> Gesetzlicher Tierschutz) handelt. T. ist aber auch eine Aufgabe anderer Institutionen und Verbände, die den —> Tierschutz entweder als Hauptziel verfolgen oder sich nur gelegentlich mit Tierschutzfragen befassen.

Die T. der Tierschutzverbände hat drei grundlegende Aufgaben: (1) die Festlegung der angestrebten Ziele, (2) die Erarbeitung eines methodischen Programms zur Erreichung dieser Ziele und (3) die Von-Fall-zu- Fall-Umsetzung dieses Programms in jeweils aktuelle Vorhaben.

I. Die Festlegung der angestrebten Ziele ist für bestehende Institutionen und Verbände in der Regel vorgegeben, bedarf aber gelegentlich der Revision oder doch Neuinterpretation, wenn neue Fragen auftauchen, neue Aufgaben entstehen oder Zweifel an der bisher verfolgten Linie entstehen. Die angestrebten Ziele können entweder umfassend oder speziell sein (—> Tierschutz) und auf unterschiedliche Reichweite, also lokal, regional, national, international oder global angelegt sein. Wichtig ist, daß die konkret angestrebten Ziele an einem überzeugen- den und konsensfähigen —> Idealziel orientiert sind, das durchaus in einer unerreichbaren Ferne liegen, aber nicht widersprüchlich sein darf, sondern in sich —> Kohärenz verlangt. Im Vorfeld der konkret angestrebten Ziele und im Bemühen, ihnen näherzukommen, muß die T. im Gegensatz zur —> Tierschutzethik zu —> Kompromissen bereit sein und zur Ab- sicherung des methodischen Programms über Abwägungskriterien verfügen, die möglichst aus der Zielbeschreibung selbst ableitbar sind. Zu diesen schon bei der Zielbeschreibung zu treffenden Entscheidungen gehört auch die Auseinandersetzung mit dem —> Lebenserhaltungsprinzip und dem —> Wohlbefindensprinzip, wobei als Ergebnis eine Sowohl-als-auch-Lösung mit Prioritätensetzung angestrebt werden sollte.

II. Das methodische Programm zur Erreichung der gesteckten Ziele wird in den Verbänden häufig besprochen und ist unter den —> Tierschützern auch oft umstritten, und zwar insbesondere zwischen (1) Fundamentalisten, die auch bei der Formulierung ihrer konkreten Forderungen nur von ihren Zielen ausgehen und die Frage der politischen Durchsetzbarkeit eines Vorhabens (—> Öffentliche Meinung, Rechtslage und Machtverhältnisse) nicht in Rechnung stellen, und (2) den Gradualisten, die auch als konsequente Tierschützer wissen, daß gerade der weitreichende Tierschutz nicht von heute auf morgen, sondern nur in Etappen erreicht werden kann. Wer sich mehr vornimmt, als er bestenfalls erreichen kann, programmiert den eigenen Mißerfolg und enttäuscht seine Mitarbeiter und möglicherweise auch noch die Öffentlichkeit. Politik besteht nicht darin, immer nur auf bekanntgewordene Miß- stände mit Protesten und Protestaktionen zu reagieren, sondern aus einer möglichst objektiven Analyse der Tierschutzsituation in der jeweiligen Region nicht nur kurzfristige, sondern auch mittel- und längerfristige Programme zu entwickeln. Vor allem wäre es erforderlich, die Rivalität unter den verschiedenen Verbänden abzubauen und in jeder Region verbandsübergreifende Kontakte herzustellen, damit wenigstens die großen Vorhaben gemeinsam vertreten werden können. Vgl. hierzu auch —> Tierschützer V.

Literatur: K. Drawer und K.J. Ennulat 1977, P. Singer 1986, Teil 3, D. Wood 1971.

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