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Nächstenliebe

Nächstenliebe ist die bekannteste Form des –> Wohlwollens von Mensch zu Mensch, wobei ursprünglich nicht jeder Mensch auch ein Nächster war, sondern anfänglich nur der Sippen-, Stammes- oder Glaubensgenosse. Erst viel später hat sich der Gedanke durchgesetzt, daß jeder Mensch des Menschen Nächster ist.

Das Gebot der N. ist alttestamentlichen Ursprungs (3. Mose 19, 18), wird aber von Jesus, wie die anderen Gebote auch, in der Bergpredigt radikalisiert. Die ursprünglich auf den unmittelbar Nächsten begrenzte Liebe wird als selbstverständlich abgewertet (Mt 5, 43 — 47) und das Extrem der Feindes- und Geringstenliebe (Mt 5, 40 und 25, 40) gefordert. Zu diesen „geringsten Brüdern” auch die Tiere zu zählen, entspricht also ganz dem Geist der Bergpredigt, weil ja auch in den Seligpreisungen von der N. gar nicht die Rede ist, sondern nur von der Barmherzigkeit, die gemäß Spr 12, 10 ausdrücklich die Tiere miteinschließt. „Der heilige Isaak von Ninive (Bischof und Mönch im 7. Jahrhundert) . . . fragt einmal, woran das ‚barmherzige Herz’ zu erkennen sei. Daran, antwortete er, wenn es in Nächstenliebe zu allen Kreaturen entbrenne — Mensch wie Tier. Das Herz wird weich und kann es nicht ertragen, von anderen zu sehen . . ., daß sie leiden, und wäre das Leid, das die Kreatur zu erdulden hat, noch so gering. Deshalb hört ein solcher Mensch nicht auf, auch für die Tiere zu beten (und sogar) für die Feinde der Wahrheit (und) für diejenigen, die ihm Böses antun, damit sie bewahrt und gereinigt würden. Er betet sogar für die Reptilien, getrieben vom großen Erbarmen, das sich unendlich in sein Herz ergießt, und dadurch gleicht er sich Gott an” (G. und Th. Sartory1979, S. 8). Die theologische Begründung dieser Ausweitung der N. kann in verschiedener Weise erfolgen, und zwar sowohl mit der Nähe des Menschen zum Tier (wie von Karl Barth 1970, S. 210, der den Menschen innerhalb der Geschöpfe nur als „primus inter pares” versteht) als auch gerade mit der Sonderstellung des Menschen, die ihn dazu verpflichtet, sich um die schwächeren Schöpfungsgeschwister zu kümmern; Blanke (—> Mitgeschöpflichkeit) spricht von den „anderen Familienmitgliedern”. Auch Albert Schweitzer (Predigten S. 51) bezieht die Tiere in die Reichweite der N. ein, wenn er sich auf das Gleichnis von den anvertrauten Zentnern mit dem Satz (Mt 25, 40) beruft: „Was ihr getan habt einem dieser Geringsten, das habt ihr mir getan” und dann fortfährt: „Dies Wort Jesu gilt nun für uns alle, was wir auch der geringsten Kreatur tun.” In ähnlicher Weise treten John Cobb (1972, S. 73), Alexandre Ganoczy (1982, S. 95f.) und Erik Wolf (1958, S. 46) für die Erweiterung der N. zugunsten der Tiere ein.

Die das Tier mitbedenkende N. ist die christliche Grundlage der artübergreifenden —> Humanität.

Literatur: Im Text erwähnt.

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