Hunde/Katzenwaschanlage: Veterinäramt prüft Tierschutzverstöße

5. November 2020

Nachdem wir über einen neu eröffneten Waschsalon in München berichtet hatten, in dem Hunde und Katzen in vollautomatisierten Waschboxen gereinigt werden können, hat sich nun das zuständige Veterinäramt eingeschaltet.

Worum geht es?

Der Hunde- und Katzenwaschsalon “Lavakan” in München bietet unter anderem Waschboxen an, in denen die Tiere ohne Kontaktmöglichkeit zum Menschen in vollautomatisiert gewaschen werden. Das folgende Video des … zeigt, wie die Boxen verwendet werden sollen. Dabei werden die Boxen mit einer Klappe von oben verschlossen. Der Kunde kann sodann zwischen verschiedenen angebotenen Waschprogrammen wählen. Die Tiere haben in der Box keinerlei Möglichkeit, die Box zu verlassen oder mit dem Halter Kontakt aufzunehmen und werden dann maschinell mit Wasser, Waschlotion und Trockenluft behandelt.

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Das Unternehmen „Lavakan“ betreibt bereits mehrere solcher Waschsalons in Spanien und Großbritannien. Auch die auf der Internetseite des Unternehmens dargestellten Videosequenzen zeigen Hunde, die während des Waschvorgangs stark hecheln, gähnen oder sich in eine Ecke der Box drängen – alles Anzeichen von extremem Stress.

“Dieser Unsinn birgt die Gefahr, die Tiere durch das Eingesperrtsein zu traumatisierten. Noch dazu, wenn das Tier möglicherweise wasserscheu ist.”, sagt Tierärztin und Vorstandsmitglied Daniela Rost.

Aber es geht noch schlimmer: Auf seiner Facebook-Seite wirbt das Unternehmen sogar damit, dass auch Katzen in den Boxen geduscht werden können und zeigt etliche Fotos von durchnässten und verängstigten Katzen. Unter einem Bild einer Babykatze schreibt das Unternehmen: “Kätzchen: Kleine Kätzchen sollten mehr baden als Erwachsene, da sie dazu neigen, schmutziger zu werden. ab 2 oder 3 Monaten, obwohl es manchmal notwendig sein kann, es vorher wegen Schmutz zu baden. Das Kätzchen muss entspannt sein und daran denken, es gut herauszunehmen, wenn es fertig ist.”

Stellungnahme des Unternehmens

Nachdem aufgrund unserer Berichterstattung etliche Beschwerden beim Unternehmen eingingen, hat sich “Lavakan” auf seiner Facebookseite zu den Vorwürfen geäußert und zeigte dabei wenig Einsicht. Kritische Kommentare bei Facebook wurden gelöscht und einige Facebooknutzer*innen berichteten davon, sogar Drohungen erhalten zu haben. Außerdem veröffentlichte das Unternehmen mehrere Fotos des Babykätzchens nach dem Waschgang, um zu zeigen, dass es dem Tier gut geht. Zum Beitrag mit den Originalbildern gelangt Ihr hier. Hierzu heißt es wie folgt:

Symbolbild

“Lavakan Aussage: Das Kätzchen auf dem Bild wurde von der Straße abgeholt, sehr schmutzig, voller Flöhe und in schlechtem Zustand. Der Respekt für die Nachrichten von Erna-Graff-Stifting für Tierschutz, die sich insbesondere auf das Bild eines Kätzchens (Luna) konzentrieren, sowie alle eingegangenen Kommentare möchten wir Ihnen mitteilen, dass wir mit seinem Besitzer gesprochen haben und wir werden Informationen geben echt. Niemand hat die Bedingungen des Kätzchens vor dem Baden gefragt. Niemand hat sich darum gekümmert, wie es vorher war und ob das Badezimmer vielleicht notwendig war. Unabhängig davon, was Sie denken, liegt die Entscheidung, die Katze zu baden, bei ihrem Besitzer, und das Beste von allen weiß, dass dies erforderlich ist. 1. Das fragliche Kätzchen auf dem Bild wurde von der Straße abgeholt, sehr schmutzig, voller Flöhe und in schlechtem Zustand. Er erhielt ein abweisendes und antiparasitäres Bad mit natürlichem Andirobaöl, um Flöhe zu beseitigen. Während des Bades war die Person anwesend, die ihn auf der Straße abgeholt hatte. Das Kätzchen heißt Luna und sie schicken uns dieses Foto zu Hause, gesund, stark und schön. 2. Wir haben 3 Veröffentlichungen hintereinander veröffentlicht, die sich mit Katzen und ihrer Hygiene befassen (mit Informationen, die auf verschiedenen Websites gesammelt wurden, und Veröffentlichungen über Katzen). Wir haben nicht gesagt, dass es jederzeit obligatorisch ist, Katzen zu baden. Sie müssen gebadet werden, wenn sie sehr schmutzig sind, schlecht riechen oder sich nicht selbst reinigen können. Obwohl Katzen wenig oder gar keine Hilfe benötigen, tun sie dies manchmal. Und wenn sie baden, wird empfohlen, dies nach 2 oder 3 Monaten zu tun, aber wir bestehen darauf, dass es in unserer Verantwortung liegt, das Bad vorher zu machen, wenn es sehr notwendig ist, wie es der Fall ist. Bei Lavakan arbeiten wir für und für Haustiere und für ihr Wohlbefinden und bieten ihren Besitzern einen Raum zum Baden, ohne zu Hause Unordnung zu machen und ohne Rückenprobleme. Wir berücksichtigen alle Aspekte, von den Shampoos (vegan, ohne Parabene und Silikone), die Art des verwendeten Wassers (entkalkt), die Temperatur, die Methode (Wasserspray) und die möglichen Optionen für jeden Geschmack (automatisch oder Handbuch). Wir sind froh zu sehen, wie wichtig ihnen das Wohlergehen der Tiere ist, und wir müssen das Bewusstsein schärfen und weiter daran arbeiten, das Leben jedes einzelnen Tieres zu verbessern. Sie sind alle eingeladen, uns zu besuchen und unsere Einrichtungen auszuprobieren. Mit freundlichen Grüßen, Lavakan.”

Symbolbild

Das Unternehmen versucht offenbar, mit einer rührseligen Geschichte eines verwahrlosten Kätzchens die Gemüter zu beruhigen, bewirkt allerdings genau das Gegenteil, indem es einen Mangel an Einfühlungsvermögen für tierische Geschöpfe offenbart. Ein verwahrlostet junges und mit Parasiten übersähtes Kätzchen wird sich bereits in einer Stresssituation befunden haben. Das Tier braucht dann zunächst Ruhe, Geborgenheit und notfalls medizinische Versorgung, aber keine Waschbehandlung in einem Waschautomaten!

Unerheblich ist auch, dass das Unternehmen auf die Verwendung veganer Produkte achtet und neben den vollautomatisierten Boxen auch andere Waschboxen anbietet und die Wahl dem Tierhalter überlässt. Vollautomatisierte Waschboxen sollten gar nicht erst angeboten werden, da es genug unwissende Tierhalter*innen gibt, die meinen, dem Tier auch noch etwas Gutes zu tun.

Zusätzlich veröffentlichte das Unternehmen folgenden Beitrag, den ihr hier einsehen könnt:

“Wir teilen Ihnen mit, dass die Firma Lavakan heute eine Anwaltskanzlei in München beauftragt hat, alle Personen oder Organisationen zu verklagen, die uns vorwerfen, dass wir ihnen Medikamente, Drogen oder ähnliches geben können, wenn wir Tiere missbrauchen. Wir werden sie verklagen, um Schadensersatz zu verlangen. verursacht zu unserer Firma. Wenn sie die Kunden sind, die ihre Haustiere baden. Unsere Firma schafft Räume, die Menschen mit ihren Haustieren nutzen können.Kritisieren Sie, schätzen Sie unsere Aktivitäten ohne Argumente oder Beweise, um zu beweisen, was sie sagen, genauso wie persönliche Meinungen ohne Beweise und keine persönliche Meinung.”

Rechtliche Bewertung:

Die hier dargestellte Praxis bedeutet für die Tiere enormen Stress und Angst.

„Die Tiere werden hier behandelt wie ein Autos in einer Waschanlage. Tiere sind aber keine Sachen, sondern hochempfindsame Wesen, für die allein das plötzliche Eingesperrtsein in fremder Umgebung eine extrem bedrohliche Situation darstellt. Jedenfalls die im Video dargestellten Waschboxen, die vollständig geschlossen werden, verursachen vermeidbare und tierschutzrechtswidrige Leiden bei den Tieren.“, sagt Eva Bire, Rechtsanwältin der Erna-Graff-Stiftung für Tierschutz.

Daneben sollten gerade Katzen nur ausnahmsweise gebadet werden, da sie die Fellpflege größtenteils selbst übernehmen. Ständiges Baden stellt daher gerade keine artgerechte Pflege der Tiere dar.

Nach § 1 TierSchG dürfen einem Tier ohne vernünftigen Grund weder Schmerzen, Leiden noch Schäden zugefügt werden. Außerdem legt das TierSchG auch dem Tierhalter besondere Pflichten auf. Hierzu gehört nach § 2 TierSchG auch die angemessene Pflege und Unterbringung des Tieres. Ein Verstoß gegen diese Halterpflichten kann als ultima ratio auch ein Haltungsverbot und die Sicherstellung der Tiere durch das Veterinäramt nach sich ziehen. Das Gesetz eröffnet den Behörden aber auch die Möglichkeit, Maßnahmen gegen Dritte (hier: den Salonbetreiber) zu verhängen, sofern diese erforderlich sind, um die Einhaltung der Vorschriften des Tierschutzgesetzes sicherzustellen.

Veterinäramt prüft Tierschutzverstöße

Symbolbild

Wir haben bereits Nachricht vom zuständigen Veterinäramt erhalten, bei dem zahlreiche Bitten eingingen, sich der Sache anzunehmen. Die Behörde wird nun durch Vorortbesichtigungen zu prüfen haben, ob Tierschutzverstöße vorliegen und mit welchen Anordnungen diese zu beseitigen sind.

Aufklärung unwissender Tierhalter

Umso wichtiger ist es, in der Zwischenzeit unwissende Tierhalter*innen darüber aufzuklären, wie schädigend derartige Waschboxen für Tiere sein können. Es gibt zahlreiche Alternativen, auch für Hundehalter*innen, die ihr Tier nicht zu Hause waschen möchten. Viele angebotene Waschboxen sind zur Seite und nach oben offen und ermöglichen es dem Halter, den Hund manuell zu waschen, sodass Körperkontakt zum Hund gehalten werden kann. Bitte teilt unseren Beitrag und helft, Mitmenschen aufzuklären!

Wir sagen Danke:

Nur mit Hilfe Ihrer Spenden ist die Erna-Graff-Stiftung im Stande wichtige Verfahren wie dieses für unsere tierischen Mitgeschöpfe zu finanzieren. Jeder Betrag hilft uns dabei und leistet einen wichtigen Beitrag. Nur so können veraltete wissenschaftliche Meinungen widerlegt werden, was insbesondere beim Thema Bestandsregulierung durch Fütterungsverbote dringend erforderlich ist.

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Kommentare

Regine Gebhardt schreibt () :

Sehr geehrte Damen und Herren,
in den aktuellen VETImpulsen ist ein Artikel über Ihren Protest gegen Tierwaschanlagen mit einem Link zur Unterstützung per Unterschrift auf Ihrer Homepage. Leider ist der Link nicht verfügbar. Wie können wir trotzdem helfen? Gibt es Material zum Auslegen etc….?
Danke für eine Anwort!
Mit freundlichen Grüßen
Regine Gebhardt

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Eva Biré schreibt () :

Sehr geehrte Frau Gebhardt, vielen Dank für Ihre Nachricht und Ihre Unterstützungsbereitschaft. Meinen Sie den Link zum Schreiben an das Veterinäramt: https://www.erna-graff-stiftung.de/wp-content/uploads/Veterinaeramt_Anschreiben.pdf ?
Beim Veterinäramt gingen aufgrund der Berichterstattung bereits zahlreiche Aufforderungen zum Tätigwerden ein. Trotzdem kann es nicht schaden, auch aus tierärztlicher Sicht das Geschehen zu behandeln. Sollte das VetAmt nicht tätig werden, wird unsere Stiftung Akteneinsicht beantragen und kurzfristig über das weitere Vorgehen informieren. Material zum Auslegen gibt es bisher nicht. Falls hieran Interesse besteht, schreiben Sie bitte an info@erna-graff-stiftung.de.
Viele Grüße vom EGS-Team

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