Nacktkatzen-Zucht – Qualzucht? Wo sind die Grenzen im Zucht-Geschäft?

Dieser Text wurde geschrieben von Brigitta Kuhlmey, Wertungsrichterin für Rassekatzen  (Allbreed) auf internationalen Katzen- Ausstellungen. Übernahme mit freundlicher Erlaubnis durch die Verfasserin. (http://www.katzengenetik.com/nacktkatzen/)

Das Fell der Katze  ist ein Hautanhangsorgan.

Haut und Fell sind nicht nur einfache Organe, Haut und Haare sind auch Sinnesorgane. Wenn Tasthaare fehlen, fehlt ein Sinnesorgan. Ein Organ ist ein Körperteil beziehungsweise eine Funktionseinheit aus verschiedenen Geweben (Quelle:Wikipedia).

Braucht ein Lebewesen Organe?

Wieviele Organe kann ein Rasse-Katzen-Hobby-Züchter (der Machthaber) durch gezielte Paarungen einfach wegzüchten? Ist es zum Wohl der Katze, wenn Rasse-Katzen-Hobbyzüchter dem Körper der Katze verschiedene Organe (zum Beispiel Schwanz oder Haare) einfach weg züchten? Sphynx Katzen, Peterbald Katzen, Bambino Katzen, Urainische Levkoy Katzen, Elfen-Katzen und andere Nacktkatzen – bei all diesen Katzen fehlen Organe, fehlen sogar Sinnesorgane.

Wo sind die Grenzen im Zuchtgeschäft? Sind der sogenannten Rasse-Katzen-Hobby-Zucht keine Grenzen gesetzt? Was würde passieren, wenn Sie Ihrer Katze jeden Tag mit einem Rasierapparat alle Haare abrasieren würden? Ich vermute mal: nichts.

Falls irgendwann die Zucht haarloser Katzen verboten würde, könnten Sie zum Beispiel Ihre Faltohr-Katze jeden Tag rasieren. Dann hätten Sie eine Levkoy-Katze (Bild: Levkoy-Katze unten auf dieser Seite) im Haus. Wäre das eine Alternative für die Liebhaber nackter Katzen, wenn es tatsächlich ein generelles Verbot gäbe, solche Katzen zu züchten? Was für eine schreckliche Vorstellung?

Können Rasse-Katzen-Hobby-Züchter nach Lust und Laune Rasse-Katzen züchten beziehungsweise vermehren mit dem ganz bewussten Ziel, Organe zu eliminieren?

Rassekatzen deren rassetypisches Merkmal eine Minderung von Organen des Wildtyps der Katze darstellt (zum Beispiel: schwanzlos, haarlos usw.), sollte es für meine Begriffe nicht geben, weil solche Zuchten nicht zum Wohl der Katzen sind.

Tradition muss nicht immer von Vorteil sein.

Beim Wort „Tradition“ fällt mir gerade die über tausend Jahre währende Tradition ein, Katzen lebendig vom Turm auf das Pflaster zu werfen. Diese Tradition fand im flämischen Ypern statt. Dort wurde die letzte lebende Katze 1817 vom Turm in den Tod gestürzt. Es ist also nicht von Nachteil, ab und an Traditionen zu überdenken.

Unter dem Schutz der Katzen-Dachverbände und der Katzenvereine kreieren Katzen-Hobby-Züchter immer mehr Katzenrassen mit immer mehr Gendefekten. Katzen mit Gendefekten zu vermehren, ist nicht zum Wohl der Katzen.

Die Zucht nackter Katzen sollte auf den Prüfstand gestellt werden. Ist es wirklich zum Wohl der Katze, solche nackten Exemplare, denen Organe beziehungsweise Sinnesorgane fehlen, zu züchten?

Im folgenden Artikel schreibe ich meine ganz persönliche Meinung über Nacktkatzen.

Ich wollte es genau wissen und habe eine Anfrage im März 2016 beim Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) eingereicht. Das zusammengefasste Ergebnis:

Ein Verbot der Zucht von Nacktkatzen kann bestehen, wenn die Tasthaare fehlen. Die Entscheidung, ob man haarlose Katzen ohne Tasthaare züchten darf oder nicht, obliegt den einzelnen Bundesländern.

Meine Empfehlung für Nacktkatzen-Züchter könnte so lauten: Benutzen Sie ein mobiles Wohnheim zur Zucht von Nacktkatzen. Dann sind Sie flexibel, je nach Urteil der verschiedenen Gerichte agieren zu können. Je nachdem wie die Gerichte urteilen, wechseln sie einfach den Standort ihres mobilen Wohnheims in ein anderes Bundesland. Ihre nackten Lieblinge werden die wechselnden Aussichten aus den Fenstern des mobilen Domizils genießen.

Nein, das war natürlich ironisch gemeint.

Die Entscheidung, ob die Zucht von Nacktkatzen erlaubt oder verboten ist, obliegt den einzelnen Bundesländern.  Muss man nun eine Anfrage bei seinem Bundesland machen? Das wäre dann ja relativ einfach zu erfahren, ob ja oder nein. Hoffe ich jedenfalls. Mein Rat: Machen Sie eine Anfrage bei Ihrem Bundesland, bevor Sie bestraft werden.

Update Juni/2016: Im Juni 2016 habe ich bei den einzelnen Bundesländern angefragt, ob die Zucht der Nacktkatzen erlaubt oder verboten ist.  Es haben noch nicht alle Bundesländer geantwortet, aber die ersten Antworten können Sie jetzt schon HIER lesen. 

Zu den Einzelheiten: Im März 2016 habe ich eine Anfrage beim  Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) gemacht, ob es in Deutschland verboten ist, Nacktkatzen zu züchten. Meine Frage lautete ganz genau: „ich möchte wissen, ob es in Deutschland erlaubt ist, haarlose Katzen zu züchten?“

Hier ist die schriftliche Antwort vom 14.03.2016:

„Sehr geehrte Frau Kuhlmey,

vielen Dank für Ihre Anfrage, die bei uns unter der folgenden Bearbeitungsnummer geführt wird: 2016031410000116. Das nach dem vom Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft erstellte Gutachten zur Auslegung von § 11b des Tierschutzgesetzes stellt fest, dass ein Verbot der Züchtung von Tieren bestehen kann, wenn die Tasthaare fehlen.

Gutachten zur Auslegung von Paragraf 11b des Tierschutzgesetzes:
https://www.bmel.de/DE/Tier/Tierschutz/Tierschutzgutachten/_texte/GutachtenDossier.html?docId=5617102
Rechtsgrundlage Auszug Tierschutzgesetz:

§11b Tierschutzgesetz:

(1) Es ist verboten, Wirbeltiere zu züchten oder durch biotechnische Maßnahmen zu verändern, soweit im Falle der Züchtung züchterische Erkenntnisse oder im Falle der Veränderung Erkenntnisse, die Veränderungen durch biotechnische Maßnahmen betreffen, erwarten lassen, dass als Folge der Zucht oder Veränderung

1.
bei der Nachzucht, den biotechnisch veränderten Tieren selbst oder deren Nachkommen erblich bedingt Körperteile oder Organe für den artgemäßen Gebrauch fehlen oder untauglich oder umgestaltet sind und hierdurch Schmerzen, Leiden oder Schäden auftreten oder

2.
bei den Nachkommen
a) mit Leiden verbundene erblich bedingte Verhaltensstörungen auftreten,
b) jeder artgemäße Kontakt mit Artgenossen bei ihnen selbst oder einem Artgenossen zu
Schmerzen oder vermeidbaren Leiden oder Schäden führt oder
c) die Haltung nur unter Schmerzen oder vermeidbaren Leiden möglich ist oder zu Schäden führt.

Die Entscheidung obliegt den einzelnen Bundesländern.

Wenden Sie sich bei weiteren Fragen gerne wieder an den Verbraucherlotsen.

Mit freundlichen Grüßen
im Auftrag
J. Roth
(Verbraucherlotsin)“

 

Aufgaben der Schnurrhaare: Schnurrhaare haben wesentliche Funktionen  bei der Umwelterfassung zu erfüllen.

„Schnurrhaare, Vibrissen: Sinneshaare (Tasthaare), die in mehreren Reihen angeordnet auf der beweglichen Oberlippe liegen und normalerweise gespreizt getragen werden. Die Austrittsstellen, an denen die Fellhaare leicht gewölbt erscheinen, werden als Schnurrhaarkissen bezeichnet. Mittels eines Muskels können die Schnurrhaare aktiv bewegt werden. der besondere anatomische Bau der Haarwurzel läßt die Schnurrhaare zu hochsensiblen „Fühlern“ werden, die gemeinsam mit dem Sehvermögen eine außerordentliche gute Raumorientierung gewährleisten. Eine Vielzahl von Rezeptoren (Nervenenden zur Reizaufnahme) in der Nähe der Schnurrhaarwurzel leiten die aufgenommenen Erregungsmuster über Nervenbahnen in das zutreffende Zentrum der Area corticalis der Großhirnrinde. Die Laufzeit der sensorischen und motorischen Impulse ist extrem kurz, so dass zum Beispiel der Kopf der Katze auch den schnellsten Bewegungen eines einmal erfassten Beutetiers folgen kann. Die Schnurrhaare sind so hoch empfindlich, dass Grad, Richtung, Geschwindigkeit, Dauer und eventueller Rhythmus der Ablenkung der Schnurrhaare aus der Normalstellung wahrgenommen sowie die betroffenen Stellen der Oberlippe lokalisiert werden. Das befähigt die Katze, auch mit verbundenen Augen ein Beutetier, sobald es in Reichweite der Schnurrhaare kommt, blitzschnell mit präzisem Nackenbiss zu ergreifen und zu töten. Hierbei sind die Schnurrhaare weit nach vorn gespreizt, umschließen förmlich kleine Beutetiere, erfassen den Haarstrich zur Körperorientierung des Tötungsbisses und kontrollieren jede Bewegung. Bei starker Erregung, wie Abwehr oder Angriff, und beide Untersuchung von Objekten werden die Schnurrhaare ebenfalls mehr oder weniger weit nach vorne gespreizt. Vermutlich können diese hoch empfindlichen Sinneshaare willkürlich an- und abgeschaltet werden. Das hängt wahrscheinlich von der Stellung der Schnurrhaare und der erforderlichen Aufmerksamkeit des Tieres ab.

Es ist also nicht allein Aufgabe der Schnurrhaare, wie so oft behauptet wird, anzuzeigen, ob Katzen mit dem Körper durch ein Loch oder einen Spalt passen. Schnurrhaare haben eine wesentlichen Funktion im gesamten Komplex der optimalen Umwelterfassung zu erfüllen.“

Quelle: BI-LEXIKON, Rassekatzen, Müller-Girard, 1988

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Sphynx Katze, odd eyed, ohne Vibrissen, Foto: fotolia.de, (c) Eric Isselée

Die Haut ist das größte Organ des Körpers der Katze. Haare gehören zur Gruppe der Haut-Anhangsorgane.

Werden die Haare – bzw. das Fell – weggezüchtet, züchtet man einen Teil eines Organes weg.

Man züchtet ein Haut-Anhangsorgan weg. 

Ist es zum Wohl der Katze, wenn der der Rasse-Katzen-Hobby-Züchter der Katze durch gezielte Zucht ein Organ oder Teile eines Organs wegnimmt? Meine persönliche Meinung ist ein klares NEIN. Gendefekte müssen nicht durch züchterisches Handeln explizit gefördert und vermehrt werden.

Das Fell der Katze hat zweifelsfrei verschiedene Schutzfunktionen. Das Haarkleid der Katze ist ein Schutz gegen Verletzungen, Hitze und Kälte, schädliche Chemikalien, übermäßiger Sonnenstrahlung und gegen das Eindringen von Krankheitskeimen. Katzen, denen es nicht gut geht, zeigen ihre Misslichkeit durch ein aufgestelltes, struppiges und mattes Fell. Nacktkatzen können solche Reaktionen nicht zeigen, weil sie kein Fell besitzen.

Haben Katzen Wimpern? Ja!

Haben Nacktkatzen Wimpern? Nein!

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Katzenauge mit Wimpern, Foto: Birgitta Kuhlmey, 2016

Wikipedia„Als Wimpern (medizinisch: Zilien, lat. Cilia) bezeichnet man bei Säugetieren die leicht gebogenen Härchen am oberen und unteren Rand der Augenlider. Sie dienen dem Schutz der Augen durch das Abfangen von kleineren Schmutzpartikeln oder Fremdkörpern. Um die Wurzeln herum gibt es verschiedene Talg- und Schweißdrüsen: Moll-Drüsen, Zeis-Drüsen und Meibom-Drüsen oder Tarsaldrüsen.“

„Zwei Augenlider, die fast ganz mit Fell bedeckt sind, schließen sich zu ihrem Schutz, wenn irgend etwas die Augenbrauen,  die Schnurrhaare oder das Auge selbst berührt.“ Zitat (in kursiver Schrift, oben) aus dem Buch „Die Katze“, Wright & Walters, 1981.

Titel der Originalausgabe: „THE BOOK OF THE CAT“

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Nacktkatze, tätowiert, Bildquelle: balkanpix.com, mirror.co.uk, http://www.mirror.co.uk/news/uk-news/scandal-of-tattoos-on-cats-380011

Bei unzähligen Diskussionen in der Nacktkatzen-Hobby-Zucht-Generation über die Aufgaben der Schnurr- und Tast-Haare geht das wichtigste Thema, nämlich das, dass Nacktkatzen eigentlich gar keine Körperbehaarung haben, total verloren. Über diesen Gen-Defekt (Verlust des Haarkleides) redet „man“  in der Rassenkatzen-Szene nicht mehr wirklich. Es geht nur noch darum, ob Vibrissen vorhanden und funktionsfähig sind. Woche für Woche beherrschen die Nacktkatzen die Bühnen der Katzenausstellungen. Ganz nach dem Motto:

The show must go on … … und  „der Rubel muss rollen“… … für Katzenzüchter, Katzenvereine und Katzenrichter.

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Katze mit Vibrissen – Brauchen Katzen Tasthaare?, Foto: Birgitta Kuhlmey, 11/2015

Katzen fühlen durch Haare.

Die Haarfollikel der Leithaare, die über den gesamten Körper verstreut sind, sind mit verschiedenen Arten von Berührung-Rezeptoren ausgerüstet, die auf geringste Berührungen ansprechen. Nacktkatzen haben keine Leithaare. Schnurrhaare, die fächerförmig den Nasen- und Mundbereich umringen, sind für das Ergründen nahegelegener Objekte wichtig. Besonders im Dunklen verlassen sich Katzen auf ihre Schnurrhaare. Nacktkatzen haben oft keine funktionsfähigen Schnurrhaare. Bei vielen Nacktkatzen sind die Schnurrhaare stark verkürzt oder gekräuselt. Schnurrhaare reagieren auf Luftströmungen. Die Schnurrhaare sind die längsten Haare aus der Gruppe der sogenannten Tasthaare. Sie sind ständig in Bewegung. Wenn die Katze etwas untersuchen will, richtet sie ihre Schnurrhaare nach vorne. Man kann die Stimmungslage der Katze an den Schnurrhaaren erkennen. Ist die Katze ängstlich oder in Verteidigungsstellung, legt sie die Schnurrhaare zurück. Sie will ihr Gesicht kleiner machen, damit sie für ihr Gegenüber weniger bedrohlich wirkt. Die Tasthaare oberhalb der Augen, dienen zum Schutz der Augen. Bei Berührung lösen sie das sofortige Schließen der Augen aus. Weitere Tasthaare wachsen an den Wangen, am Kinn und oberhalb der Karpal-Ballen. Diese weiteren Tasthaare haben Nacktkatzen meistens nicht oder nur in verkümmerter (verkürzt oder gekräuselt) Ausführung.

Im Allgemeinen fehlen haarlosen Katzen die Leithaare und oft fehlen Nacktkatzen auch die Tasthaare.

Zum Wohl der Katzen ist es nicht, wenn das Haarkleid, Teile vom Haarkleid und somit Teile von Sinnesorganen fehlen.

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Schwanz einer Katze mit vor Erregung aufgestellten Haaren, Foto: privat

 Katzen kommunizieren durch Haare

Wird eine Katze in Angst und Schrecken verjagt oder fühlt sich die Katze bedroht, stehen ihre Haare entlang der Wirbelsäule und am Schwanz zu Berge. Nicht nur die Artgenossen der Katze verstehen in diesem Augenblick, was die Stunde geschlagen hat.

Nacktkatzen fehlt das Kommunikationsmittel „Haare“.

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Junge Katze mit aufgestellten Haaren am Rücken und am Schwanz, Bildquelle: digitalfoto-welt.de

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Peterbald Katze, FIFé Katzenausstellung Valencia, Spanien, September 2012, Foto: Birgitta Kuhlmey

Zugedeckte Perserkatzen sieht man auf Katzenausstellungen eher weniger. Da fragt man sich: warum wohl?

Der Tastsinn

Ihren sehr guten Tastsinn verdanken Katzen den Sinneshaaren, die zwischen den Fellhaaren wachsen. Sie sind deutlich stärker als die übrigen Wollhaare und befinden sich nicht nur im Gesicht der Katze, wo die Barthaare sehr lang wachsen und sehr gut zu erkennen sind. Auf der Ober- und Unterlippe finden wir etwa 30 Schnurr- und Barthaare, an den Backen und über den Augen 12 und an den Vorderpfoten zusätzlich je fünf Tasthaare. Mit diesen Haaren kann die Katze ihre Umwelt hervorragend „erfühlen“, weil sie sich in kräftigen Wurzeln verankern, die mit unzähligen sensiblen Nerven und Muskeln ausgestattet sind. Und diese Haare sind nicht nur empfindlich für Berührungen und Vibrationen, sie reagieren sogar auf Luftdruck- und Temperaturschwankungen. Wahrscheinlich ist dies auch eine Erklärung für die bis heute wissenschaftlich noch nicht nachgewiesene Fähigkeit der Katzen, Erdbeben, Vulkanausbrüche und Gewitter vorauszuahnen und Explosionen auch in großer Entfernung wahrzunehmen. Quelle: www.hauspuma.de

Schnurrhaare

„Die langen empfindlichen Schnurrhaare sind mehr als doppelt so dick wie die Leithaare und stecken dreimal tiefer in der Haut. Sie stecken in einer faserigen Kapsel, in der sich das Follilel befindet. Die Kapsel ist stark durchblutet und mit einem dichten Netz von Nervenenden ausgestattet. Die kleinste Bewegung des Schnurrhaares reizt die Nervenenden und vermittelt so Informationen aus der unmittelbaren Umgebung der Katze. Sie kann mit ihnen sogar Luftdruckveränderungen spüren und sie – wenn erforderlich – mit einem Muskel in „Halb-Acht“-Stellung bringen. Katzen haben grundsätzlich etwa ein Dutzend in Reihen angeordnete Schnurrhaare an jeder Seite der Oberlippe, einige an jeder Wange, ein Büschel über jedem Auge und Borsten am Kinn.“ Quelle (Text oben in kursiver Schrift und Bild unten): Die Katze, Wright und Walters, Mosaik Verlag, 1985

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Am 23.09.2015 hat das Verwaltungsgericht Berlin die Zucht von Nacktkatzen untersagt.

Bei Nacktkatzen sind die Schnurrhaare nicht vollständig ausgebildet. Es fehlt ein Organ – ein Sinnesorgan. Nacktkatzen haben keine funktionsfähigen Tasthaare, daher ist ihre Zucht als Qualzucht anzusehen und verstößt gegen das Tierschutzgesetz. Schnurrhaare, die nur wenige Millimeter lang sind, sind nicht funktionsfähig.

Sachverhalt: Die Klägerin züchtete mit drei Katzen und einem Kater der Rasse „Canadian Sphynx“ haarlose Katzen (sog. Nacktkatzen). Die Beklagte verbot ihr mit Anordnung gem.Paragraf 16a Abs. 1 Satz 1 TierSchG die Weiterführung dieser Zucht und ordnete zudem die Kastrierung des Katers an. Zur Begründung fügte die Beklagte im Wesentlichen aus, bei allen von der Klägerin gehaltenenKatzen und den Nachzuchten hätten keine Tasthaare festgestellt werden können. Deshalb handle es sich bei Sphynx- oder Nacktkatzen um eine Qualzucht.

Dies entspreche auch dem vom BMELV im Jahr 1999 herausgegebenen „Gutachten zur Auslegung von Paragraf 11b des Tierschutzgesetzes“ (Qualzuchtgutachten), in dem ein Zuchtverbot für Sphynx-Katzen empfohlen werde. Dieser Empfehlung hätten sich die Mehrzahl der deutschen Katzenzuchtverbände angeschlossen.

So hat das Gericht geurteilt: Nach der Änderung von Paragraf 11b Abs. 1 TierSchG durch das Dritte Änderungsgesetz von 2013 liege eine verbotene Qualzucht bereits dann vor, wenn nach züchterischen Erkenntnissen „mit hinreichender Wahrscheinlichkeit“ die Prognose gerechtfertigt sei, dass zum Einen das Fehlen oder die Untauglichkeit oder die Umgestaltung von Körperteilen oder Organen für den artgemäßen Gebrauch vererbt werde und zum Anderen aufgrund dieser Vererbung Schmerzen, Schäden oder Leiden bei der Nachzucht oder deren Nachkommen aufträten. Zwar habe es nach der bis zum 12. Juli 2013 geltenden Gesetzesfassung und der dazu ergangenen Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichtes „überwiegend wahrscheinlich sein <müssen>, dass Schäden signifikant häufiger auftreten, als es zufällig zu erwarten wäre“; eine lediglich naheliegende Möglichkeit, dass es zu derartigen Schäden kommen werde, habe nach der bisherigen Gesetzesfassung nicht ausgereicht (vgl. Bundesverwaltungsgericht, Urt. v. 17.12.2009, 7 C 4/09).

Mit der Änderung von Paragraf 11b Abs. 1 TierSchG zum 13. Juli 2013 sei aber ausdrücklich beabsichtigt worden, diese hohen Anforderungen an die wissenschaftlichen Erkenntnisse abzusenken, damit die „intendierte Wirkung, Qualzucht umfassend zu vermindern, auch tatsächlich erreicht wird“ (amtl. Begr., Bundestagsdrucksache 17/10572 S. 31). Züchterische Erkenntnisse im Sinne von Paragraf 11b Abs. 1 TierSchG lägen vor, wenn aufgrund allgemein zugänglicher Quellen (insbesondere Stellungnahmen von Zuchtverbänden, Fachzeitschriften, Fachbüchern und tierärztlichen Gutachten) bestimmte Erfahrungen mit der Zucht bestimmter Tierrassen bestünden, die sich wegen ihrer Übereinstimmung zu züchterischen Erkenntnissen verdichten. Dabei reiche es aus, dass sich in entsprechenden Fachkreisen eine überwiegende Auffassung zu einer bestimmten Zucht herausbilde. Vereinzelte, entgegenstehende Meinungen und Auffassungen bestimmter Züchter, Vereine oder Gutachter stünden züchterischen Erkenntnissen nicht entgegen, soweit sich aus ihnen nicht gewichtige Aspekte aufgrund neuerer Forschungen ergäben. Im Falle von Sphynx- oder Nacktkatzen ließen züchterische Erkenntnisse erwarten, dass die Nachzucht erblich bedingt keinerlei oder jedenfalls keine funktionsfähigen Tasthaare aufweisen werde. Bei den Tashaaren einer Katze handle es ich um ein Körperteil und Sinnesorgan, das für den arttypischen Gebrauch erforderlich sei; Tasthaare seien u.a. zur Orientierung im Dunkeln, beim Aufspüren der Beute, zum Schutz der Augen und zur Aufnahme sozialer Kontakte unverzichtbar. Das Fehlen von wesentlichen Körperteilen werde in der Kommentarliteratur regelmäßig als Körperschaden bewertet. Dafür reiche zwar noch nicht aus, dass das Tier optisch nicht über die ihm gebührende Gestalt verfüge und in dieser Hinsichtlich Sollzustand abweiche, sondern es müssten für einen Schaden nach Paragafraf 11b Ab. 1 TierSchG erblich bedingte Auswirkungen auf die Nachzucht  zu erwarten sein, die diese in ihrem artgerechten Leben nicht nur unerheblich beeinträchtigen. Das sei aber bei Katzen ohne oder ohne funktionsfähigen Tasthaare wegen der damit einher gehenden Einschränkung bei Wahrnehmungen im Nahbereich, beim Fangen und abtasten der Beute und bei der Aufnahme sozialer Kontakte der Fall. Auf etwaige, dadurch ausgelöste Verhaltensauffälligkeiten komme es nicht an, denn ein Schaden im Sinne des Paragrafen 11b Abs. 1 Nr.1 TierSchG liege bereits bei einer nicht erheblichen Abweichung vom Normalzustand vor. Etwaige Schadenskompensationen schlössen das Verbot nicht aus, d. h. es sei nicht zu berücksichtigen, dass aufgrund des Fehlens funktionsfähiger Tasthaare möglicherweise andere Sinnesorgane stärker ausgeprägt seien.

Die Kastrationsanordnung sei aufgrund von Paragraf 11b Abs. 2 TierSchG gerechtfertigt; insbesondere stelle die mögliche Wegnahme des Katers kein milderes, ebenso effektives Mittel im Einzelfall dar, weil dadurch künftige Verpaarungen und damit eine Weitergabe des rassetypischen Merkmals der Haarlosigkeit nicht mit genügender Sicherheit ausgeschlossen werden könnten. Quelle: mlr.baden-wuerttemberg.de

Textbezogene Urteile/Paragraphen:

Verwaltungsgericht Berlin, Urteil vom 23. September 2015, Aktenzeichen: VG 24 K 202.14,

Deutsches Tierschutzgesetz, Paragraph 11b.

www.advopedia.ch

Die 10 schlimmsten Qual-Zuchten, Platz 8: Nacktkatzen.

Das könnte Sie auch interessieren:

Nacktmaus – Wikipedia: https://de.wikipedia.org/wiki/Nacktmaus

Bambino Katze, Nacktkatze mit verkürzten Beinen, Bildquelle: fotolia.de (c)eSchmidt

23.09.2015 – Berliner Zeitung – Verdacht auf Qualzucht

 

Das meinte das Gericht:

Es liege Qualzucht vor, weil den Tieren ohne Tasthaare ein Sinnesorgan fehle. Also hätten sie Schäden. Quelle: Text (oben) in kursiver Schrift: Berliner Zeitung vom 23.09.2015

Meine Meinung: Das war eine gute EntscheidungKatzen, denen ein Organ fehlt (in diesem Fall die Vibrissen, die Tasthaare) muss man nicht zwingend züchten. Wenn man Katzen züchtet, die keine funktionsfähigen Tasthaare haben, ist diese Zucht meines Erachtens nicht zum Wohl der Katze. Natürlich kann man Nacktkatzen auch mit Faltohren (Urkainische Leykoy), mit Polydaktylie (Hemingway Sphynx), schwanzlos oder mit verkürzten Beinen (Bambino Nacktkatze) züchten. Den Phantasien der Katzenzüchter sind wahrscheinlich keine Grenzen gesetzt. Oder doch?

Gibt es jetzt einen Wandel (2015)? Zum Wohl der Katzen sind solche Zuchten bestimmt nicht.  Auch wenn diese Katzen noch so wunderbar schnurren und noch so eindrucksvoll anhänglich sind. „Zum Wohl der Katzen“ das ist die Standard-Formulierung der Katzenvereine in ihren Satzungen. Schauen Sie doch einmal die Satzung Ihres Katzenvereins an.

Die meisten Katzenvereine schreiben in ihren Satzungen, dass sie zum Wohl der Katzen handeln wollen. Die Katzenvereine stellen Ahnentafeln aus und veranstalten Katzenausstellungen, auf denen diese – in meinen Augen – behinderten Katzen mit Auszeichnungen und Pokalen für ihre Genmutationen belohnt werden. Die Bewertungsrichter der Rassekatzen sind – in Bezug auf dieses Thema – nicht ganz unschuldig. Wenn die Bewertungsrichter für Rassekatzen sagen würden: „Ich richte diese Katzen nicht“, würden solche Tiere wahrscheinlich nicht mehr auf Ausstellungen vertreten sein. Warum nicht? Weil diese Katzen keine Anerkennung und keine Preise bekommen würden. Leider verwehren die Bewertungsrichter der Rassekatzen solchen behinderten Katzen (ohne Vibrissen) ihre Bewertung nicht, weil die Bewertungsrichter wahrscheinlich annehmen, dass sie deswegen von den Katzenvereinen niemals wieder eingeladen werden.

Ja, und was ist ein Katzen-Bewertungsrichter ohne Katzenverein?

Diese Antwort werden Sie sich selbst beantworten müssen. DAS ist aber nur meine ganz persönliche Meinung.

 

miez

Nacktkatze, Sphynx Katze, Bildquelle: fotolia.de, (c) montersparrow

miez

23.09.2015, Berliner Verwaltungsgericht entscheidet: Nacktkatzen ohne Tasthaare sind Qualzucht

Nacktkatze, Sphynx Katze, Bildquelle: fotolia.de, (c) Svetlana Yudina

Das schreibt rbb-online.de am 23.09.2015 über Nacktkatzen und Qualzucht: Berlinerin darf keine Nacktkatzen mehr züchten.

Am 24.09.2015 schreibt der Pfaelzischer Merkur das: Gericht: Zucht von Nacktkatzen ohne Tasthaare verstößt gegen Tierschutzgesetz.

miez

Nacktkatze, Sphynx Katze, Bildquelle: fotolia.de, (c) Lilia Rudchenko

Hier ist der Bericht vom Schweizer Blick vom 24.09.2015 über das Gerichtsurteil des Verbots der Zucht von Nacktkatzen.

Am 30.10.2015 schreibt DIE WELT: Entstellte Rassen- Wie Haustiere unter der Qualzucht leiden.

 

 

 

 

 

 

 

 

Elfen-Katze, Bildquelle: canstockphoto.de, csp12709017 (c) kozzi, Elfen-Katze, Nacktkatze mit nach hinten gebogenen Ohren, Kreuzung: Sphynx/American Curl

 

Die Webseite DATENBANK ZU RECHERCHE VON TIERSCHUTZFÄLLEN schreibt DAS unter der Fallkategorie QUALZUCHT und Nacktkatzen.

01.02.2016: Nackt-Kater Willi muss erneut vor Gericht. Weiterlesen ….

03.02.2016, Badische Zeitung: Nacktkater Willis Falls kommt erneut vor Gericht. Weiterlesen …

„Was fasziniert Menschen an nackten Hunden oder Katzen, die wie ein Kaninchen hoppeln? „Die Leute spielen Gott“, meint die Tierschutzbeauftragte (Dr. Madeleine Martin): „Da sind so schöpferische Machtphantasien am Werk“. Für viele sei es auch extravagant, ein Lebewesen zu besitzen, das so ganz anders sei.“ Quelle: badische-zeitung.de, 05.02.2016

Lesen Sie auch die Meinung über Nacktkatzen von wir-sind-tierarzt.de

Nacktkatzen auf Katzenausstellung

Trotz Zuchtverbot: Obwohl im September 2015 ein Berliner Gericht verboten hat, Nacktkatzen zu züchten, werden weiterhin Nacktkatzen ausgestellt und mit Preisen und Auszeichnungen versehen. Auf der Katzenausstellung vom Katzenverein „Crystal Palace Cats“ am 24.10.2015 in Ulm hat diese nicht kastrierte Nacktkatze auf dem Foto (unten) sogar einen Sonderpreis erhalten.

Gerichtsurteile werden von den Veranstaltern der Katzenausstellungen (Katzenvereine) und den Katzenrichtern offenbar total ignoriert.

Natürlich alles zum Wohle der Katze!

Trotz Zucht-Verbot: Sonderpreis für eine nicht kastrierte Nacktkatze von Sabine S., Katzenausstellung am 24.10.2015 in Ulm, Katzenverein Crystal Palace Cats, Foto: A. van der Molen

Auf Wunsch der Vorsitzenden des Katzenvereins Crystal Palace Cats, Frau M.-L., wurde das Logo des Katzenvereins Crystal Palace Cats auf dem Foto (oben) verpixelt.

Vielleicht interessiert Sie auch DAS: In dem Buch „Praxishandbuch Katzenrecht“ der Rechtsanwältin Dr. Ute Winderlich (www.dr-winderlich.de) habe ich DAS (in kursiver Schrift) gefunden: „Zur Qualzucht bei Katzen gehören der dominante helle oder weiße Genotyp mit regelmäßigen Hörverlusten, Kurzschwänzigkeit, Kipp- und Faltohr mit Knorpel- und Knochenschäden, gestörtes Haarwachstum bis hin zur Haarlosigkeit mit Fehlen der Tasthaare, Zwergenwuchs, Vielfingerigkeit mit überzähligen Zehen, Kurzköpfigkeit und Wachstumshemmungen an Ober- und Unterkiefer sowie Augenlidanomalien.“ Ein sehr empfehlenswertes Buch!

Buch ansehen: Praxishandbuch Katzenrecht

Kater mit Tast-Haaren oberhalb der Augen, an den Wangen, unter dem Kinn und oberhalb der Lippen, Foto: Birgitta Kuhlmey, 2016

Katzen haben Tasthaare

– oberhalb der Augen

– an den Wangen

– am Kinn

– an der Rückseite der Vorderpfoten, oberhalb der Karpalballen

– und oberhalb der Lippen, die sogenannten Schnurrhaare.

Diese Tasthaare sind unterschiedlich lang und dick.

Die kräftigsten Tasthaare sind die Schnurrhaare. Tasthaare gehören in die Gruppe der Sinnesorgane. Fehlen die Tasthaare, fehlt ein Organ, fehlt ein Sinnesorgan.

Ich kann die Menschen nicht verstehen, die Katzen vermehren, denen Sinnesorgane fehlen. Katzen brauchen Haare und Tast-Haare – nicht nur zur Kommunikation mit Artgenossen. Züchter sehen das natürlich ganz anders.

Hauptsache der Rubel rollt.

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Urkainische Levkoy, Bildquelle: commons.wikimedia.org, (c) Alena Ivanchuk, Ukrainische Levkoy, Nacktkatze mit nach vorne gebogenen Ohren, Kreuzung: Sphynx/Scottish Fold

miez

Katzen mit hochgestellten Haaren, Bildquelle: canstockphoto 15141854, (c) Cerrymerry

 

27.10.2015

In eigener Sache: Die Morddrohungen, die ich seit Ende Oktober aus der Nacktkatzen-Liebhaber-Szene erhalte, tangieren mich wenig. Ich beleidige niemanden öffentlich im Internet, aber dennoch sage ich meine Meinung. Ich liebe das Recht auf freie Meinungsäußerung. Wahrscheinlich ist es die Zeit, in der ich aufgewachsen bin, die mich stark gemacht hat.

Am 16.02.2016 habe ich diese Mail (unten) bekommen. Sie bedeutet mir sehr viel, deshalb veröffentliche ich die Nachricht an dieser Stelle. Aus Datenschutzgründen habe ich die E-Mail-Adresse unleserlich gemacht.

Hallo,  du hast eine Nachricht über deine Jimdo-Seite http://www.katzengenetik.com/kontakt/ erhalten:

————————————-

Name: Heike

E-Mail-Adresse: heike……

Nachricht: Ich hab grade Ihren Artikel über die Qualzucht gelesen – sehr gut und genau meine Meinung.
Dass Sie dafür Morddrohungen erhalten haben, zeigt doch deutlich, wie geistig verwirrt die Leute sind, die aus einem schönen, perfekten Katzentier einen verkrüppelten E.T. machen.

 

Vielen Dank, Heike, für die aufmunternde E-Mail.

Ich muss ehrlich sagen, ich habe kein Verständnis für Menschen, die Katzen vermehren, denen Sinnesorgane fehlen.

Irgendwo muss es doch auch Grenzen geben – in diesem Zucht-Business.

Ich habe kein Verständnis für Katzenvereine und  Katzen-Dachverbände, die haarlosen Katzen Ahnentafeln ausstellen. Solche Katzen sind zur Zucht nicht geeignet.

Ich habe kein Verständnis für Katzen-Richter, die die Haarlosigkeit von Katzen auf Katzenausstellungen mit Titeln und Preisen belohnen, weil haarlose Katzen dadurch begehrenswerter gemacht werden.

Am 10.03.2016 habe ich die unten stehende Mail erhalten. Immer – wenn ich solche oder ähnliche Mails erhalte – muss ich weinen. Und ich frage mich, ob ich lieber eine weiße und taube Katze oder eine weiße und hörende – aber nackte – Katze hätte? Oder eine nackte, weiße, taube K….? Das könnte Sie auch interessieren: mein Artikel über weiße Katzen.

miez

… und so kann man Nacktkatzen noch schöner machen ….

miez

Tätowierte Nacktkatze, Bildquelle: prokazan.ru

miez

Tätowierte Nacktkatze, Bildquelle: tierhilfe-miezekatze.de/forum

miez

Sphynx Katze, FIFé Katzenausstellung, Valencia, Spanien, 2012, Foto: Birgitta Kuhlmey

Ein Artikel aus der BILD-ZEITUNG:

23.09.2015 – 17:32 Uhr

Berlin – Darf Kater Willi (4) kastriert werden oder nicht? Mit dieser Frage beschäftigte sich am Mittwoch das Berliner Verwaltungsgericht. Die Entscheidung: Willi darf seinen Willi nicht behalten. 

Die Klage seiner Züchterin Jacqueline L. (41) wurde damit abgewiesen. Die Frau hatte gegen das Bezirksamt Spandau geklagt, dass die „Qualzucht” von Nacktkatzen in der Wohnung der Berlinerin verboten hatte. Das Gericht folgte nun dieser Ansicht: Durch die Zucht der Canadian-Sphinx-Katzen entstehe ein Schaden, da die Tiere ohne Fell auch keine Tasthaare hätten.

„Es geht nicht darum, ob man Nacktkatzen schön findet“, sagte Richter Christian Oestmann, sondern um die Frage „nach den Grenzen züchterischer Liebhaberei“.

Vielmehr ging es um den erst 2013 eingeführten Paragraf 11b des Tierschutzgesetzes, der sich mit der sogenannten Qualzucht befasst. Auf dieser Grundlage hatte das Veterinäramt des Bezirks Spandau L. die Zucht von Canadia-Sphinx-Katzen verboten und Willis Kastrierung angeordnet. Zudem sollte L. ihre Katzen Enola, Rumba und Sadira abgeben. Weil der Widerspruch der 41-jährigen Züchterin vom Amt abgewiesen wurde, ging L. den Klageweg.

Der Streit dürfte indes weitergehen. Das Gericht hatte angekündigt, wegen der grundsätzlichen Bedeutung des Falls eine Berufung zuzulassen. Und diese hat Frauchen Jacqueline L. auch schon angekündigt – sie will vor das Oberverwaltungsgericht ziehen. Notfalls wolle sie durch alle Instanzen gehen. 

Bereits vor der Urteilsverkündung hieß es, dass der Zucht-Streit um Nacktkater Willi ein Pilotprozess sei. „Zu Qualzucht gibt es bislang keine Entscheidung“, sagte der Vorsitzende Richter Christian Oestmann am Mittwoch. Wenn Jacqueline L. die Zucht von Canadian-Sphinx-Katzen verboten werden kann, droht das Verbot auch jedem anderen Züchter in Deutschland. Es geht mithin um die Zukunft der deutschen Nacktkatze.

Jacqueline Linke hält derzeit nach eigenen Angaben neben dem vierjährigen Willi drei weitere Canadian-Sphinx-Katzen in ihrer Wohnung. Das Veterinäramt untersagte der Frau die Zucht, die dies aber nicht akzeptieren wollte. Sie soll auch Katzen verkauft haben. 

Gutachter und Tierarzt Dr. Thomas Göbel (53) sagte im Verfahren, fehlende Schnurrbarthaare bei Katzen (Vibrissen) seien für die Tiere Einschränkungen, wie wenn einem Mensch der Geruchssinn fehle. Zum einen dienten die Tasthaare der Orientierung in der Dunkelheit und bei engen Durchgängen. Zum anderen der Kommunikation: „Es ist die Verlängerung der Gesichtsmimik, damit drücken Katzen ihre Stimmung aus.“ Aber Kater Willi habe „keine funktionsfähigen Vibrissen“. Ihr Fehlen werde vererbt. „Dieser Rasse fehlt ein Sinnesorgan“, sagte der Tierarzt, „und das Fehlen eines Sinnesorgans bewerte ich als Schaden.“  Quelle: Bild-Zeitung

Die Webseite von Jacqueline Linke, www.jackys-dream-sphynx.de, ist zur Zeit (06/2016) nicht aufrufbar.

 

miez

 

Kommentare

Familie schreibt () :

So ein Quatsch habe ich schon lange nicht mehr gelesen – keine Ahnung haben über die Rasse und son Dünnschiss hier schreiben …. Wehr keine AHnun g hat sollte lieber nix dazu schreiben. Die Sphynx Katzen sind eine normale Rasse gesunde Rasse …

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Erna-Graff-Stiftung schreibt () :

Das Verwaltungsgericht Berlin kam zu der Feststellung, dass die Zucht von Nacktkatzen ohne funktionsfähige Tasthaare als Qualzucht anzusehen ist und daher gegen das Tierschutzgesetz verstößt. Dieser Entscheidung ist ein tierärztliches Gutachten vorausgegangen.

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