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Hauskatzen: Kastrations- und Kennzeichnungspflicht

Kastrations- und Kennzeichnungspflicht für Katzen

Eine geliebte Wohnungskatze

Die Katze ist in Deutschland das beliebteste und häufigste Haustier. Etwa 8 Millionen leben in deutschen Haushalten. Aber der Liebe zur Katze gegenüber steht das Elend der 2 Millionen Straßenkatzen, das Leid der vielen Fund- und Abgabekatzen in überfüllten Tierheimen und die Überlastung der ehrenamtlichen Katzenschutzorganisationen.

 Warum wir unsere Katzen kastrieren lassen sollten

Der ungewollte Nachwuchs der Katzen aus Privathaushalten landet oft im Tierheim oder wird auf der Straße entsorgt. Ausgesetzte und entlaufene unkastrierte Katzen vergrößern die Population der Streuner um weitere fruchtbare Tiere. Das Elend der kranken, halbverhungerten und medizinisch unversorgten Katzen in unseren Städten kann kein Ende nehmen. Nur durch die konsequente Kastration der wildlebenden Tiere und der Freigänger aus Privathaushalten kann hier Abhilfe geschaffen werden. Die Kastration verhindert nicht nur den ungewollten Nachwuchs der Katzen sondern schützt sie auch vor Krankheiten. Deshalb sollten auch Wohnungskatzen ohne Freigang kastriert werden.

Was geschieht bei der Kastration?

Bei der Kastration werden die Keimdrüsen –die Eierstöcke beim Weibchen und die Hoden bei den Männchen- entfernt. Es ist immer eine Operation unter Vollnarkose. Beim Kater geht die OP sehr schnell, denn seine Keimdrüsen liegen als pelzige Bällchen außerhalb der Leibeshöhle und können in einer unproblematischen OP schnell entfernt werden. Die Haut darüber wird in der Regel nicht genäht, sondern die Wundränder verkleben und heilen ab. Bei der Kätzin dauert die OP länger und die Wunde muss genäht werden. Die Fäden werden nach 10 bis 14 Tagen beim Tierarzt gezogen. Die Kosten für die Kastration der Katze können daher über 100 Euro betragen und liegen damit fast doppelt so hoch wie die beim Kater.

Ohne die Tätigkeit der Keimdrüsen kann es keinen Nachwuchs geben und die Hormone, die bei Kätzin und Kater das Sexualverhalten steuern, fallen ebenfalls weg. Daher sind kastrierte Katzen in der Regel ruhiger und dem Menschen mehr zugewandt als unkastrierte Tiere. Sie sind meist deutlich friedlicher, verspielter und häuslicher als ihre unkastrierten Kollegen. Kastrierte Kater markieren auch nicht mit ihrem Urin, dessen strenger Geruch in der Wohnung kaum wieder wegzubekommen ist.

Das Elend der Straßenkatzen

Katzen sind sehr sehr fruchtbar. Weibliche Katzen werden mehrmals im Jahr rollig und können schon kurz nach dem letzten Wurf wieder trächtig werden. Die Kater sind aber im Prinzip jederzeit paarungsbereit. Die große Vermehrungsfreudigkeit ist der Domestikation geschuldet und führt zu zwei Problemen: wir haben überfüllte Tierheime, die sich um den ungewollten Nachwuchs samt Mutterkatzen, um Fundkatzen und Abgabetiere kümmern müssen und wir haben wildlebende Katzen in unseren Städten und Gemeinden, deren Populationen durch entlaufene oder ausgesetzte Hauskatzen entstanden sind und durch diese immer neu aufgefüllt werden. Für Deutschland wird die Zahl der Straßenkatzen auf ca. 2 Millionen geschätzt. Eine 2013 genannte Zahl freilebender Katzen in Berlin beruht auf Schätzungen von Tierschützerinnen und Tierschützern und schwankt zwischen 17.000 und knapp 100.000 Tieren. Straßenkatzen sind oft unterernährt, krank oder verletzt und haben mit durchschnittlich 4-5 Jahren eine weit geringere Lebenserwartung als die versorgte Hauskatze. Die Mehrzahl der wild geborenen Kätzchen überlebt das erste Jahr nicht.

Wild geborenes Kätzchen

Aus Tierschutzgründen muss für diese halbwilden Populationen gesorgt werden. Auch wenn sie wild geboren werden, sind es doch domestizierte Tiere, die vom Menschen abhängig sind. Tierschutzorganisationen und ehrenamtliche Helfer nehmen sich dieser Tiere an, richten Futterstellen ein und führen Kastrationsaktionen durch. Die Kastration der freilebenden Tiere kann alleine aber nicht ausreichen, denn die lokalen Populationen bekommen immer wieder Zulauf von den unkastrierten Katzen aus den Haushalten. Das sind nicht nur die Freigängerkatze, sondern auch entlaufene Wohnungskatzen und ausgesetzte Tiere.

Alle Katzen profitieren von der Kastration

Die Freigänger unter den Wohnungskatzen durchwandern große Gebiete. Die unkastrierten Kater und Kätzinnen haben aber ein noch weit größeres Streifgebiet, wenn sie  auf Partnersuche unterwegs sind. Auf diesen Streifzügen sind sie vielen Gefahren ausgesetzt, sind durch Autoverkehr und Hunde gefährdet und können sich auch verlaufen. Junge Kater laufen besonders weit und werden von den ansässigen Revierkatern oft von einem Revier ins nächste vertrieben. Viele finden nicht mehr in ihr Zuhause zurück. Untereinander tragen Kater Kämpfe aus, die zu schweren Verletzungen führen können. Zerfetzte Ohren sind hier noch das kleinere Übel. Jeder Biss kann zu Entzündungen führen, die der Halter – weil die Wunde oberflächlich verheilt- im Fell lange nicht entdeckt. Auch die Ansteckungsgefahr mit Katzenschnupfen und Parasiten ist für Freigänger groß, vor allem bei Kontakt mit Tieren aus der wilden Population. Kätzinnen können bei der Paarung vom Kater durch den Nackenbiss verletzt und mit Krankheiten wie z.B. FIV  infiziert  werden. Kämpfe untereinander, Paarung, die Trächtigkeit und Laktation sind für Kater und Katze äußerst anstrengend. Sie magern ab, das Fell sieht schlecht aus und die Immunabwehr kann sinken. Zuchtkatern und -katzen wird daher immer eine Pause nach der Paarung und der Trächtigkeit gegönnt. Unkastrierte Katzen mit Freilauf bekommen diese Erholung nicht.

Bei der unkastrierten weiblichen Katze verursachen Hormonschwankungen und die Dauerrolligkeit  Krankheit, Schmerz und Leid. Sehr häufig entstehen in den Eierstöcken Zysten, die selbst wieder Hormonstörungen verursachen, als deren Folge Gebärmutterentzündungen und Narben, Verklebungen und Schmerzen entstehen. Auch in der Milchleiste können sich Tumore bilden, die bei Katzen fast immer bösartig sind und eine schlechte Prognose haben. Auch die hormoninduzierte Feline Fibroadenomatose kann als Folge von Rolligkeit oder Trächtigkeit auftreten.

Unkastrierte Kater markieren mit übel riechendem Urin ihr Revier. Markiert der Kater in der Wohnung und wird dafür bestraft, setzt ihn das unter großen Stress. Es ist keine Unsauberkeit von ihm, sondern seine Hormone steuern das Verhalten.

Mit der rechtzeitigen Kastration können wir der Katze das alles – mitsamt aufwendiger Operationen und Behandlungen – ersparen.

Der richtige Zeitpunkt für die Kastration

Kater und Kätzin werden im Schnitt zwischen dem 6. und 10. Monat geschlechtsreif. Oft wird geraten, Kater oder Katze erst mit Eintritt der Geschlechtsreife kastrieren zu lassen. Bei Weibchen kann das aber durchaus bereits im Alter von vier Monaten der Fall sein und auch die Kater können Frühreife zeigen! Der Zeitpunkt dafür ist oft nicht sicher zu bestimmen, denn Katergeruch oder die Rolligkeit sind keine sicheren Indizien, da manche Kater jahrelang nicht markieren und die erste Rolligkeit der Katze sehr unauffällig verlaufen kann. Unversehens ist der junge Kater draußen auf Freiersfüßen unterwegs und das Katzenweibchen kommt trächtig von ihrem Ausflug zurück. Eine so junge Katze, ein Katzenkind noch, sollte man unbedingt vor einer Trächtigkeit schützen. Katzenzuchtvereine verbieten es, Zuchtkatzen vor dem 10 Monat decken zu lassen. Die Lösung bietet die sogenannte Frühkastration, bei der Kätzchen bereits vor dem vierten oder fünften Lebensmonat kastriert werden. In Deutschland ist Frühkastration für manche Tierärzte noch ungewohnt, in anderen Ländern ist es schon Routine und die positiven Aspekte werden betont: die OP und die Narkose wird besser überstanden und das Kätzchen erholt sich schneller als das ältere Tier. Und niemand wird von seiner noch halbwüchsigen Katze mit Nachwuchs überrascht.

Bedenken und Einwände gegen die Kastration

Obwohl Katzen von einer Kastration nur profitieren können, lassen viele Halter ihre Katzen gar nicht oder erst spät kastrieren. Wir haben acht Gründe zusammengetragen, die manche Halter gegen eine Kastration anführen und erklären, warum diese Bedenken und Argumente haltlos sind. Unser Fazit: Es gibt nicht einen einzigen vernünftigen Grund, Katze oder Kater nicht kastrieren zu lassen.

1„Die Operation ist (zu) teuer“.

(!) Die Kosten für die Operation sind gut investiert, bedenkt man, welche Kosten durch Verletzungen und Krankheiten und durch das Versorgen vom Nachwuchs entstehen können. Ein Haustier zu haben bedeutet Verantwortung übernehmen und es kostet nun mal Geld. Die Kosten muss man sich vor der Anschaffung vom Tierarzt berechnen lassen (inklusive Kennzeichnung, Impfungen und Entwurmung) und das Geld dafür zurücklegen.

2„Kastrierte Tiere werden dick“.

(!) Das muss nicht sein. Es ist richtig, dass der Energiebedarf einer kastrierten Katze geringer ist, als der einer unkastrierten Katze. Mit dem richtigen Futter und einer katzengerechten Beschäftigung wird das aber leicht ausgeglichen.

3 „Kämpfen, frei leben und Junge bekommen: Das  ist eben die Natur der Katze und also artgerecht“.

(!) Nein, es ist nicht artgerecht in Betonwüsten zu leben und ein kurzes Katzenleben in erbärmlichen Umständen oder im Tierheim zu verbringen. Die Hauskatze ist vor langer Zeit domestiziert worden und wir können sie nicht mehr der Wildform gleichsetzen. Unsere Hauskatzen, auch die scheuen und wilden, suchen die Nähe des Menschen. Sie sind von uns abhängig – Haustiere eben. Und weil das so ist, verstößt jeder, der sein Haustier aussetzt oder nicht versorgt gegen das Tierschutzgesetz.

4 „Katzen mit Welpen fangen mehr Mäuse als Katzen ohne Welpen“.

(!) Eine durchschnittliche erwachsene Katze benötigt um die 300 kcal im täglichen Futter. Um ihren Energiebedarf allein durch die erbeuteten Mäuse decken zu können, muss eine Katze 8 bis 15 Mäuse pro Tag fangen. Zum Ende der Trächtigkeit hat eine Katze bereits einen ca. 70% höheren Energiebedarf und der steigt noch gewaltig an in den ersten Wochen der Laktation. Es gibt andere Wege, um der Mäuseplage Herr zu werden. Zum Beispiel können zwei kastrierte Katzen den Job von einer tun. Die Tierheime haben die Häuser voll mit Freigängerkatzen, die sich als Mäusefänger eignen. Natürlich muss auch hier dafür gesorgt werden, dass die Katzen immer gut genährt sind. Dadurch werden dann auch die Wildvögel geschützt!

5 „Die Katze ist schmusiger wenn sie rollig ist“.

(!) Eine rollige Katze sucht vielleicht mehr die Nähe zu ihrem Menschen und wirkt besonders zutraulich und verschmust. Das Verhalten ist aber hormongesteuert und der Mensch dient hier nur als Ersatz. Viel schöner ist es doch, wenn die Katze zum Schmusen kommt, weil sie wirklich ihren Menschen meint.

6 „Die Katze ist ja eh nur im Haus“.

(!) Selbst wenn die Katze wirklich niemals ins Freie gelangen kann (die Zahl der Suchanzeigen für zufällig aus der Tür geflitzte ‚reine Wohnungskatzen‘ spricht dagegen): die Gefahr von hormonell bedingten Krankheiten bleibt auf jeden Fall bestehen.

7 „einen Kater zu kastrieren bevor er voll geschlechtsreif und ausgewachsen ist, schadet seiner körperlichen Entwicklung. Eine Katze muss einmal geworfen haben, um sich psychisch und körperlich gut zu entwickeln“.

(!) Nichts davon stimmt. Kastraten sind weder kleiner noch schwächer  als ihre unkastrierten Kollegen und sind in aller Regel leichter mit den Menschen zu sozialisieren. Kastrierte Kater bekommen zwar nicht die dicken ‚Katerbacken‘ des Katers, aber viele Katzenhalter finden kastrierte Kater gerade deshalb eleganter und harmonischer im Aussehen.

8 „Kätzchen aufwachsen zu sehen ist so schön und vor allem die Kinder finden es toll“.

(!) Um den Kindern die Verantwortung für ein Tier beizubringen und um die Kätzchen gut versorgt zu wissen muss man einiges tun: verantwortungsbewusste Halter finden, das zukünftige Zuhause ansehen, Kontrollbesuche vereinbaren, einen Vertrag machen, in dem die Kastrationspflicht Thema ist oder (besser noch) die Kätzchen nur kastriert abgeben, die Kätzchen bis mindestens zur 12 Woche bei der Mutter lassen, eine Rücknahmevereinbarung treffen oder bei Weitergabe des Tieres informiert werden, die Welpen impfen und entwurmen lassen, sie über Wochen mit dem Menschen sozialisieren.

 

Warum wir unsere Katzen kennzeichnen und registrieren lassen müssen

Spielkampf bei jungen Katzen

Wenn eine Katze vom Spaziergang nicht nach Hause kommt, muss sie von ihren Haltern gesucht werden. Wird sie in einem Tierheim als Fundtier abgegeben oder in einer Tierarztpraxis vorgestellt, vielleicht sogar weit weg von ihrem Heimatort, kann sie schnell wieder in ihr Zuhause zurück, wenn sie einen Mikro-Chip trägt und mit ihrer Halteradresse bei einer Haustierdatenbank registriert ist. Um Katzen (und andere Haustiere) individuell zu kennzeichnen und ihre Halter finden zu können, ist heutzutage die beste Methode, ihnen einen Mikro-Chip (Transponder) unter die Haut setzen zu lassen. Das Tier muss dafür weder narkotisiert noch örtlich betäubt werden. Der Chip hat eine 15-stellige Identifikationsnummer, die weltweit einzigartig ist. Durch diese Nummer kann ein Tier zweifelsfrei identifiziert und seinem Halter zugeordnet werden . Der Chip muss ein Katzenleben lang nicht ausgewechselt werden, sollte aber gelegentlich beim TA überprüft werden. Den Chip und das Einsetzen muss man beim Tierarzt bezahlen. Der nun wichtige, abschließende Schritt ist aber umsonst: die Registrierung des Tieres in einer Datenbank mit Name und Halteradresse. Das kann per Brief oder auch online gemacht werden. Die Namen der Datenbanken kann man beim TA erfragen. Manche Tierärzte helfen auch bei der Online-Registrierung.

Achtung: wird dieser Schritt nicht unternommen, ist der Transponder wertlos, denn seine Nummer alleine lässt keine Identifzierung zu.

Durch die Abfrage der Nummer bei der Datenbank kann einer Fundkatze die Odyssee durch Tierheime und Pflegestellen und auch die Weitervermittlung an neue Halter erspart bleiben.  Daher ist es sinnvoll, auch reine Wohnungskatzen registrieren zu lassen. Viele Katzen geraten durch offene Türen und Fenster nach draußen, manchmal weil sie neugierig sind oder unfreiwillig durch einen Fenstersturz. Sie haben sehr wenig Chancen, alleine nach Hause zu finden und kommen draußen sehr schlecht zurecht.

Die Kennzeichnung der Katzen ist in Deutschland noch nicht überall Pflicht, wird aber immer lauter gefordert. Die Kennzeichnung und Registrierung auf jeden Fall von Freigängerkatzen zusammen mit der Pflicht, sie kastrieren zu lassen ist die einzige Möglichkeit, die halbwilden Katzenpopulationen in unseren Städten und Gemeinden auf Dauer zu verkleinern und auch das Elend der ausgesetzten und streunenden Tiere zu verringern.

 

Literatur zum Thema:

Beate Kalz : Populationsbiologie, Raumnutzung und Verhalten verwilderter Hauskatzen und der Effekt von Maßnahmen zur Reproduktionskontrolle. Dissertation 2001; http://edoc.hu-berlin.de/dissertationen/kalz-beate-2001-02-28/HTML/

Schriftliche Anfrage an das Abgeordnetenhaus Berlin, März 2015: Kastrationspflicht für Freigängerkatzen eine Option für Berlin? www.stiftung-naturschutz.de/fileadmin/img/pdf/Kleine…/S17-15879.pdf

Deutscher Tierschutzbund e.V.: Position zum Umgang mit frei lebenden Katzen. 2014; www.tierschutzbund.de/fileadmin/user…/Frei_lebende_Katzen.pdf

Text: Nietsch/06.17

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