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Zweck-Mittel-Relation

Zweck-Mittel-Relation ist die Frage nach der Verhältnismäßigkeit der Mittel, die zur Erreichung eines bestimmten Zweckes eingesetzt werden. Dabei ist klar, daß auch ein in der Werthierarchie ganz oben einzuordnender Zweck nicht jedes beliebige Mittel „heiligen” kann, sondern daß er bestimmte, d. h. proportional angemessene Mittel moralisch entschuldigen, bestenfalls rechtfertigen kann; auf diesen wichtigen Unterschied zwischen Entschuldigung und —> Rechtfertigung hat besonders Hans Driesch (1927, S. 77) hingewiesen. Ferner ist zu beachten, daß die mit der Anwendung eines an sich nicht erlaubten Mittels verbundene moralische Schuld oder ein damit verbundener Rechtsbruch wegen des verfolgten ehrenhaften Zweckes allein noch nicht gegenstandslos wird. Ferner ist anzunehmen, daß in diese Z-M.-Abwägung nicht jedes denkbare —>Handeln einbezogen werden darf und daß es eben Mittel gibt, die auch ein ethisch noch so hochrangiger Zweck nicht entschuldigen oder rechtfertigen kann. Außerdem dürfen ethisch fragwürdige Mittel erst dann erwogen werden, wenn alle zulässigen Mittel voll ausgeschöpft wurden und keine Verbesserung der Situation mehr bewirken können; vgl. hierzu —> Güterabwägung II.

Das Gebot der Verhältnismäßigkeit der Mittel ist ein allgemein anerkannter Rechtsgrundsatz. Für den Gesetzgeber und Richter im Bereich des Tierschutzes stellt sich die Frage meist so, ob der angestrebte Schutzzweck eine bestimmte Maßnahme als Mittel auch wirklich erforderlich macht, d. h. das Gebot der Verhältnismäßigkeit wird immer dann besonders heftig diskutiert, wenn dem Menschen bisher übliche Nutzungsgewohnheiten, Bequemlichkeiten oder Ermessensspielräume eingeschränkt werden sollen. Dabei ist dann die anthropozentrische Versuchung groß, mehr im eigenen —> Interesse zu entscheiden, als zugunsten der Mitgeschöpfe; hier sind die Erfordernisse der –> Gerechtigkeit und –> Unparteilichkeit besonders zu beachten.

Weitere Literatur: H. Brockard 1974, K. Latenz 1979, S. 124-132, P. Singer 1979, S.182-200, R. Spaemann 1982, S. 61-72.

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