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Moral

Moral ist die mehr oder weniger gelungene Umsetzung des —> Sittengesetzes in moralische Sollensvorschriften und persönliche —> Verantwor- tung. Bei dieser Umsetzung spielen raum- und zeitbedingte, kulturelle und soziale Einflüsse eine Rolle, so daß die Ergebnisse neben Gemeinsamkeiten oft auch erhebliche Unterschiede aufweisen. Die Folge davon ist, daß M. als solche aus vielerlei unterschiedlichen Einzelmoralen besteht. M. in diesem engeren Sinne ist also eine sittlich orientierte Konzeption von Handlungsnormen, die von einzelnen Menschen, Grup- pen, Gesellschaften oder letztlich von der ganzen Menschheit (z. B. Menschenrechtsdeklaration) akzeptiert wird. So bestehen auf der Welt gleichzeitig verschiedene M.en nebeneinander, und es gibt M.en, die inzwischen aufgegeben wurden, weil es keine Menschen mehr gibt, die sie akzeptieren, was nicht notwendigerweise ein Fortschritt im Sinne von mehr Sittlichkeit in der M. sein muß. Jedenfalls wird ein erheblicher Teil aller M.en unseren heutigen Vorstellungen widersprechen, weil das –> Wertgefühl und —> Wertbewußtsein in der Menschheit vielfältige Entwicklungen und Rückfälle durchlaufen hat, so wie manche unserer heutigen M.vorstellungen im Urteil künftiger Generationen als rück- ständig oder inhuman gelten werden. Weil dies so ist, hat M. nur eine beschränkte Aussagekraft. Es muß hinzugefügt werden, um welche M. es sich handelt oder aus welchem Kontext sie stammt (M. einer bestimmten Kultur, Religion oder Philosophie oder auch M. in bezug auf einen bestimmten Anwendungsbereich). Im allgemeinen ist es aber so, daß beim Fehlen eines solchen Hinweises jeweils die in einer Gesellschaft gängige M. gemeint ist; „moralisch” bedeutet dann: gemäß der herrschenden M. und in bezug auf den jeweiligen Gesprächsgegenstand.

Mit M. und einzelnen M.en befaßt sich die —> Ethik als Wissenschaft in beschreibender und vergleichender Weise, aber auch als wertende Moralkritik.

Literatur: D. Birnbacher und N. Hoerster 1982, S. 9-23, A. Diemer und I. Frenzel 1958, S. W. K. Frankena 1981, S. 22-27, O. Höffe 1980, S.168-172.

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