Interview mit der Familie der getöteten Hunde in Halle

3. Mai 2020

Verfahren unterstützen

Am Dienstagmorgen wurden bei einer Razzia in Sachsen-Anhalt, bei der insgesamt 14 Gebäude durchsucht wurden, 2 Hunde durch Polizeibeamte erschossen. Laut Medienberichten hatten die Hunde die Beamten angegriffen. Da darüber hinaus bisher nichts über die Umstände bekannt wurde, haben wir Akteneinsicht bei der Polizei gestellt, um zu überprüfen, ob die Tötungen tatsächlich rechtmäßig waren.

Gedenkstätte der Familie und Welpen der getöteten Hunde

Nach einem nun ermöglichten Interview mit der Familie der getöteten Hunde, bestehen hieran jedenfalls Zweifel. Die ganze Familie leide unter dem schrecklichen Vorfall. Beide Hunde, Cj – 5 Jahre alt und Molly – 3 Jahre alt, waren „äußerst liebebedürftige Tiere und haben die Polizisten nicht angegriffen“, erzählt uns der Bruder des Halters. Nicht nur die Menschen stünden seit dem Vorfall unter Schock. Auch der wenige Monate alte Welpe musste mit ansehen, wie seine Mutter Molly erschossen wurde und ist seitdem traumatisiert.

Die Familie schilderte uns das Vorgehen der Polizei wie folgt: Am Dienstagmorgen fingen die Hunde, die sich in der Wohnung des Halters befanden, schlagartig an zu bellen. Als der Halter der Tiere daraufhin ans Fenster trat und in seinen Garten blickte, bemerkte er die sich dort aufhaltenden Polizeibeamten. Diese richteten sofort ihre Waffen auf ihn und befahlen ihm, stehen zu bleiben und sich nicht zu bewegen. Die Bitte des Halters, noch schnell seine – noch immer bellenden – Hunde wegnehmen zu dürfen, ignorierten die Beamten, stürmten sofort die Wohnung und erschossen beide Hunde. Diese hatten lediglich weiter gebellt, aber keinesfalls angegriffen.

Auf Seiten der Familie besteht großes Unverständnis für das Handeln der Beamten. Sowohl das laute Gebell als auch ein Hinweisschild am Gartenzaun habe diese auf die Hunde aufmerksam gemacht. Das Handeln der Beamten habe aber vielmehr den Eindruck erweckt, als wäre ihnen das Schicksal der Tiere gleichgültig. Wären Sie auf die Bitte des Halters eingegangen, hätte dieser oder der anwesende Zeuge die Tiere wegsperren und so ihr Leben retten können. Auch wir fragen uns daher: Was hat die Beamten also dazu bewegt, diese Bitte zu ignorieren und gleich das Haus zu stürmen?

Bei der Razzia suchten die Beamten nach Betäubungsmitteln und Schreckschusswaffen. Beides wurde jedoch nicht aufgefunden.

Mehr erfahren:

Zwei Hunde bei Razzien in Halle getötet

Zwei Hunde bei Razzien in Halle getötet

Zum Update aus Juli 2020 Die Erna-Graff-Stiftung für Tierschutz hat Antrag auf Akteneinsicht gestellt, um mehr über…

mehr

Kommentare

Sabine Büttner schreibt () :

So zu handeln ist von den Polizisten total willkürlich und nicht tragbar
Jedes Leben ist zu schützen und die Polizisten gehören hart bestraft um endlich mal ein Statement zu setzen.

direkt antworten

Sina Sommer schreibt () :

Allerdings , meine ich auch. Und die armen Hunde einfach ab zu schießen ist nicht zu rechtfertigen. In keinster Weise versteht sich. Hätten nur den Halter lassen sollen , das dieser seine Hunde weg sperren könnte. Das sind Bullen die es absichtlich getan haben , eindeutig welche die Bock drauf hatten. Lust und Laune um zu töten

direkt antworten

Jutta Fanselow schreibt () :

In diesem Fall komme ich auch zu der Erkenntnis, dass man den Halter der Hunde treffen wollte. Und bei mir kommt Wut auf, dass Polizisten einfach so von ihrer Waffe Gebrauch machen können. Was ist das für eine Ausbildung, wenn man eine Situation so falsch einschätzt bzw. nur auf diese Weise Macht demonstriert?

direkt antworten

Sylvia Müller schreibt () :

Nicht zu fassen! Das muss in jedem Fall geahndet werden. Wir sind hier nicht im Wilden Westen und unsere Polizei hat sich an Regeln zu halten. Ich bin wieder einmal erschüttert angesichts der Empathielosigkeit gegenüber Tieren. So etwas darf nicht Normalität werden!

direkt antworten

Jetzt kommentieren:

Copyrights © 2020 Erna-Graff-Stiftung. All Rights reserved.