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Kantische Position

Kant ist für den Tierschutz in einem allgemeinen und speziellen Sinne wichtig. Im allgemeinen durch die Forderung des kategorischen Imperativs, daß jede ethische Maxime generalisierbar sein muß (—> Verallgemeinerungsprinzip), im besonderen aber auch durch einen Hinweis auf die Bedeutung des Tierschutzes. Zwar gibt es für Kant keine unmittelbare Pflicht gegenüber dem Tier (—> Pflichtenkonzept), sondern nur Pflichten des Menschen gegenüber sich selbst in bezug auf die Tiere. In der Metaphysik der Sitten (2. Teil, § 17) sagt er: „Die gewaltsame und zugleich grausame Behandlung der Tiere ist der Pflicht des Menschen gegen sich selbst entgegengesetzt, weil dadurch das Mitleid am Menschen abgestumpft und eine der Moralität sehr dienliche Anlage geschwächt und nach und nach ausgetilgt wird.”

Tierschutz wird so zu einer Vorschrift im Interesse des Menschen, der vor dem verrohenden Einfluß der Tierquälerei geschützt werden soll. Gegen diese Verengung der Argumentation hat sich nicht nur Schopenhauer, sondern auch der Philosoph Leonard Nelson(1882-1927) gewandt, indem er sagte: „Diese Begründung ist sehr künstlich. Für den, der nur zugibt, daß Tierquälerei überhaupt möglich ist, folgt das Verbot der Tierquälerei unmittelbar aus dem Sittengesetz. Wer nämlich das Quälen eines Tieres für möglich hält, setzt voraus, daß die Tiere Interessen haben. Er braucht sich daher nach dem Sittengesetz nur die Frage vorzulegen, wie er selbst in einer der Tiere analogen Situation behandelt zu werden wünschen würde. Offenbar wird er nicht einwilligen, von einem anderen Wesen, dessen Willkür er wehrlos ausgesetzt ist, gequält zu werden. Daraus folgt, daß es Unrecht ist, wenn er in umgekehrter Lage von seiner Überlegenheit Gebrauch macht und die Tiere wie bloße Sachen als Mittel zu seinen Zwecken behandelt” (L. Nelson1971, S. 87).

In ähnlichem Sinne äußerte sich der Münchener Philosoph Robert Spaemann (1979):«

„Tiere zu quälen, hat, so sagte man und so sagte noch Kant, eine verrohende Wirkung auf den Menschen. Das stimmt. Aber warum stimmt es? Wenn ,an sich’ nichts dabei ist, Tiere zu quälen, warum verroht es dann den Menschen? Es können ja wohl nur solche Handlungen dem Menschen moralisch schaden, die an sich selbst schlecht sind. Weil es an sich selbst verwerflich ist, darum ist gegen die Menschenwürde, was bei uns offiziell täglich geschieht. Das und nichts anderes ist jenen zu antworten, die sagen, Menschen seien schließlich wichtiger als Tiere.”

Kant spielt in der tierschutzethischen Diskussion immer noch eine Rolle. Jedenfalls hat er das Problem nicht nur gesehen, sondern auch behandelt, und zwar in einem dem Tierschutz durchaus förderlichen Sinne. So hat er an der Entwicklung der artübergreifenden —> Humanität einen unverlierbaren Anteil. Wie bedeutsam dieser Anteil ist, kann man erst beurteilen, wenn man etwa bei Fichtedas Tier nur als verfügbares Eigentum des Menschen, sonst aber völlig belanglos beschrieben sieht; vgl. hierzu Heinz Meyer (1975, S.121). Kants—> anthropozentrischer Humanismus wird insbesondere von Christina Hoff (1983) kritisiert.

Weitere Literatur: H. Lenk 1983, H. J. Paton 1962, G. Patzig 1971, Kapitel 4.

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