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Wertgefühl

Alles Fühlen und Empfinden, das nicht über das Nervensystem erfaßbar ist, entzieht sich der objektiven Beschreibunng. Entsprechend zahlreich sind auch die Theorien, die entwickelt wurden, um das Entstehen der Gefühle zu erklären. Innerhalb des Wortgebildes W. liegt allerdings eine Einschränkung auf ethisch bewertendes Fühlen vor, wie es bei F. Dorsch (1963, S. 128) als „ethisches Gefühl” erwähnt wird. So wird auch die Beziehung zwischen Gefühl und Gewissen erkennbar. Nach J. H. Huits (1969, S. 60) stellen die Gefühle „gleichsam ein Radarinstrument für das Bewußtsein von gut und böse dar” und „geben unserem moralischen Einsatz Antrieb”. Die Überzeugung, daß es dieses W. gibt, beruht im wesentlichen auf subjektiver Erfahrung, vor allem auch auf der, daß W. nicht das Ergebnis rationaler Aktivität ist, sondern „Der Wertgehalt der Wirklichkeit erschließt sich uns in Akten der Freude und Trauer, der Verehrung, der Verachtung, der Liebe, des Hasses, der Furcht und der Hoffnung”, wie R. Spaemann (1982, S. 38) sagt. Die rationale Erwägung des Gefühles ist dann der Schritt, durch den W. zum –> Wertbewußtsein entwickelt wird.

Tiefenpsychologie und Soziologie haben je für sich versucht, die Entstehung des W. aus einer von der Umwelt, insbesondere den jeweiligen Bezugspersonen erzeugten Abhängigkeit und der daraus folgenden Anpassung des Kindes zu erklären. Damit wird aber die Beschreibung des W. nicht leichter. Wir wissen allerdings, daß Gefühle auch bei der Entstehung von —> Einstellungen eine wichtige Rolle spielen und daß —> Empathie eine Form des Einfühlens ist, ohne die —> Mitleid nicht entstehen kann. Sogar die —> Humanität setzt diese emotionale Komponente voraus. W. hat auch mit Rechtsempfinden und Gerechtigkeitsgefühl (vgl. Ralf Dreier 1985, S. 96) zu tun.

Die philosophische Reflexion des W. beginnt im 18. Jh.; man spricht jedoch nicht von W., sondern von moralischem Gefühl, das „zum spezifischen Erkenntnisorgan wie zur primären Motivationskraft für Moralität erkoren” wird; (O. Höffe 1980, S. 71). Kantbetont demgegenüber die Vernunftmoral, die dann Max Schelerin seiner Wertethik von 1913 (letzte Auflage 1980) wieder in Frage stellt.

Weitere Literatur: F. Grossart 1961, W. Henckmann 1974, R. Pohlmann 1974, T. Rawls 1979, S. 521-532, R. Spaemann 1982, S. 36-45, H. J. Werner 1983.

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