Wie geht es den Tieren beim Circus Voyage?

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2 der 4 Elefanten von Voyage

Der in der vergangenen Woche aufkommende Verdacht, dass Giraffen des Circus Voyage tierschutzwidrig transportiert werden, stieß bei Tierfreunden auf heftigen Unmut. Dies nahmen wir zum Anlass, uns die Tierhaltung in besagtem Zirkus bei einer öffentlichen Tierschau einmal näher anzusehen.

Circus Voyage wirbt damit, über 80 Tiere mit sich zu führen, darunter Wildtiere wie Elefanten, Giraffen, Zebras, ein Flusspferd und Kamele. In der Vergangenheit kam es immer wieder dazu, dass Tiere aus dem Zirkus ausbrachen. Im Oktober 2011 entwischte Flusspferd Jedi in Schwerin, zwei Jahre später brach Voyages Nashorn in Blankenburg aus und 2014 konnten mehrere Zebras in Ambach entkommen. Doch nicht nur mit Ausbrüchen gefährlicher Tiere machte Circus Voyage immer wieder Negativschlagzeilen. Ein jahrelanges Drama ereignete sich um Elefantendame Mausi. Schwere Arthrose, ein steifes Hinterbein und Untergewicht führten dazu, dass die Elefantin seit 2008 nicht mehr in der Manege auftreten durfte und daher ohne notwendige Beschäftigung im Circus gehalten wurde. Durch die zahlreichen Transporte musste das chronisch kranke Tier andauernde Schmerzen erleiden. Jahrelange Versuche, Mausi durch Amtsveterinäre zu beschlagnahmen, scheiterten. 2012 schließlich verstarb die kranke Elefantendame nach einem zehnstündigen Transport nach Belgien.
Dennoch wirbt Circus Voyage auf seiner Internetseite damit, als Vorzeigezirkus zu gelten. Beim ersten Blick

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Das hätte böse enden können!

auf die Elefanten zeigt aber bereits ein Tier die als Weben bekannte Verhaltensstörung. Dabei schüttelt das Tier seinen Kopf hin und her – eine Stereotypie, die auf tiefer liegende Probleme deutet und bisher nur bei Tieren in Gefangenschaft beobachtet wurde.
Besonders erschreckend war die mangelnde Sicherheit für Besucher. Eine Frau ließ ihr Kleinkind unbeobachtet nahe des Elefantengeheges krabbeln. Erst als ein Elefant die Mütze des weinenden Kindes abtastete, wurden Zirkusmitarbeiter und die Mutter aufmerksam. Glücklicherweise passierte dem Kind nichts Weiteres, aber es wäre ein leichtes für den Elefanten gewesen, das Kind zu greifen und schlimmstenfalls auch zu verletzen.

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Die Gitter hielten den Kamelen kaum Stand

Gleich mehrfach haben die Giraffen und Kamele derart gegen die Gitter gedrückt, dass die Absperrung fast umfiel. Für den Rest der öffentlichen Tierschau hielt dann eine Zirkusmitarbeiterin das Gitter fest, um weitere Vorfälle zu vermeiden. Bei einer derart mangelhaften Gehegesicherheit verwundert es nicht, dass es den Tieren immer wieder gelingt auszubrechen.
Die Gehege für die Pferde waren klein, aber im Rahmen der – Mindestanforderungen – der Zirkusleitlinien in Ordnung. Nach Aussage der Mitarbeiterin bekommen die Tiere täglich eine Stunde Auslauf. Da der Auslaufuntergrund des Berliner Festplatzes hauptsächlich aus Betonplatten besteht, ist die Qualität des Auslaufs – nicht nur für die Pferde, sondern für alle Tiere – nicht den Anforderungen genügend.
Die Haltung des Nilpferdes war leider nicht zu besichtigen. Ein Foto des Tanks hat Circus Voyage aber auf seiner Facebookseite veröffentlicht
(https://www.facebook.com/circus.voyage/photos/pcb.1578631452160736/1578631032160778/?type=3&theater)

Laut Aussage der Zirkusmitarbeiter werden keine weiteren Tiere mitgeführt. Wo die auf den Werbeplakaten abgebildeten Tiger und anderen angekündigten Tierarten des Zirkusses sind, bleibt daher unklar.

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