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Vogelfang

Eine Sonderform unzulässiger und entwürdigender –> Jagd ist die millionenfache Vernichtung der Zugvögel. Klaus Drawer und Klaus J. Ennulat berichten darüber (1977, S. 258): „Nach einer Verlautbarung der EG-Kommission in Brüssel fallen Jahr für Jahr mehr als 200 Millionen Vögel (darunter rund 80 Millionen kleiner Singvögel!) den 2,4 Millionen Jägern und Vogelfängern allein in Italien zum Opfer. Überwiegend handelt es sich dabei um Zugvögel aus Nord-, Mittel- und Osteuropa. Dazu gibt die Vogelwarte Radolfzell nach dem Ergebnis eigener Untersuchungen der Besorgnis Ausdruck, daß durch das Vogelsterben in Italien für ganz Europa irreparable Umweltschäden entstehen, weil sich die Zahl der Zugvögel innerhalb von zwei Jahren je nach Art um 50-88 % verringert hat… Besondere Empörung hat bei Tierfreunden die selbst in italienischen Büchern über Vogelfang beschriebene Behandlung der sogenannten Lockvögel ausgelöst.” Vgl. hierzu den ausführlichen Bericht von Peppino Bondietti (1977).

Keine der bisherigen Abhilfemaßnahmen hat einen nennenswerten Erfolg erzielt, weil der Gesetzgeber den erbosten Vogeljägern immer wieder neue Ausnahmeregelungen oder andere Hintertüren offenhalten muß. Der Kampf der Vogelfreunde in Italien ist ebenso tapfer und bewundernswert wie gleichzeitig aussichtslos. So hat die italienische Regierung zwar das Berner übereinkommen zur „Erhaltung der europäischen wildlebenden Pflanzen und Tiere und ihrer natürlichen Lebensräume”, das den Vogelfang weitgehend verbietet, unterzeichnet, es wird aber so vielfältig umgangen, daß es wirkungslos bleibt; vgl. hierzu auch N. Sojka (1985, S. 40 f.). Ähnlich ist die Situation auch in einigen anderen Mittelmeerländern, wo der Vogelfang noch immer weit verbreitet ist.

Die Nordländer haben jedoch keinen Grund, sich für unschuldig zu halten, denn sie tragen auf ihre Weise zum Leiden der Vogelwelt bei. Nicht nur, daß es auch bei uns noch einen teils geduldeten, teils illegalen Handel mit Waldvögeln gibt (vgl. Drawer/Ennulat 1977, S. 258), und daß die Unsitte, mit Kleinkalibergewehren auf „Spatzenjagd” zu gehen, trotz entsprechender Verbote immer noch zu beobachten ist (S. 257). Zu erwähnen sind auch die in Weinbergnetzen jämmerlich zugrundegehenden Vögel sowie die Opfer der nicht immer human durchgeführten Aktionen gegen verwilderte Stadttauben. Auch manche Formen der Jagd auf Wasservögel sind mehr als fragwürdig. Die „Belchenschlacht” am Bodensee und neuerdings auch am Chiemsee sorgt immer wieder für Schlagzeilen.

Aber mehr als unter absichtlicher Verfolgung haben die Vögel unter den Folgen der Umweltvergiftung (—> Umweltschutz) und der regional immer wieder vorkommenden Ölpest zu leiden. Den besonders gefähr- deten Arten (—> Naturschutz II) fehlt es jedoch am geeigneten Lebensraum: wer ihnen keine Rückzugsgebiete erhält oder neu schafft, kann auch ihre Art nicht erhalten. Je mehr Vogelarten bedroht sind, desto lukrativer wird der —> Tierhandel, das kann man insbesondere beim Handel mit Jagdfalken (vgl. Gerd Bönisch und Bernd Fuhs 1985) feststellen.

Literatur: ImText erwähnt.

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